Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 54 (9.7.1891)
- Date
- 1891-07-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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> Vermischtes. < Heppenheim. In der gegenwärtigen bewegten Zeit, da antisemitische Heißsporne kein Mittel — und mag es noch so verwerflich sein — verschmähen, den confessionellen Frieden zu stören, ist es doppelt wohlthuend, wahrzunehmen, wie rechtlich denkende und rechtlich handelnde Männer ihren Abscheu gegen der Frevler Srreben unverblümt zum Ausdruck bringen. Ungeachtet der Erfolge, die die weltbeglückenden Reichstagsabgeordneten Pickenbach und Zimmermann in unserem lieben Hessenlande errungen, hat der gesunde Sinn der Bewohner unseres Städtchens keinen Schiffbruch erlitten. Vor einigen Wochen lenkte unser Lehrer, Herr Oppenheimer, sein Schifflein in den Hafen der Ehe. Von der Hochzeitsreise kommend, wurde ihm schon am Bahnhofe seitens eines christlichen Collegen ein herzlicher Willkommengrüß entboten. Freitag Abend begab sich der hiesige Gesangverein, der die Elite unseres Städtchens zu seinen Mitgliedern zählt, in die Wohnung unseres Herrn Lehrers und brachte dem jungen Ehepaare ein Ständchen. Sichtlich gerührt, dankte derselbe in schönen, beifällig aufgenommenen Worten und schloß mit dem Wunsche, daß das harmonische Verhältnitz zwischen den Bekennern verschiedener Confessionen nicht getrübt werden möge. Diese Auszeichnung, die unserem wackeren Lehrer erwiesen worden, ist ebenso ehrend für denselben, als erfreuend für uns. Berlin, 19. Juni. Die Zahl der Mitglieder des „Vereins zur Abwehr des Antisemitismus" hat bereits die Ziffer 8000 überschritten. Altona. Im Anschluß an die Bestrebungen der „Alliance israelite universelle“, deren Vertreter dieser Tage hier anwesend war, und des in Berlin zusammengetretenen Central-Comitös hat sich Hierselbst nunmehr gleichfalls ein Local-Comite gebildet, dessen erste Sitzung gestern Abend stattgefunden hat. Von den erschienenen 51 Herren wurde die Einsetzung von vier verschiedenen Special-Ausschüssen beschloffen, welche aus je sechs Personen bestehen und den Empfang, die Verpflegung und die Weiterbeförderung der hierher dirigirten Hilfsbedürftigen zu leiten und zu überwachen übernommen haben. r Bielefeld, 1. Juli. Wie weit die Antisemiten in ihrer Rohheit und in ihrer Gemeinheit gegen die Juden gehen, zeigt folgender Vorfall, der besser als alles andere die Ziele beleuchtet, die Stufe sittlicher Verkommenheit markirt, zu welcher die neuen „deutschen Bauern" nach der Lehre ihrer Lügenpropheten sinken. Man weiß nicht ob Zorn uub sittliche Entrüstung oder tiefes, inniges Mitleid mit den Antisemiten, die ihre Rohheit und ihren sittlichen Defect so öffentlich zeigen, mehr am Platze ist. Jedenfalls wirft der nachstehende verbürgte Vorfall ein eigenthümliches Streiflicht auf die Moral und Menschenliebe dieser Priester, die mit lächelndem Gesicht tödliches Gift überall da hinbringen, wohin sie den Fuß fetzen. Doch zur Sache. Hier hatten, als die barbarischen Ausweisungen unserer Glaubensgenossen eine größere Ausdehnung annahmen und reichlichere Geldmittel nöthig wurden, um die höchste Roth dieser armen Vertriebenen auch nur in etwas lindern zu können, angesehene Männer einen Aufruf erlaffen, in welchem sie um milde Gaben baten für jene Armen. Diese Gaben kamen auch in erwarteter Anzahl und Größe, und nicht nur jüdische — auch christliche Herzen fühlten Mitleid mit der Roth jener Aermsten und spendeten nach Kräften zu dem edlen Zweck. Nur das antisemitische Herz blieb verschlossen, nur ein Antisemit konnte es über sich bringen, in seiner Rohheit dem Elend den Hohn hinzuzufügen. Man höre und wundere sich über nichts mehr. Ein als Antisemit bekannter Herr, ein Photograph fühlte sich gedrungen auch etwas zu dem Liebeswerk beizutragen. Bei einem Metzger kaufte er im Beisein eines emer. Pastors, ein Stück — Schweinespeck für 3 Mk. und ließ es in seinem Namen der Redaction einer dortigen Zeitung mit der Bezeichnung zugehen: „für die russichen Juden." Die Redaction beförderte diese „milde Gabe" an einen der isr. Herrn, die den Aufruf unterzeichnet hatten. Selbstverständlich wurde die Annahme dieser „hochherzigen Schenkung" verweigert und der Speck an den Absender, den Photographen zurückgeschickt. Ein Commentar für diese Handlungsweise ist überflüssig: uns überrascht sie nicht. Aus Mittelfranke«, 1. Juli. Einige Kolmberger Zustände dürften auch die Leser außerhalb unseres Kreises interessiren. Nachdem Herr Lehrer Hei mann daselbst seines Amtes nicht mehr obliegt, ist ein Gemeindemitglied Thoravorleser. Man nimmt nämlich die heilige Rolle aus der Lade und leient alsdann aus dem Chumesch. Das Rabbinat hat zwar den Vorsteher auf das Unerlaubte dieser Handlungsweise aufmerksam gemacht, allein, das kümmert große Geister nicht. Am vergangenen ro&t' hat man in Kolmberg statt “irpyrD, die Sidrah *p geleient, weil der Pp als ^npn t£\x") solches anordnete. In demselben Kolmberg schächtet auch ein Herr Joel sein Geflügel, ohne dazu rabbinatlich autorisirt zu sein. Um aber späterem Jrrthum vorzubeugen, sei jetzt schon darauf aufmerksam gemacht, daß das von Kolmberg nach auswärts verschickte Geflügel nur dann richtig geschächtet ist, wenn die richtige nLrnitf durch Herrn Heimann bezeugt werden kann. Der Zweck dieser Zeilen ist lediglich nur der, die Gemeinde Kolmberg zu veranlassen, die ausgedeckten Mängel abzustellen, nachdem solches durch die örtlichen Verhältniffe äußerst einfach gemacht werden kann: Man braucht nur Friede unter einander herzustellen. Wie», 19. Jnni. Im Abgeordnetenhause interpellirte der Antisemit Dötz wegen des Beitritts des Präsidenten des Obersten Gerichtshofes Schmerling, zu dem Verein zur Bekämpfung des Antisemitismus, welcher somit die gehässigen Tendenzen dieses Vereines gutheiße. Prag. Zum Decan an der juridischen Facultät der deutschen Universität wurde Herr Prof. Dr. Krasnofiol ski und an der medicinischen Facultät derselben Universität Herr Prof. Dr. Arnold Pick gewählt. Eabbcrtni Demi. historische Erzählung Vrnsk Schwur.,. (Fortsetzung.) „Eher werde ich meiner Rechten vergessen, ehe ich Dein, o Messias, vergesse," fuhr Jachini fort. „Deine Weisheit, Deine Erfahrung werden mir zur Seite stehen — ich weiß es — aber sage, hälft Du es bereits an der Zeit, daß ich der Welt mich offenbare?"