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Der Israelit · 1891-07-09 · Heft 54 (9.7.1891) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 54 (9.7.1891)
Date
1891-07-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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996 lich von dem Wunsche beseelt sei, die ganze Gemeinde gleichmäßig zu einer v'wnp ubi my, zu einer Versammlung von lauter heiligen Männern zu erheben. Eine Ueberhebung Einzelner glaubten sie nicht dulden zu müssen. Für dieses Gleichheitsprinzip waren sie bereit, ihr Leben zu opfern, so sehr hatte Korach sie durch seine Reden beeinflußt und irregeführt. Die Thora nennt diese Männer denn auch D’xtsnn DfWÖ33> Jrregesührte, die bereit waren, zur Durchführung ihrer einmal gewonnenen Ueberzeugung selbst das Leben zu opfern, da wollte Gott Israel zeigen, auf welchen Grundsätzen das Wesen Israels beruht. Der Stab Aharon's, meinen einige der Weisen, konnte nur dann blühen, wenn es derselbe Stab war, der sich bereits im Besitze Jehudah's befand. Jehudah, dessen Name mit der Geschichte des Gottesvolkes auf das Engste verknüpft war, ja noch heute verknüpft ist — nennt man doch jeden Einzelnen von uns nach ihm — ist der Vertreter der jüdischen Nationalität. Aharon hingegen ist der Vertreter der miay, des Gottesdienstes. Letzterer muß vollstän- . big auf dem Boden der Nation stehen. Ein Gottesdienst, der nicht aus der Nation erwachsen, ist undenkbar und kann nicht zur Blüthe gelangen. Nicht ist der Dienst, den Israel seinem Gotte widmet, mit dem Gottesdienste anderer Völker zu vergleichen; wohl ist auch ihnen vielfach die Erkenntnitz. eines einzigen Gottes geworden, wohl beachten auch sie die Gesetze der Nächstenliebe; unser Gottesdienst aber, der von allen Juden während ihres ganzen Lebens Thaten verlangt, zu besten Heranziehung es der sorgfältgsten Erziehung eines jeden Mitgliedes unseres Volkes bedarf, er ist mit der jüdischen Nation unauflöslich verbunden, und Israel kann sich ebensowenig von seiner Religion, wie von seiner Herkunft loslösen. Die rrnuy, der Gottesdienst wird von der Nation getragen, und deßhalb sagen die Weisen, daß der Stab Aharons jener Stab gewesen sei, dessen einstiger Besitzer der Begründer der jüdischen Nationalität gewesen. Dahingegen sagen wieder Andere, daß es Moscheh's Stab gewesen, der hier zu Gunsten Aharons gesprochen, indem er Blüthen trug. Die mny, der Gottesdienst ist von der Thora vollständig abhängig, und Mofcheh ist der Vertreter der Thora. Nicht darf die n-nay abweichen von den Vorschriften der Thora, nicht darf sie Gebräuche in sich aufnehmen, die der Thora zuwider sind oder keine Begründung in der Thora finden können. Durch das Festhalten an der Thora hat Israel das Sklavenjoch der Egypter brechen können. Das wogende Meer hat sich um der Thora willen für es gespalten, und um der Thora willen konnte die Wüste mit all' ihren Schrecken dem Volke nichts anhaben. Aber, fügt die dritte Gruppe unserer Weisen hinzu, die 12 Stäbe mußten auch aus einem Stamme, aus dem Stamme des Schekedimbaumes sein. Schekedim sind Früchte, die rasch zur Entwickelung gelangen, aber sie sind auch das Bild des ruhigen Abwartens und Höffens inwyb »w bv w npr? *a (Jerem. 1. 12). Nur dann, wenn Israels Stäbe aus einem Stamme geschnitzt sind, nur dann, wenn in Israel Friede herrscht, kann der von nationalem Geist getragene, durch die Thora geweihte Stab des werkthätigen Gottesdienstes, der Stab Aharons zur Blüthe gelangen. Hiervon ist Israels Zukunft abhängig; der blühende Aharonstab ist dann das Scepter des Messias. u»d'3 mrroa. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzen. Deutschland. Berlin, 28.Juni. Wir siegen durch unsere unverwüstliche Gotteskraft, wir fallen durch das Elend, das wir uns selbst bereiten. Uebelwollende Potentaten können uns von Haus und Hof jagen, wir schnüren unfern Bündel und wandern mit der uralten Pergamentrolle am Herzen in die bunte Welt hinaus, schlagen unsere Hütten bei minder feindlichen Brüdern auf und lesen zum Vieltausendsten Male das hoffnungsreiche Wort: „Aber auch im Lande ihrer Feinde verschmähe ich sie nicht und verwerfe sie nicht, um mein Bündniß mit ihnen zu brechen." Unter dem Schutze dieser Verheißung trotzen wir allen Stürmen, wir bluten für unsere Heiligthümer, aber erstehen wieder zu neuem Leben, geschaart um die Fahne, die Gott uns gestiftet, und sein Prophet am Tage des ersten Sieges über den ersten Amalek entfaltete. Die Schläge der äußern Feinde können unser Herz brechen, aber nicht unfern Muth niederbeugen. Doch zehrt inneres Elend an unserm Lebensmark, dann wehe uns, denn uns bricht das Herz und sinkt auch der Muth.-Wehe, rufen wir, denn wieder ist in dem Gemeindehaufe der Israeliten in Berlin ein kostbares Stück Judenthum zu Grabe getragen worden. In erstaunlich kurzer Zeit war die Arbeit vollbracht. Mit einer Geschicklichkeit, die einer guten Sache würdig gewesen wäre, schwang der Held des Tages sein Sezirmesser über das bereits mit tausend Narben bedeckte Berliner Gebetbuch und durchschnitt da und dort nach Herzenslust die heiligen Gebetreste mit einer fühllosen Kaltherzigkeit, die unser Entsetzen erregte. — Ist das unser Bruder, fragten wir uns, der mit

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