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Der Israelit · 1891-07-13 · Heft 55 (13.7.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 55 (13.7.1891)
Date
1891-07-13
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1018 Flugblattes bezeichnet hatte. Vor dem Schöffengericht konnte auf erhobene Anklage hin der Wahrheitsbeweis erbracht werden. Das Urtheil lautet gegen den Bureaugehülfen und gegen den Wirth auf je 40 Mark Geldstrafe. Während des Prozesses war auf gerichtliche Weisung das genannte Placat auS dem Gastzimmer entfernt und die Entfernung der noch vorhandenen antisemitischen Flugblätter verfügt worden. Die Strafkammer als Berufungsinstanz bestätigte das ergangene Urtheil und stellte fest, daß der Wirth verpflichtet sei, jedes beleidigende Placat aus seinem Lokale zu entfernen. Die hiergegen erfolgte Berufung wurde seitens des Oberlandesgerichts verworfen. Berlin. Hiesige politische Blätter wollen wissen, daß zwischen den Leitern der Hauptgemeinde und dem Vorstande der Gemeinde „Adaß Jisroöl" Ausgleichsverhandlungen schweben. Die Gemeinde „Adaß Jisrotzl" sollte ihre Selbstständigkeit aufgeben, als Preis für diese Selbstauflösung sollte die Heidereuter-Synagoge den Conservattven zur ausschließlichen Benutzung übergeben und daselbst der alte Ritus wieder hergestellt werden. Der Gedanke mag wohl hie und da Anklang gefunden haben. Es giebt auch hier in beiden Lagern Friedensfreunde, welche die Spaltung beklagen. Jedoch hat noch keiner der Einheitsschwärmer di: Lösung der Hauptschwicrigkeit entdeckt. Wer bietet den Strenggläubigen die Bürgschaft, daß die Zugeständnisse von heute dauernd in Kraft bleiben? Tnrtp hd "idk^ ns: Die nächste Wahlperiode bringt neue Männer, deren böse Laune den Friedenstempel in die Luft sprengen und die Conservativen an die Luft setzen kann. Berlin. Das Conzert, das die ehemaligen Schüler der Religionsschule „Adaß-Jisroel" veranstaltet haben, ergab einen Ueberschuß von 2000 M. Die festlichen Veranstaltungen im Ostend-Theater und Krolls Theater waren schwach besucht, da die Leitung derselben ausschließlich in der Hand der Direktoren war. Es geziemt sich, die Mitwirkung des Publikums bei solchen Anlässen in Anspruch zu nehmen. O esterr.-Ungar. Monarchie. J. W. Preßburg. . In den letzten Tagen des vergangenen Monates fanden die Schlußprüfungen an der hiesigen Bürger- und Handelsschule der orthod. isr. Kultusgemeinde statt, welche volle drei Tage in Anspruch nahmen. Diese zeigten wieder einmal deutlich, daß unsere Gemeinde seit jeher bestrebt war Thora mit Derech-Erez zu vereinen. Diese Schule wurde bekanntlich in Folge des drakonischen Trefort'schen Erlasses, daß die jüd. Schüler, welche Mittelschulen besuchen, an Samstagen und jüdischen Feiertagen vom SchreibenZund Zeichnen nicht dispensirt werden dürfen, ins Leben gerufen, um solchen jüdischen Kindern, welche weder den Willen noch die Eignung für ausschließliches Thorastudium haben, einen gründlichen fachmännischen Unterricht für das praktische Leben, als auch eine religiöse und sittliche Erziehung durch Ertheilung eines gediegenen, ausreichenden Unterrichts in den hebräischen Lehrgegenständen angedeihen zu lassen. Diese Lehranstalt ist aber auch anderseits eine Wohlthat für die hiesige Jeschiba, indem im abgelaufenen Schuljahre über 60 Bachurim die Prüfung aus den Lehrgegenständen der vier Bürgerschulklaffen daselbst ablegten, wobei die ärmeren Bachurim von Seite des löbl. Schulftuhles, besonders berücksichtigt wurden. . Die Frequenz der Schüler hat sich seit dem sechsjährigen Bestände von 13 bis auf die stattliche Anzahl von 112 Schülern gehoben, die zumeist aus weitester Ferne hierhergekommen. Der Unterricht der profanen Lehrgegenstände wird von 3 internen und 5 externen Professoren ertheilt, welche unter der unmittelbaren Aufsicht der Commission mit deren verdienstvollen und pflichteifrigen Präses, Herrn Moritz Frey, stehen. Den hebräischen Unterricht ertheilen drei von der Heiligkeit ihres Berufes durchdrungene Religionslehrer, und war.auS der präcisen und prägnanten Beantwortung, der von Sette tüchtiger Fachmänner an die Schüler gerichteten Fragen ganz unzweideutig zu ersehen, daß der empfangene Unterricht nicht blos ein mechanischer war, sondern, daß das Gelernte bereits in das Fleisch und Blut der Schüler übergegangen ist. Beweis dessen werden 6 von den 16 Frequentanten der obersten Klasse, ohne Uebergangsschule, nunmehr die hiesige Jeschiba besuchen. Um wenigstens einen Theil der die hiesige Bürger- und Handelsschule besuchenden auswärtigen Schüler zweckentsprechend unterbringen zu können, hat der Religionslehrer der obersten Klasse, Herr Abraham L ö w y, ein Pensionat errichtet, woselbst die Schüler gegen mäßiges Honorar vollständige Unterkunft, eine sorgfältige körperliche und geistige Pflege und Nachhilfe in den Lehrgegenständen finden. Hierdurch hat die Schule eine wesentliche Stütze in der Durchführung jener Jntensionen, die ihr ureigentlicher Zweck ist: die häusliche Erziehung nicht in Widerspruch mit der Schule zu bringe!?, vielmehr mit derselben Hand in Hand zu gehen, und die Schüler zu rechtschaffenen, frommen Jehudim heranzubilden. Schüler ungarischer Zunge haben daselbst Gelegenheit sich die deutsche 'spräche in Wort und Schrift in kürzester Zeit anzueignen. Wir können daher allen Eltern, die ihren Söhnen eine gründliche und echt-religiöse Bildung gewähren wollen, obgenanntes Pensionat bestens ancmpfehlen.

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