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Der Israelit · 1891-07-06 · Heft 53 (6.7.1891) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 53 (6.7.1891)
Date
1891-07-06
Page
– (sequence 11)
Language
German
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989 sangverein Wangen einen 1. und Eintracht Gailingen einen 2. Preis. Der gesellige Verkehr unter den nach vielen Tausenden zählenden Sängern und Sangesfreunden aus allen Schichten der Bevölkerung zusammengesetzt, war ein solch friedlicher und einträchtlicher, wie es sich nicht schöner denken läßt, was wohl werth, öffentlich erwähnt zu werden. Aus Mittelfranke». Entgegen der Correspondenz aus Homburg v. d. H. in Betreff der „Schneeball-Collekte", ist es zwar anerkennenswerth, daß junge Damen für das Wohl der unglücklichen Russen beseelt sind; allein wenn sie die Kette unterbrochen, die Briefe nicht planmäßig weiterbefördert, nurblos collektirt haben, so haben diese Damen bei ihrem guten Willen dem Zweck mehr geschadet, als Nutzen gebracht. Nach meiner unmaßgeblichen Berechnung soll diese Vervielfältigung der Briefe durch die Fortsetzung bis Z. viele Tausende bringen. H. Aus der Provinz Posen. Die hohe Bedeutsamkeit der Schechita für das jüd. Leben ist cs, die heute mich veranlaßt, folgende Zeilen der Ocffenrlichkcit zu übergeben. Wie bekannt, wird gegenwärtig für die Brüdergemeinde in Posen, in deren Synagoge die Lrgel eingcführt ist, ein Cantor gesucht und haben bereits Cantoren aus aller Herren Länder dortselbst Probevorträge gehalten. Unter diesen zur Probe berufenen (Kandidaten befanden sich auch die Herren Hofstein, seither vmv7 in Krotoschin — jetzt Eautor in der neologen Gemeinde in Dresden — und H e lis ch k ow s k i, tarnte in Dcutsch-Crone. Dieses Faktum ist so schwerwiegend, daß die allgemeine Aufmerksamkeit hierauf gelenkt werden muß. Wie ist es den betr. orth. Gemeinden und orth. Rabbinen möglich, n'ürm Vertrauen auf rrntBO zu schenken, wenn dieselben cs mit ihrem Gewissen vereinbaren können, pekuniärer Vortheile wegen eine Stelle an einer Orgelgemeinde zu acceptiren. Mögen die betreffenden Herren Rabbiner bei Anstellung von D’ömtp dies bedenken und hierdurch veranlaßt werden, zuverlässigen Bericht über den religiösen -Lebenswandel der ononw einzuziehen, bevor denselben ertheilt wird. Gleichzeitig möchte ich auch auf ein in unserer Provinz vorgekommenes Ereigniß Hinweisen und hiermit fcstfttllen, daß cs auch energische und gewisseuhafte Rabbiner gibt, die für .-npnpn unjiDN die größten Opfer bringen. Vor ca. 2^/.Jahren mußte ein jüngerer Rabbiner unserer Provinz einem tsnw die Fähigkeit zur Ausübung der Schechita absprechen, weil letzterer das Tasigcfühl verloren ^hatte; häufig soll derselbe nach der Schechita das Lchlachtmesser — welches mo’5& hatte — abgegeben haben. Infolge dessen fand unter dem Vorsitze des obenerwähnten Hofstein eine Versammlung von 8 □'•onnp (!?) statt, die insgesammt dem betr. &rw das Zmgniß ausstellteu, oaß er ein ausgezeichneter vnnp sei. Auf Grund dieses Zeugnisses wurde dem Rabbttier von dem Vorstand seiner Gemeinde mit Kündigung der Stelle gedroht, wenn er dem betr. tsrw nicht zu einer anderen Stelle verhelfe. Dies konnte jedoch jenen Rabbiner nicht veranlassen, sein Gewissen zu belasten; die Kündigung wurde zugestellt und wäre auch zur Ausführung gelangt, wenn nicht seitens Kgl. Regierung dieselbe auuullirt worden wäre. — Der Vorsitzende jener 8 v'vmv, welche das Zeugniß ausgestellt hatten, ist — wie bereits erwähnt, jener Herr Hofstein. Zum Schluß sei noch bemerkt, daß einer der obenerwähnten 8 a»Brnff vor circa 4 Monaten dem betr. Rabbiner zugestandeu haben soll, daß der in Frage stehende mp in jener Versammlung (!) mindestens 2 Stunden an dem Messer gearbeitet und auch dann dasselbe nicht tadellos abgegeben hatte/ Jnowrazlaw, 21. Jnnt. Vor einem Jahre verheirathete sich eine jüdische Dame D. von hier nach Wloclawek in Rußland mit einem Herrn R. Am 1. jüdischen Pfingfttage bediente sich die Ehefrau eines christlichen Knaben zum Feuermachen. Der Knabe erhielt von der Frau Kaffee und Kuchen. Zu Hause augelangt, erzählte er noch den Seinen, wie gut er von der Familie bewirthet worden sei, erkrankte aber bald darauf und starb unter gräßlichen Schmerzen. Da die Krankheitserscheinungen Vergiftung vermuthen ließen, wurde die Sache der Polizei angezeigt und beide Eheleute wurden in Haft genommen. Bei der gerichtlichen Vernehmung bestanden sie jedoch, indem sie ihre Unschuld betheuerten, darauf, daß der Knabe sezirt werden solle. Dies geschah, und es stellte sich heraus, daß der Magen des verstorbenen Knaben mit unreifen Stachelbeeren überladen war, und die Aerzte stellten fest, daß der Tod nur durch den Genuß der unreifen Früchte herbeigcführt sei. Natürlich wurden beide Eheleute sofort in Freiheit gesetzt. Die Sache hätte jedoch leicht einen tragischen Ansgang nehmen können, da sich schon das Gerücht verbreitete: „Die Juden haben einen Ehristenknrben vergiftet!" Die so rasch erwiesene Unschuld des Ehepaares beschwichtigte jedoch bald wieder die erhitzten Gemüther der Gemeinde. Oppeln. Wohin? In diesen Tagen sind hier einige russisch-jüdische Auswanderer, welche nicht mit genügenden Geldmitteln versehen waren, angehalten und vorderhand in Sicherheitshaft genommen worden. Es stand ihnen das Schicksal bevor, wieder nach der russischen Grenze zurückgebracht zu wcrderr. Was wäre doch mit ihnen geschehen? Der Russe hätte sie auch nicht angenommen. Dank der Aufopferung unserer hiesigen Ge-

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