Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 54 (9.7.1891)
- Date
- 1891-07-09
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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998 Comtttz fortwährend mein wärmstes Interesse zuwende u. s. w." Ich möchte diesen höchst erfreulichen Worten nur noch das eine hinzufügen, daß dem hiesigen Lokal-Comitö Männer angehören, die zu den Zierden des orthodoxen Judenthums gerechnet zu werden verdienen, wie Emanuel Schwarzschild, Michel Mainz jun., wenn ich nicht irre, auch Selig Goldschmidt u. A., die gewiß ängstlich darüber wachen werden, daß, unbeschadet der schleunigsten und zweckdienlichsten Hilfeleistung, alle religiösen Vorschriften strenge bewahrt werden. (Es freut uns sehr, daß endlich auch in das Berliner Centralcomitö die Erkenntniß eingedrungen zu sein scheint, daß man auf die trotz Elend und Noth unwandelbare Glaubenstreue der rufstschen Juden Rücksicht zu nehmen gezwungen iftz und hoffen wir, nicht wieder die Erfahrung machen zu muffen, daß, sobald Berlin die Führung einer allgemeinen jüdischen Angelegenheit übernimmt, es in erster Linie als Hort der Reform auftritt. Red.) Oe st er r. - Ungar. Monarchie. Wien, 3. Juli. Im Abgeordnetenhaus kam es heute zu stürmischen Szenen. Der Antisemit Schneider rief dem liberalen Abg. Wrabetz zu: Da rührt sich wieder die Alliance Israelite. Wrabetz entgegnete, daß Schneider in- und außerhalb des Hauses der Stampiglienfälscheret beschuldigt wurde und kein Recht habe, Andere zu verdächtigen. Später gelangte Wrabetz zum Worte und sagte: Schneider, der öffentlich beschuldigt wird, daß er zu falschen Aussagen vor Gericht und ferner einen Graveur zur Anfertigung fremder Stampiglien verleiten wollte, der den bekannten Zuruf des Abg. Bloch („Er gehört ins Zuchthaus") ruhig auf sich sitzen läßt, ein solcher Mann ist nicht im Stande, einen anständigen Menschen zu beleidigen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen links.) Die Antisemiten machen großen Lärm. Abgeordneter Schneider verlangt die Einsetzung eines Mißbilligungs-Ausschusses gegen Wrabetz und gegen den Liberalen Dr. Groß,welcher erklärte, er habe bei der Nennung „Stampiglienfälscher" „Ja" gerufen. Wrabetz verlangte Mißbilligung für Lueger, weil dieser sagte, Wrabetz habe 1500 fl. aus der Kaiser Franz-Josef-Stistung für Kleingewerbetreibende eingesteckt. Der Mißbilligungsausschuß wird eingesetzt. Wie«, 4. Juli. Das Abgeordnetenhaus verhandelte heute in geheimer Sitzung über den Bericht des Mißbilligungsausschusses. Der Referent des Majoritäts-Ausschusses, Graf Serenyi führte aus, das Haus habe nicht die Aufgabe, Aeußerungen auf ihre Wahrheit zu prüfen, sondern die formale Frage zu entscheiden, ob eine Beleidigung stattgefunden habe. Er beantragt, die Mißbilligung für Wrabetz und Lueger auszusprechen. Abg. Graf Künburg sagt, die Beleidigung sei nicht von Wrabetz ausgegangen; dieser habe nur einem peinlichen Gefühle Ausdruck gegeben, daß Schneider alle Beleidigungen sich ungestraft gefallen ließ. Vom Justizminister langte eine Zuschrift ein, daß die Wiener Staatsanwaltschaft die vom Justizministerium angeordnete Untersuchung gegen Schneider wegen Mangel an Thatbestand eingestellt habe. Der Antisemit Schneider suchte die Beschuldigungen zu entkräften; er habe gegen die Blätter nicht klagen können, weil Prozesse viel Geld kosten. Gegen die Beschuldigung Blochs habe er nichts unternommen, weil Bloch Jude sei. Redner wird zur Ordnung gerufen. Nach längerer Debatte erklärte Graf Künburg, daß die Linke infolge der Zuschrift des Justizministers auch für den Ausschußantrag stimmen werde. Bei der Abstimmung wurde der Ausschußantrag nahezu einstimmig angenommen. Wien, 7. Juli. Die vereinigte Linke im Parlament hat ihr früheres nicht sehr geschicktes Verhalten in der Mißbillungsangelegenheit, Wrabetz betreffend, wieder gutgemacht, indem sie dem Abgeordneten Wrabetz Sympathie und Vertrauen ausdrückte. Wien, 8. Juli. Nach polnischen Blättern hat Herr White, der Delegirte des Baron Hirsch, welcher heute in Warschau eintrifft, einen Plan zur Organisirung der russischen Juden und zur Ansiedelung derselben in Argentinien ausgearbeitet. Er will in Jelissawetgrad, Odessa und anderen Städten Comite's bilden, mit deren Hilfe die Auswanderungsbewegung rationell geregelt werden soll. Im Lemberg traf gestern Dr. Kuranda (Wien) und der Schriftsteller Franzos (Berlin) ein, um mit dem jüdischen Kultusrathe Maßnahmen zur Weiterbeförderung der russischen Juden zu berathen. Nach der Konferenz reisen sie nach Czernowitz weiter. Pesth, 4. Juli. Heute ist Cardinal Heynald gestorben. Derselbe war ein duldsamer Kirchenfürst, voll Liebe und Milde. Als der Antisemitismus in Ungarn drohend sein Haupt erhob, in den Comitaten jenseits der Donau und im Oberlande bereits Blut geflossen war, richtete er einen flammenden Hirtenbrief an seine Gläubigen, in welchem die goldenen Worte geschrieben standen: „Der Antisemitismus — nennen wir doch das Kind beim rechten Namen — verdient überall, wo er wüthet und die Feindseligkeit gegen die Juden schürt oder gar in blutigen Excessen losbricht, die Verdammung eines jeden vernünftigen Geistlichen, der da weiß, daß wir die Diener jener Religion sind, welche das göttliche Symbol der Liebe zu den Menschen vorausträgt und selbst zum Zwecke der Verfolgung oder Bestrafung des entschieden Bösen mm runrtitriin— nimm 'iiTiin