Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 55 (13.7.1891)
- Date
- 1891-07-13
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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1024 asiatischen als Todesursache constatirt wäre. Das Berliner Publikum, das diese gefährlichen Krankheitssymptome mit ängstlicher Spannung verfolgt hätte, wäre nunmehr beruhigt. -4 Wir begreifen die Beklemmungen des Petersburger Blattes. Die Herren an der Newa fürchten, daß die Geduld der europäischen Mächte ihr Ende erreichen wird, wenn die an Leib und Seele geschwächten Märtyrer bösen Krankheiten verfallen und der Mildherzigkeit der Europäer Opfer auferlegen werden, denn die nichtrussische Welt kennt das Gesetz, daß den Juden die Krankenhäuser versagt sind, nur vom Hörensagen. Leipzig, 10. Juli. Der Verfasser der bekannten antisemitische Broschüre: „Eine jüdische deutsche Gesandtschaft", Kaufmann Paasch, wurde heute auf Veranlassung der Berliner Staatsanwaltschaft Hierselbst verhaftet. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Wien, 9. Juli. Die in Venedig erscheinende „Gazetta die Venezia" meldet aus Korfu, daß die Gährung unter den Griechen auf der Insel wieder einen hohen Grad erreicht hat und man täglich den Ausbruch neuer Judenexcesse befürchtet. Namentlich fürchtet man den 17. Juli, an welchem Tage die Wahlen der städtischen Funktionäre ftattfindeu. Der größte Theil der ausgewanderten Juden soll, nachdem er bei den Glaubensgenossen in Triest, Odessa und anderwärts das erwartete Entgegenkommen nicht gefunden habe, nach Korfu zurückgekehrt sein. Pest. Die letzte Volkszählung hat ergeben, daß in Ofenpest 102.377 Juden bei einer Gesammtbevölkernng von 486.681 Personen wohnen. Die Zunahme der Juden innerhalb der letzten zehn Jahre beträgt 32,150. Nur Warschau macht unserer Hauptstadt den Rang der ersten Judenftadt streitig, da dort bei einer.Gesammtbevölkerung von 431.864 Seelen, 146,246 Juden wohnen. Da England bloß 46,000, Frankreich 49,499 Juden haben, so übertrifft unsere Hauptstadt an Anzahl der Juden beide Länder zusammengenommen. Aus Ungarn, 8. Juli. Das ungarische und mit ihr das gesammte gesetzcstreue Judenthum hat wieder einen unersetzlichen Verlust erlitten; wieder ist einer der alten Herren, deren wir heute leider nur sehr wenige besitzen, in ein besseres Jenseits eingegangen. Kaum sind einige Wochen seit dem Hinscheiden des unvergeßlichen Rabbi Hillel!?X"r, der sowohl in Ungarn, als auch späterhin in Galizien eine bewundernswerthe, segensreiche Thätigkeit entfaltete, verstrichen, und wir werden wieder von einer traurigen Nachricht überrascht: Rabbi Aron Fried, Oberrabbiner zuHajdubößörmönyist nicht mehr! Der unerforschliche Rathschluß Gottes hat ihn am 20. Siwan in seinem 78. Lebensjahre vom Schauplatze seiner Wirksamkeit abberufen. Gleich den anderen Größen seiner Zeit hatte sich auch er für die Erkämpfuug der Autonomie der Orthodoxen in die Schranken gestellt und hatte daselbst muthig ausgeharrt. — Rabbi Aron Fried erblickte das Licht der Welt in Hajdubößörmöny im Jahre 1813. Sobald es möglich ward, bezog er die Preßburger na*»', wo er alsbald durch seinen Scharfsinn und seine ungewöhnliche Gelehrsamkeit die Gunst des großen R. Moscheh Szoferp^ in solchem Maße erwarb, daß dieser ihn mit dem Unterricht seines Sohnes, des späteren Oberrabbiners zu Preßburg, des nach seinem Werke genannten „ibid ana", ihn betraute. Nachdem er mehrere Jahre hindurch sein Wissen in Preßburg erweitert hatte, erkor ihn der berühmte Szänloer Rabbiner, Verfasser des „npn pr-, zum Schwiegersohn, wodurch er ein würdiges Glied einer der berühmtesten Rabbinerfamilien ward. Anfangs amtirte R. Aron Fried bii in einem kleinen Städtchen Samson, und als infolge der Aenderungen des Jahres 1848 der größte Theil seiner Gemeinde nach Debrezin übersiedelte, folgte er ihrem Bitten und zog auch dahin. Als aber daselbst der Reformgeist immer mehr Terrain zu gewinnen begann und er hiedurch das fleißige Lernen gefährdet wähnte, leistete er einem ehrenvollen Rufe seiner Vaterstadt Bößörmmiy Folge und nahm den dortigen Rabbinatssitz ein, wo er 40 Jahre hindurch segensreich wirkte und eine rp'B” leitete, aus der viele o*Dan »td^o hervorgingen. In einem kleineren Wirkungskreise wohl, aber nicht minder segensreich wirkte Herr Jakob Löwenftein in Großwardein, der vorige Woche seine reine Seele im 63. Lebensjahre ausbauchte. Derselbe war Ehreupräscs der p"n, Vorsitzender des Vereins „mm nofr, Vorstandsmitglied und bekleidete noch viele andere Ehrenämter in seiner Gemeinde, zu deren Gedeihen er beinahe 40 Jahre hindurch beitrug. Als in Großwardein während der Rabbinervakanz das Thoralernen in Vergessenheit gerieth, war er der erste, der seinen Sohn in die von Oberrabiner Fuchs gegründete na*»» gab, dadurch ein Beispiel gebend, das viele Nachahmung fand. Die Größe des Verlustes schilderte Oberrabiner Fuchs in ergreifenden Worten. L. G-g. Rußland. Petersburg, 7. Juli. Die südrussifchen Blätter berichten, die Auswanderung der Juden gewinne eine festere Organisation. Die jüdischen Millionäre Dreyfuß und Brodski spendeten je eine halbe Million Francs, und in verschiedenen Städten sollen Auswanderungs-Comites errichtet werden. In Regierungskreisen wird die Auswanderung