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Der Israelit · 1891-07-13 · Heft 55 (13.7.1891) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 55 (13.7.1891)
Date
1891-07-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1020 etwaige Kläger ihm dorthin zu folgen hätten. Es fand sich kein solcher ein, und scheint die Angelegenheit hiemit abgeschlossen. Wir haben den Schuster gesprochen und ausgefragt: er schwört, das Kreuz weder besessen noch gesehen zu haben. Die Thatsache, wie sie sich auch verhalten, hat in Brussa viel von sich reden gemacht, und ohne das energische Eingreifen des Vali hätten die Dinge eine andere Wendung genommen. S. E. der Vali von Brussa hat bei dieser Gelegenheit einen neuen Beweis gegeben von dem Geist der Gerechtigkeit und Gleichheit, der die hohen Angestellten des Sultans auszeichnet. (Alliance-Bericht.) Griechenland. Athen, 6. Juli. Wie man von hier berichtet, ist das gerichtliche Nachspiel der auf Corfu stattgehabten Unruhen noch im Gange und erfolgen vielfache Verurtheilungen der Teilnehmer zu Gefängnißstrafen bis zu sechs Monaten. Es dürften schon an zwanzig Personen, darunter auch Polizei-Agenten, abgeurtheilt worden sein. Berichten Athener Blätter zufolge beginnt auch eine langsame Rückkehr der f- Zgeflüchteten Juden platzzugreifen. Es sei zu hoffen, daß die Regierung anläßlich der bevorstehenden Muncipalwahlen auf der Insel die weitgehendsten Vorsichtsmaßregeln treffen werde, um jeder Möglichkeit von Ruhestörungen vorzubeugen, deren Möglichkeit schon deßhalb ins Auge gefaßt werden muß, weil seit den Corfioter Unruhen eine judenfeindliche Literatur aufzutauchen beginnt, deren Verbreitung die Behörden allerdings, so weit es in ihrer Macht liegt, entgegentreten. vermischtes. Wrefchen, den 6. Juli. Nur wenige ganz unbedeutende Affairen von Raffen-- und Klaffenhaß sind in der Zeit der jetzt üblichen Judenverhöhnungen und Judenzurücksetzungen am hiesigen Orte zu erwähnen gewesen. Die Bürger aller Konfessionen leben freundschaftlich und eimnüthig miteinander, und dieses beglückende Zusammenleben haben wir in erster Reihe den Männern zu verdanken, deren Ausgabe es ist für das Wohl und Wehe der Stadt und ihrer Bewohner zu wachen. So betheiligte sich vor Kurzem ein christlicher Bürger Hierselbst an der Sammlung für unsere verfolgten Glaubensgenoffen in Rußland mit einer nicht unbedeutenden Geldspende. Aus Anlaß des 50. Geburtstages und der 30jährigen Amtsthätigkeit des Herrn Lehrers Wolf in der hiesigen israelitischen Gemeinde wurden dem Jubilar auch christlicherseits viele Ovationen bereitet. Sämmtliche christliche Kollegen versammelten sich in einen Lokale, und hier hielt der evangelische Kantor und Lehrer eine herzliche Ansprache an den Jubilar. Göttingen. Von dem hiesigen Schwurgerichte wurde der Referendar Schneiderwirt wegen des Duells, in welchem er den jüdischen Asseffor Ziegel tödtete, zu zwei Jahren Festung verurtheilt. Der Cartellträger Regierungsreferendar v. Star! wurde freigesprochen. Karlsruhe. Der Verein zur Forderung des Handwerks und der technischen Berufsarten unter den Israeliten des Grotzherzogthms Baden (Abtheilung Karlsruhe) zählt gegenwärtig 195 Mitglieder mit Jahresbeiträgen von zusammen Mk. 1615. Es wurden bis jetzt 9 Knaben und 2 Mädchen in die Fürsorge des Vereins ausgenommen. Außerdem wurden 2 Gesellen bei hiesigen Meistern untergebracht. Dem Verein verbleibt ein Vermögensstand von Mk. 1050. Gailingen (Baden) 7. Juli. Unser allgemein verehrter Contor und Religionslehrer, S. Litzberger, der im vergangenen Jahre sein 50 jähriges Dienstjubiläum feierte, wurde vor einigen Wochen in den Ruhestand versetzt. In Anerkennung seiner treu geleisteten Dienste, beschloß die Gemeinde, welche die Leistungen und Bestrebungen eines Cultusbeamten richtig zu würdigen versteht, dem aus seinem Amte scheidenden Cantor eine jährl. Pension von 800 Mk. zu bewilligen. Möge nun der Allherr den verdienstvollen Greis bei fortdauernder Kraft und Gesundheit noch viele Jahre in unserer Mitte weilen lassen. Wien, 29. Juni. Der Budget-Ausschluß hat beschlossen, die Petition des „Josefstädter Bürgerclubs" in Prag, betreffend die Errichtung eines böhmischen Rabbinerseminars in Prag, der Regierung zur Würdigung zu überweisen. Prag. Wie uns berichtet wird, ist auf der hiesigen Carl-Ferdinand-Universität der bisher übliche confessionelle Eid bei der Promovirung abgeändert worden. Verschiedene jüdische Familien, welche vor Kurzem aus Corsn auswanderten, sollen, nachdem die Unruhen ausgehört haben, nach Corfu zurückgekehrt sein. Aus Salonichi wird gemeldet: Eine 25 Mann starke Brigantcnbande schleppte einen reichen jüdischen Kaufmann, Juda Jakoel, aus seinem Hause in Gomendsche fort und verlangt 5000 Pfund Lösegeld. Wabbatai Aemi. H i st o r i s ch e E r z u I> I u n Vrnst Schmari. (Fortsetzung.) Jachini betrachtete Sabbatai mit einer gewissen väterlichen Zärtlichkeit. „Sie werden an Dich glauben," sagte er, während ein hoffnungsfrcudiges Lächeln seine schmalen Lippen umspielte, „wer könnte Dich sehen, ohne an Dich zu glauben, ohne von der Göttlichkeit Deiner Sendung überzeugt zu sein." Ein Schatten glitt über Sabbatai's klare Stirn. „Du vergissest, daß in meiner Hetmath —" „Du vergissest," unterbrach ihn der Andere,

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