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Der Israelit · 1891-07-13 · Heft 55 (13.7.1891) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 55 (13.7.1891)
Date
1891-07-13
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1022 mel und von der Seeseite her wehte erfrischende Kühlung, als Sabbatai seinen Einzug in die alte Handelsstadt hielt. Er ritt auf seinem seltsam gezeichneten Saumthier, neben ihm Jachini zu Pferde und hinter beiden, gleichfalls zu Pferde, der Reitknecht, Sabbatai's arabisches Roß, das dessen Mantel trug, am Zügel mit sich führend. Der junge, hochgewachsene blühend schöne Mann, obgleich er nur auf einem Esel ritt, bot dennoch einen prächtigen Anblick. Sein schönes, lockiges, glänzend schwarzes Haar flatterte theils im Winde, theils fiel es auf die breiten Schultern, von denen ein glänzend schwarzes Gewand von schwerer Seide die edlen, wohlgeformten Glieder umschließend, herabwallte. Die Leute liefen zusammen, Männer, Frauen und Kinder, und Alles staunte, ob der herrlichen Erscheinung, die in ruhiger Hoheit durch die winkeligen, schmutzigen Straßen dahinritt. Jachini war nicht zum erstenmal in der Stadt, er war daher mit der Oertlichkeit vertraut und ohne sragen zu müssen, lenkte er den kleinen Zug zu einem jüdischen Einkehrhaus. Der Inhaber desselben war ihm bekannt und er erkannte auch ihn sofort; mit ausgestreckter Hand eilte er auf ihn zu. „Friede sei mit Euch, Rabbi Abraham! — Friede auch mit Euch, mein hoher Herr!" wandte er sich an Sabbatai, indem er sich tief vor ihm verneigte. Dieser erwiederte den ehrfurchtsvollen Gruß mit einer leisen Bewegung der Augenlider. Jachini aber hatte sich vom Pferde geschwungen, hatte den Willkommensgruß herzlich erwiedert und den Besitzer des Einkehrhauses bei Seite gezogen. „Wenn Ihr wüßtet, Rabbi Abraham, wie sehr es mich freut, daß Ihr meiner nicht vergessen, daß Ihr gerade mein Einkehrhaus ausgesucht habt —" „Wenn Ihr wüßtet, Rabbi Sch'lomoh, wer Euer Einkehrhaus heimgesucht hat, Ihr würdet noch ganz anders reden." Rabbi Sch'lomoh blickte ihn betroffen an. „Wer ist der fremde Herr dort auf dem Saumthier?" fragte er flüsternd, „es scheint mir, ein vornehmer, hoher Herr." „Höher als der Sultan", erwiederte Jachini in demselben Ton. Rabbi Sch'lomoh stieß einen Laut des Staunens aus. „St! st!" wehrte Jachini mit bedeutsamem Wink. „Wer ist erV" flüsterte der Neugierige, „wer?" „Das sage ich Euch später", eutgegnete Jachini abwehrend; „jetzt saget mir vor allem, ob Ihr ein schönes, geräumiges, wohleiugerichtetes Zimmer habt, das Ihr dem Herrn für einige Zeit überlassen könnt?" „Mein ganzes Haus möchte ich dem edlen, vornehmen Herrn überlassen", versetzte der Wirth, die hohe Gestalt des juikgen Mannes auf dem Saumthier staunend betrachtend. „So weiset uns Euer bestes Zimmer an," sprach Jachini, „und sorget für einen guten Imbiß." Dann wandte er sich in gedämpftem, ehrfurchtsvollen Ton an Sabbatai. „Wenn es Euch gefällig ist, Rabbi — mein Freund Sch'lomoh will Euch sein bestes Zimmer überlassen." Sabbatai blickte ihn überrascht an, Rabbi hatte er ihn noch nie genannt — aber er wußte bereits, Jachini that nichts ohne Berechnung, darum neigte er nur zustimmend das Haupt, stieg ohne jede Beluerkung von seinem Esel und folgte hochaufgerichtet, in königlicher Haltung, dem voranschreitenden Jachini, der mit der Einrichtung des Hauses vertraut, den Wegweiser machte — der staunende Hausherr ging hinterdrein, und eine ganze Anzahl Neugieriger, die sich der seltsamen Fremden wegen vor dem Hause gesammelt hatte, blickte ihnen nach. (Fortsetzung folgt.) „JSraelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel fU bestehen bei G. F. Steinacker, Leipzig, Uohplntz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 6 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einznsenden. Inhalt <Ha«ptblatt): Leitender Artikel: Wie helfen wir unseren russischen Brüdern 't Von Isaak Hirsch. — Zur Lage der Juden in Rußland. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Darmstadt. Berlin. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Preßburg. — Schweiz: Zürich.— Rumänien: Bukarest. — Türkei: rstemlek. — Eriechenland: Athen. --Vermischtes. — Feuilleton: Sabbatai Zewi. Historische Erzählung von Ernst Schwarz. (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Literarische Rundschau. — Zeitungsnachrichten und Eorresponbenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Leipzig. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. Pesth. Aus Ungarn. — Rußland: Petersburg. — Europ. Türkei: Salonich«. Asiat. Türkei: Tripolis. — Amerika: Baltimore. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des „Israelit" u. „Jeschurun", Schottftr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.

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