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Der Israelit · 1891-07-06 · Heft 53 (6.7.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 53 (6.7.1891)
Date
1891-07-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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seine Blüthen zeitigen und seine Früchte reifen könne, es ist ein Wahn, daß es Absonderung und Ausschließung verlange. Die vom Judenthum gelehrte Wahrheit ist für die Gesammt- Menschheit bestimmt, in den spezifisch jüdischen Gesetzen, die das Leben des Juden zu einem eigenartigen gestalten, gelangt diese Wahrheit zum Ausdruck, der Jude hat in deren gewissenhaftest geübten Befolgung des hehren, priesterlichen Amts zu walten, für welches Gott Israel in allen feine» Gliedern aller Geschlechter für die Menschheit eingesetzt. Wenn wir die große, an schmerzensreichen Erfahrungen nicht arme Zeit begreifen, eine Zeit, in welcher Hunderttausende unserer Brüder und Schwestern das namenlose Elend der Bedrückung und Verfolgung erdulden und Gott und der Wahrheit des Judenthums die Treue nicht brechen und sich bemühen als die echten Nachkommen jener Märtyrer □itrn nttmp bv hcdet, dann möchten wir, denen Gott eine solche schwere Prüfung erspart hat, uns zu der Erkenntniß erheben, daß wir fest und treu zu der ganzen Wahrheit des Judenthums zu stehen und für die unverbrüchliche 'Betheiligung derselben unsere Söhne und Töchter zu erziehen und zu begeistern haben. Wir müssen wieder ganze Juden und dadurch wieder das tik ’u das einige Volk werden, das im Innern keinen Zwiespalt kennt, einig in der Erkenntniß und Verwirklichung der einzigen jüdischen Lebensaufgabe: urmn nan in riN a'pin Alles Wahre, Reinmeuschliche, Herrliche und Schöne, was in der Menschheit zur Blüthe gereicht, ist ein Ausstuß der Sonne, die am Horeb aufgegangen und ihre leuchtenden, wärmenden, Leben erzeugenden Strahlen über die weite Erde hin ein sendet. Der Jude freut sich dieser Strahlen und begrüßt in ihnen das Morgenroth jener Zeit, die am Ende der Menschheits-Erziehungen in überwältigender Herrlichkeit winkt. Er befreundet sich gern mit jeder Erkenntniß, die unter diesen Strahlen in irgend einer Menschenbrust zur Reife gelangt ist, er ist jederzeit gern und freudig bereit, „die Wahrheit von einem Jeglichen sich anzncignen", und mitzuwirken mit dem vollen Einsatz seiner Kraft an dem Aufbau des Heiles des Kreises, welchem er als Bürger angehört. Je treuer er fest hält an der jüdischen Wahrheit, je ernster ihm die Verwirklichung der jüdischen Lebensaufgabe gilt, desto hingebender wird er seiner Bürgerpflicht gerecht werden. Er begreift sich als echter Abrahams-Sproß, des Semiten pan excellence, dem Gott verheißen, daß durch seine Nachkommen alle Familien der Erde das Heil empfangen sollen, das Heil und den Segen durch die hehre Predigt von dem Rechte und der Liebe, wie Gott sie gewollt, in der treuen Erfüllung des Gesetzes, das Er am Sinai geoffenbart. Zeitungsnachrichten und Gorrespondenzen. Deuts ch l a n d. Mainz, l. Juli. Zur Feier des 50jührigen Geschäftsjubiläums des Bankhauses Rudolph Bamberge, u. Co. hat der Inhaber der Firma, Herr Rudolph Bamberger, Bruder des Reichstagsabgeorduetcil Ludwig B a m b e r g e r, dem Mainzer Gewerbvereiu und der zu gründenden Krankenkasse des Kanfmännischen Vereins namhafte Geldbeträge überwiesen. Der Großherzog ernannte Herrn Bamberger zum Kommerzienrat!). Namens der Großh. Regierung gratulirte Herr Provinzialdirektor Küchler, Namen der Stadt Mainz Herr Oberbürgermeister Dr. Oechsncr und die Herren Beigeordneten, Namens der Handelskammer Herr St. C. Michel. Herr Bamberger ist seit einer Reihe von Jahren Stadtverordneter. Aus dem Großherzogthum Hessen» Ich habe Ihnen kürzlich von der in Darmstadt stattgefunbeueit Versammlung der Vorsteher Starkenburgs berichtet. Heute bin ich in der angenehmen Lage von einem Circular zu berichten, das eine Folge dieser Versammlung, an die Gemeinden versandt wird und in welchem um gewissenhafte Beantwortung aller auf einem verschlossenen Fragebogen sich befindenden die jüdischen Gemeindeverhältnisse betreffenden Fragen gebeten wird. Wir wünschen und hoffen, daß dies allseitig geschehe. Sehr erfreut hat es uns, daß wir unter dem Circular die Namen von Männern sehen, die den verschiedensten religiösen Richtungen angchören. So sollte es immer und besonders in der jetzigen Zelt geschehen. Aus dem hessischen Odenwald, 29. Juni. Das arn gestrigen Sonntag OoTt den Antisemiten geplante „große Volksfest" in Sandbach ist noch in letzter Stunde auf Intervention des Kreisamts Erbach durch das Ministerium insofern eingeschränkt worden, als die Behörde sowohl das Halten von Reden im Freien, wie auch von Tanzmusik überhaupt untersagte. Di-. Böckcl sprach deshalb in der Scheuer von einer improvisirten Tribürie aus zu den kaum 500 Köpfe zählenden Theilnehmern, von denen er wohl ein Drittel mitgebracht hatte. An dem „Festmahl" nahmen ca. 90 Personen Theil, darunter 30 weiblichen Geschlechtes. Karlsruhe (Baden.) Bankier Leopold Willstätter ist zum persischen Consul in Karlsruhe ernannt worden. Aus dem bad. Oberlande. Gestern, am 28. Juni, fand in unserer Amtsstadt Radolfzell das 33. Höhgau-Sängerfest statt, an den sich ungefähr 40 Vereine mit über 1200 Mitgliedern betheiligten. Die 2 israelitischen Vereine Wangen und Gailingcn erhielten hierbei Preise und zwar der Ge-

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