Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 56 (16.7.1891)
- Date
- 1891-07-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1032 muß man, um ein Verbot nicht zu übertreten, nach dort ausweichen, wir aber pv' nuj uh wir wollen weder nach rechts noch nach links weichen, so lange wir in Deinen Grenzen weilen. Da sagte Edom zu Israel, Du sollst nicht bei mir durchziehen, denn sonst komme ich Dir mit dem Schwerte entgegen. Meine Aufgabe ist es, Euch stets im Zaume zu halten und wenn Ihr das Band, das Euer Gott um Euch geschlungen, zerreißen wollt, so sind wir da, um Euch, wenn auch ungern (der Ausdruck bedeutet etwas Wider Willen thun), dafür zu strafen. Wollt Ihr, indem Ihr zu mir sprechet yvLw „Er wird uns doch erhören", auf inp bipn die Stimme Jakobs Hinweisen, die stets beim Ewigen ein Ohr gefunden, so zeige ich Euch die wy n» ü’th die Hände Esaus, die Euch mit dem Schwerte entgegenziehen, wenn Ihr abfallen wollt von Eurem Gotte, nntw dw nVyj rfraoa Vmi?' vbt* nctn .moy« '^->2 “ot p-> d-dd ’nrui »jpoi Da sprachen zu ihm die Söhne Israels: Wohl wollen wir auf denk uns von Gott gebahnten Wege wandeln (vergl. die nrpr© zu ro\x amo, in dem es heißt: Ist Israel fromm, so sagen sie nbvi im anderen Falle heißt es »tdk bj rho), aber nur vorübergehend möchten wir auch von Deinem Wasser trinken, und Dir dessen Kaufpreis geben. Da sagte Edom: Auch das sollst Du nicht, niemals, auch nicht .für kurze Zeit sollst Du Deinem Gotte untreu werden, und Edom zog ihm entgegen mit gewaltigem Volke und mit starker Hand. ton lty». Da ließ Israel ab von seinem thörichten Beginnen. Auch in heutiger Zeit sucht Israel die ihm von Gott gesetzten Grenzen zu überschreiten und überall zeigte man ihm die Hände Esau's. In Deutschland glaubte man durch vollständiges Abschütteln aller Vorschriften unserer heiligen Thora, unsere andersgläubigen Brüder vergessen zu machen, daß wir Juden sind, da erhob der Antisemitismus sein drohend Haupt und belehrte uns, daß man einen Unterschied zwischen Juden und Nichtjuden noch sehr wohl kenne; ein Gleiches mußten wir in Oesterreich-Ungarn und noch vielen anderen Ländern erfahren; in Rußland gar zieht man uns mit dem Schwerte entgegen, so daß Israel keinen Ausweg weiß und ein nichtjüdischer Schriftsteller die Aeußerung gethan, daß den Israeliten nur der Sturz in das offene Meer übrig bleibe. Einst wurde in Egypten den Juden ebenfalls dieser Rath ertheilt, aber selbst das Meer wollte fie nicht aufnehmen, denn so heißt es: on hnt d*pi, „Das Meer sah es und floh." Das sind gewaltige Zeichen, der besonderen Fürsorge Gottes für uns. Dann erst erfüllen wir im richtigen Sinne die Pflichten gegen das Land und das Volk, in dessen Mitte wir heimisch geworden, wenu die Grundlage all unseres Thun die heiligen Vorschriften unserer Thora sind. Denn Gottes Hand allein ist im Stande uns zu helfen, und wenn wir nur zurückkehren zu Ihm, so werden die Völker nicht mehr ihre Schwerter gegen uns zücken, das Meer wird uns wiederum gespalten werden, auf daß wir einziehen in das Land,', in dem Milch und Honig fließt, und wir werden Hilfe, Schutz und Zuflucht finden im Palaste unseres Königs des Königs aller Könige, gelobt sei Sein heiliger Name. Literarische Umschau. 8. Es ist charakteristisch für den Geist unserer Zeit, die sich so sehr ihrer Fortschritte rühmt, daß unter den Neuigkeiten des Büchermarkts die Religionsvertheidigungsschriften einen stehenden Artikel bilden; der einstige Kulturhistoriker wird beim Rückblick auf unsere Periode, wenn er das massenhafte Material der Kampfesschriften in Betracht zieht, mehr als einmal Gelegenheit haben, darauf hinzuweisen, wie am Ende des 19. Jahrhunderts der überwältigendste Aufschwung der Wissenschaft, der himmclstürmende Flug des menschlichen Geistes mit Verrohung des Herzens, mit Wiederbelebung mittelalterlichen Wahnes Hand in Hand gingen. Daß es heute noch von einem Autor als nöthig befunden wird, die Lüge von der Feindschaft des Judenthums gegen andere Bekenntnisse, oder die des rituellen Mordes zurückzuweisen, ist traurig und für unsere Zeit zugleich beschämend. Wenn wir uns aber auch nicht täuschen dürfen, als ob dergleichen Schriften, und seien sie noch so überzeugend, geeignet seien, große Massen auf einmal in ihren Gesinnungen zum Bessern zu ändern, da die Böswilligen nicht belehrt sein wollen, und mit der Dummheit man bekanntlich vergebens kämpft: so dürfen wir aber nicht die Macht solcher Schriften gänzlich unterschätzen; daß nicht hie und da ein Jrrthum berichtigt, eine Wahrheit gelehrt werde, daß nicht hie und da das Wort der Wahrheit eine gute Stätte finde, das ist gänzlich ausgeschlossen. Es ist wahr, nur gar langsam wird ein Erfolg erzielt werden, aber er wird erzielt; desto dankbarer müssen wir den Männern sein, die sich der scheinbar so undankbaren Aufgabe unterziehen, ihre Feder in den Dienst einer Arbeit zu stellen, die von vorne herein auf sichtbar rasche Erfolge nicht rechnen kann. Es liegen drei Schriften hier vor uns, die der oben bezeichneten Kategorie angehören. Wenn auch nicht ausgesprochene Vertheidigungsschrift, so weist doch Tendenz und Inhalt des Buches vonDr. AdolfLewin, Rabb. in Freiburg, „Das Judenthum und die