Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 54 (9.7.1891)
- Date
- 1891-07-09
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Ö97 ekner solchen Gemüthsruhe, die Heiligthümer, für die unsere Väter geblutet, der Verheerung preisgibt?-In dem Berathungssaal der Vertreter unserer jüdischen Gemeinde find doch wohl nur unsere G laube ns brüder versammelt, und auf der Tagesordnung stand die Gebetordnung einer Synagoge. Für die neuerbaute Synagoge in derLindenftraße muß eine Liturgie geschaffen werden. Das war ehedem allerdings Aufgabe der Schriftgelehrten, in unserer wunderlichen Zeit heißt es: 'n mn *py isdd o tut. So viele Gemeinden, so viele Gebetbücher hast Du> armes Israel. Es ist noch nicht genug, daß äußere Feinde an Deiner Zerstückelung arbeiten, auch Deine Sohne empfinden ein Behagen daran, Dich an Kopf und Gliedmaßen zu kürzen, auf daß Du bis zur Unkenntlichkeit entstellt, eines langsamen aber sichern Todes verendest. — Als Parole wurde ausgegeben, der Gottesdienst müsse noch mehr gekürzt werden. Wie sollte diese Wunderthat an dem bis zur entsetzlichen Magerkeit herabgesunkenen Siddur vollbracht werden? Da mußten zunächst die Psalmen ins Verderben sinken. Von den 6 mp a-iy* Psalmen fand nur einer Gnade in den Augen des kühndreinschlagenden Referenten. Die Vorbeter sollen ihren gewohnten Gesang aufgeben, vielmehr ihre Deklamationen nach neuestem Zuschnitt vortragen, um das Ohr des Tempelbesuchers nicht mit altjüdischen Melodeien zu ängstigen. Da ernste Männer keine Halbheiten mögen, so wurde dem icnp 'sn vor rpie der Garaus gemacht und von dem an Stelle des Kol-Nidrei gesetzten Psalmes d'pbj/bd nur ein Vers als Erinnerung zurückbehaltcn, — selbstverständlich in hochdeutscher Sprache. — Für die Beschwerden des Repräsentanten G. Löwenberg, daß solch wichtige Vorlagen vorher zur bessern Orientirung dein Druck übergeben werden müßten, hatte man kein Ohr. Denn es lagen noch hochwichtige Dinge vor, es sollte noch über gemischten Chor berathen werden. — Doch Ihr Berichterstatter hatte in einer kurzen Spanne Zeit genug erlebt. Ich wanderte heim und beklagte unser unbarmherziges Geschick, das uns von Außen mit Elend heimsucht und in unserem eigenem Lager tiefes Weh bereitet. Während der Feind vor unfern Mauern wüthet, geht Israel hin, um seine Heiligthümer zu zerstören, um die Kinder von ihrem Allvater in den Höhen zu entfernen, um sich selbst den Untergang zu graben. Mir fiel Karl Frenzels Vers ein, den er vor Kurzem unfern unglücklichen Brüdern gewidmet: Denke — wie hinieden Alles Sich auch wandelt ohne Ruh — Deines Sieges, Deines Falles Tiefstes Element bis — Du. Berlin, 2. Juli. Die Antisemiten, die neuerdings hier sehr rührig sind, hatten zu gestern eine Versammlung von Turnern berufen, um Stellung zu nehmen zu dem von der Berliner Turnerschaft abgelehnten Antrag auf Ausschließung der Juden aus den Turnvereinen. Es war, neben einer Anzahl Turnern, das ständige Publikum der Antisemitenversammlungen erschienen. So gelang es, nach einigen stürmischen Auftritten und einigen Hinauswerfereien, eine Resolution anzunehmen, die sich für den Ausschluß der Juden und für deutschnationale Turnvereine ausspricht. Frankfurt a. M, 7. Juli. Der in der vorjüngsten Nummer des „Israelit" enthaltene, von hier aus eingesandte und gewiß in der besten Absicht geschriebene Artikel des „Jsr." in Bezug auf die Thätigkeit des Haupt-Comlts's für die Unterstützung unserer unglücklichen russischen Glaubensgenossen hat, wie leicht begreiflich, in frommen Kreisen große Beunruhigung hervorgerufen. Ich bin in der angenehmen Lage, hinsichtlich der dort angeregten Fragen einige Mitthetlungen zu machen, die geeignet sind, alle Befürchtungen zu zerstreuen. Einem Schreiben des Herrn Rabbiner Dr. Hildesheimer betreffs dieser Frage (dasselbe steht auf Wunsch der verehrlichen Redaktion zur Verfügung), entnehme ich folgenden Passus: „In den verschiedenen Orten Ostpreußens ist ganz vorzüglich für nvwa und p"p mns» gesorgt; in Königsberg hat George Marx, einer der merkwürdigsten yn 'n tcnpcn d»p»ts , die Angelegenheit in Händen; in Memel ist die Sache in Händen der Polen; in Tilsit leitet sie E. Wesbutzki, ebenfalls ein seltener 'ri "D“6 Tim dw nt, rc. rc. Sogar ’jsd ia^rw aVn und bw ns wird den Leuten gegeben." Herr George Marx wurde in der Angelegenheit von den Herren Hackenbroch und Levis dahier angefragt und richtete an dieselben einen ausführlichen Brief, in dem es u. A. heißt: „Die Abfertigung und Verpflegung der Emigranten geschieht in den Grenzstädten, sowie hier, ohne Verletzung der Religionsvorschriften. Diejenigen, welche über mp, während ärztlicher Behandlung oder bis zur Abfahrt des Dampfers nach Stettin, hier verbleiben, werden in jeder Hinsicht versorgt. Die activen Mitglieder bestehen größtentheils aus unseren hiesigen Glaubensgenossen russischer Nationalität. Das nnao ist absolut und unbezweiselbar. . . . Das Hauptcomitv verhält sich aber auch ablehnenh den wenigen Auswanderern gegenüber, welche etwa rop sind, wie z. B. gegen einen mi», der jüngst am mp hier ankam. . ... Ich gebe Ihnen noch die Versicherung, daß ich der gesummten Hilfsaktion bei dem Hauptgrenz-