Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 56 (16.7.1891)
- Date
- 1891-07-16
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Betrages ein Waisenmädchen zur Verpflegung und Erziehung zu übernehmen. In Folge dieser Spende ist der Verein in die Lage versetzt, seinem Institute ein besonderes Heim zu errichten, und soll demnächst zu diesem Behufe ein Haus angekauft und zweckentsprechend umgebaut werden. Für die demnächst (Anfangs November l. I.) hier zu errichtende orth. jüdische Volksküche hat genannter Herr B. die erforderlichen Lokalitäten, in seinem Hause (dortselbst befinden sich die Tchiurlokalitäten der hiesigen Jeschiwa) zur freien Benutzung auf die Dauer von 3 Jahren zur Verfügung gestellt und überdies dieser so wohlthätigen Institution den Betrag einer ansehnlichen Summe gespendet. — Dank und Ehre sei dem edlen Wohlthäter! Preßburg. Am 23. Juni ist nach kurzer Krankheit Frau Jeanette Frey im Alter von 41 Jahren gestorben. Dieselbe war streng religiös, in reichem Matze edelmüthig und wohlthätig, dabei von seltener Bescheidenheit. Ihr Wohlthun erstreckte sich nicht nur auf die Stadtarme, welche sie in ihren Wohnungen aufsuchte, sondern auch auf die Talmudjünger der hiesigen rQ’ttf’, die sie zahlreich mit Speise und Geld unterstützte. Am Grabe gaben der Gatte, Herr Moritz Frey, welcher als Vorsteher der jüdischen Schule sich viele Verdienste erworben, und Herr Rabbiner und Lehrer Donath ihrem tiefem Schmerz um die Verstorbene beredten Ausdruck. Herr H. S. Davitcho, der bisherige serbische Konsul in Budapest, welcher zum Staatssekretär im serbischen Ministerium des Aeutzern befördert wurde, hat vor einigen Tagen seine ehrenvolle Stelle in Belgrad angetreten. Petersburg, 29. Juni. Wie gewöhnlich am Sonntag war das Concert in Pawlowsk von vielen Tausenden von AuSflüglern besucht, die meist den bessern Ständen angehörten. Diesem ^usammengeströmten Publikum bot sich nun gestern, der „Köln. Ztg." zufolge, während des Concertes eine Skandalszene so unerhörter Art, wie sie wohl selbst in dem an Skandalen reichen Rutzland nur vereinzelt dasteht. Elf Offiziere, den verschiedensten Truppentheilen und meist der Garde angehörend, saßen auf der Veranda der offenen Halle seitwärts des Orchesters und vergnügten sich damit, nicht allein durch fortgesetztes Hinstarren, sondern auch durch anzügliche Redensarten einen stark brünetten Herrn nebst zwei Damen zu belästigen, die zusammen an einem andern Tische Platz genommen hatten. Plötzlich sprang einer der Offiziere auf — er trug die Uniform der Garde-Artillerie —, ging direkt an den andern Tisch heran und — umarmte eine der beiden Damen. Entrüstet hielt ihm der Civilist seine Frechheit vor, empfing aber in demselben Augenblick von dem Offizier einen Schlag ins Gesicht. Gleich kräftig wurde sofort dieser Schlag zurückgegeben und bei der nun entstehenden Balgerei wurden dem Offizier die beiden Achselstücke abgerissen. Jetzt aber mischten sich dessen bis dahin noch unthätige Kameraden ein, indem sie ebenfalls mit Fäusten auf den Civilisten losschlugen und ihn mit allen möglichen russischen Schimpfworten überhäuften. Das übrige männliche Publikum zeigte Lust, für den so schändlich Ueberfallenen Partei zu nehmen, zumal einer der Offiziere seinen Säbel zog. „Der brünette Kerl ist ein Jude", schrie dabei der Offizier. „Gottbewahre", tönte da plötzlich eine Stimme aus dem Publikum, „es ist der Baron Stiernwall-Wallehn, der Sohn des früheren finnischen Ministers." Das bestätigte denn auch schließlich der Gemitzhandelte selbst, als endlich dem Publikum die Geduld riß, es den Geschlagenen von den Offizieren abdrängte, und es dann zu dem in Rußland NUN einmal unausbleiblichen Polizeiprotokoll kam. Wer die umarmte Dame war, weiß man vorläufig noch nicht. Auch der Name des Garde-Artillerie-Offiziers, der den Auftritt herbeiführte, ist noch nicht bekannt; es heißt, er sei ebenfalls ein Finnländer aus vornehmer Familie. Feuilleton. Wor fünfhundert Jahren. Von I. Unna (Schluß.) Das Schreiben lautet in der Uebersetzung etwa folgendermaßen: „Wollte ich Euch die Leiden aufzählen, die uns betroffen so würde Euch Entsetzen ersaffen. Nur in Kürze will ich ein Bild entwerfen von dem herben und bitteren Geschicke, das uns widerfahren; ganz so, wie es sich zugetragen, damit auch Ihr an unserem traurigen Schicksal Antheil nehmet und den bitteren Kelch der Leiden uns versüßet. Da ich glaube, daß Ihr von der Sache schon gehört habt, so will ich sie hier nur ganz kurz schildern. Am Neumondstage des Monats TammuS 5151, einem traurigen und unheilvollen Tage, schwang der Herr feindlich sein Schwert gegen die volkreiche Gemeinde Sevilla, die 6—7000 Familien umfaßte. Man verbrannte ihre Thora und erschlug viele von den Juden, die meisten jedoch wurden ihrem Glauben untreu. Manche von den Frauen und Kindern verkaufte man als Sklaven an die Mohamedaner. Die Straßen, in denen früher die Juden gewohnt halten, waren verödet. Viele waren gestorben für die Heiligung des göttlichen Namens, und viele entweihten auch den heiligen Bund des Glaubens. Von da verbreitete sich das verheerende Feuer gegen die Gemeinde der Stadt Cordova. Auch dort wurden viele abtrünnig, und die Gemeinde war vernichtet. Und an einem Tage der Trauer und Betrübniß, an jenem Tage, an dem von jeher sich Leiden über uns häuften, am 17. Tammus, da goß der Herr die ganze Schale seines Zornes aus über die heilige Stadt, von der einst die Lehre ausging und das Gotteswort, über die Gemeinde Toledo, und hervorragende Männer starben durch die Hände der Mörder. Es heiligten dort durch ihren Tod den göttlichen Namen die Rabbiner der Stadt, die edlen und auserwählten Nachkommen des Rabbenu Ascher sie mit ihren Söhnen und Schülern. — Auch dort verleugneten viele ihren Glauben, sie vermochten es nicht, der Todesgefahr gegenüber standhaft zu bleiben. Außer diesen drei Gemeinden, deren Vernichtung jedes Herz erzittern macht, gingen noch gegen,70 andere benachbarte Gemeinden unter. Dabei.waren wir hier stets in Angst und mußten Tag und Nacht auf unserer Hut sein. — Am 7. des Monats Ab zerstörte der Herr schonungslos die Gemeinde Valencia, der gegen tausend Familienväter angehörten. Ungefähr 250 Farben für die Heiligung des göttlichen Namens, die übrigen flohen ins Gebirge, aber nur wenige retteten sich, die meisten traten über. Von da griff die Zerstörung um sich gegen die Gemeinde Majorca, die am Meeresgestade liegt. Mordknechte kamen gegen sie, plünderten sie, raubten sie aus und zerstörten sie bis auflden Grund. Gegen.^dreihundert gaben" ihr Leben