Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 53 (6.7.1891)
- Date
- 1891-07-06
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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$84 Nur dann Erfolg haben, so erklärte er, wenn die Kolonisten durchweg Landleute und geschickte Handwerker wären. Rumänien. Dr. C. Bukarest, 30. Juni. Die armen russischen Juden! Von ihrer Heimath vertrieben, werden ihnen andere Länder verschlossen. Es war vorauszusehen, daß wenn die Sachen in Rußland sich ernster gestalten, Rumänien in erster Reihe Maßregeln gegen sie ergreifen wird. Durch ministerielle Ordonanz wird der Eintritt russischer Juden durch Ungeni verboten, und, um es auch an anderen Grenzen zu verhindern, werden sogar aus Rußland ankommende, an Juden adrcssirte Bagagen von der Expedition ausgeschlossen. Die Zeitungen haben eine regelrechte Kampagne gegen die Gehetzten eröffnet und überbieten sich in Forderung von Maßregeln. Der „Constitutionalul" beruft sich darauf, daß auch fn Rußland der Eintritt rumänischer Juden verboten ist, um den traurigen Witz „haust du meinen Inden, so haue ich deinen Juden" als — „Prinzip des Völkerrechts" (oder Unrechts!?) hinzuftellen und wörtliche Anwendung zu fordern.*) Der „Telegraful romLn" fabelt von einer Sintfluth von Zehntausend, die schon ins Land eingefallen wären und welche die rumänischen Juden angeblich durch Verschaffung von Legitimationen als Rumänische im Lande verschwinden lassen. Der „Bukarest", dessen Redacteur Co st af o ru tags vorher die Ehrenmitgliedschaft des „Vereins ehemal. israel. Soldaten" angenommen, die ihm nach ein paar den israelitischen Studenten geneigten, den Exklusivismus der christl. Stud. verdammenden Artikeln angetragen wurde, wettert einen Tag darauf gegen die russischen Juden, nimmt die bekannten Lügen des brüsseler „Nord" als baare Münze und als anwendbar auf die — rumän. Israeliten. Und so fort. Daß aber das Unglück der russischen Juden einen scharfen Rückschlag auf uns ausüben wird, gehörte zwar zu den Mögkeiten, ist indeß doch unerwartet gekommen. Der Deputirte Ceaur-Aßlan nämlich, der schon im Mat den Minister wegen angeblicher Massenetnwanderung interpellirte, wiederholte dies in der Sitzung vom 16. d. und schlug eine von Kammer und Minister Cat arg i mit Dringlichkeit angenommene Resolution vor, durch welche von der Regierung gefordert wird: 1. ein Gesetz zur schärferen Handhabung des Artikels 4 des Kommunal-(Rural-)Gesetzes betr. Niederlassung von „Fremden" (!) in Dörfern; 3. ein Gesetz zur Einrichtung eines Staats-Monopols über die Spirituosen *) Auch die russichen Zeitungen berufen sich in ihren Judenhetzartikeln bei jeder Gelegenheit auf die z. Z. in Deutschland stattgehabten Ausweisungen russischer Juden. Red.) (trifft die rumän. Jsr. in den Städten); 4. Ein Gesetz zur Begünstigung und Unterstützung seitens des Staates von Bazaren, die namentlich für die Bauern Lebensmittel und Utensilien zu den billigsten Preisen abgeben sollen; 6. ein Gesetz zur Errichtung eines Spezialsanitätsdienstes (!) in jedem Kreis des Landes. Zu allem Dem soll eine Spezialkom Mission von 7 Mitgliedern eingerichtet werden, die auch befugt sein soll, in allen Ortschaften Erhebungen anzustellen, Daten über die „wirkliche" Sachlage 311 sammeln mit Bezug auf Lebensweise, Thätigkeitsentwickeluug und wahre Anzahl der Israeliten Rumäniens;indieserBeziehung sind die Gewalten de r Komm isst on unbeschränkt, wie auch die Zuständigkeit, die obigenMaßnahmen durch nochandere zu vermehren." Alles dies wird die rumänischen Israeliten theils direkt, theils indirekt treffen und dem Anscheine nach, der aus dem die „Kommiss ton" betr. Passus herausleuchtet, wird sich daraus eine Jagd nach „Vagabunden" entwickeln, wie sie mit besonderer Heftigkeit in den Jahren 1832, 1848, 1867/68 wüthete und wobei recht eigentlich oder allein die rumänischen Israeliten durch ziel- und erfolglose „Abschiebungen" zu Fuß kreuz und quer an alle möglichen Grenzen geführt wurde, wo sie als rumänische Unterthanen selbstverständlich zurückgewiesen wurden, während die wirklich ausländischen die Konsulatshöfe füllten und von den Kousulen geschützt bezw. reklamirt wurden. So werden wir die Sünde der russischen Regierung zu büßen habeu. vermischtes. Bürgel, 24. Juni. Dieser Tage starb hier im Alter von 94 Jahren Herr Gabriel Rosenberg. Er war der älteste Mann in unserer Gemeinde und noch bis vor einigen Monaten so rüstig, daß er täglich nach Frankfurt ging und sein Trödlergeschäft versah. Berlin, 21. Juni. Seitens der städtischen Schuldeputation ist die Verfügung erlassen worden, daß die im Berliners Kommunaldienst angestellten jüdischen Lehrer und Lehrerinnen ohne besondere Urlaubsnachsuchung an den beiden Tagen des Neujahrfestes, am Versöhnungstag, je an einem Tag des Peßach,-Schowuoth- und Sukkothfestes vom Schuldienst dispensirt sind. Berlin, 23. Juni. Wenn wir Berliner nicht ermüden Concerte und Feste zum Besten der Unglücklichen zu veranstalten, so werden die Nichtberliner hoffentlich nicht ermüden die Berichte über die gelungenen Veranstaltungen zu lesen. Heute fand in Weimanns Volksgarten am Gesundbrunnen ein Volksfest statt, zu dem 20000 Billets ausgegeben wurden. Am Donnerstag eröffnete der unermüdliche Hermann Abraham einen Bazar im Hause des Hofjuwelier Friedlaender, Unter den Linden. Sein Sommerfest der Philharmonie ergab einen Ueberschuß von 18000 Mk. Im Berliner jüdischen Krankenhause starb kürzlich ein Patient nach längerem schweren Leiden. Derselbe hatte einen der ihn behandelnden Assistenzärzte so lieb gewonnen, daß er, der