Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 53 (6.7.1891)
- Date
- 1891-07-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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983 weile waren durch das bereitstehende Personal des Herrn Göbel die Vorbereitungen zum Schließen des Grundsteines getroffen worden. Die Kapsel, welche in den Grundstein cingcschlosscn wurde, nahm die vorerwähnte Urkunde, Loose der zum Zwecke der Aufbringung der Mittel für den Synagogenbau gestatteten Lotterie und Tageszeitungen aus, cs erfolgte sodann die Vermauerung. Am Grundstein sind angebracht die Namen des Bauführers Müller, des Maurer-Poliers Traiser und des Steiuhauer- Poliers Bott. Den Schluß der Feier bildeten die üblichen drei Hammerschläge seitens des Herrn Lehrer Israel, des Bauleiters Herrn Lohr und des Gemeinde-Vorstehers Herrn Bernard Hirsch, wobei jeder der Herren seine Wünsche für das gute Gedeihen des Werkes äußerte. Den am Baue bisher beschäftigten Arbeitern wurde zur Feier des Tages eine angemessene Bewirthnng, bestehend in gutem Bier und Essen, zu Theil. Die Bauarbeiten selbst dürften nunmehr ungestörten Fortgang nehmen, cs siebt zu hoffen, daß dieselben ohne irgend welchen Unfall zu Ende geführt und das kommende Jahr in seinem Verlaufe die Einweihungs-Feier bringen wird! O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Aus Ungarn, Ende Juni. Welch unheilvolle Folgen es nach sich zieht, wenn es den gesetzcstreuen Juden in mancher Stadt unmöglich ist, eine selbstständige, von den Reformern unabhängige Religionsgenossenschaft zu bilden, hiefür liefert schon seit Jahr und Tag den unanfechtbarsten Beweis die — schlechtweg „orthodox" sich rennende — Gemeinde Neutra. Es wurde schon öfters an dieser Stelle über die bei der Rabbiner- und Vorstandswahl aufgetauchtcn Differenzen zwischen den dortigen Gemeindemitgliederri berichtet, so auch jüngst, daß daselbst Herr vr. Rosen selb aus Orosjäsa zum Rabbiner gewählt wurde und daß sich die Orthodoxen der Wahl enthielten und an das Cultusministerium ein Memorandum wegen Annulirung der Rabbinerwahl einreichtcn. Dieses Memorandum hat nun sein angestrebt es Ziel erreicht, indem der Cultnsminister Graf Ehäky dahin entschied, daß die diesfälligcn Streitigkeiten der Gemeinde von einem Schiedsgerichte ausgetragen werden. Die sich schon eine gewisse Berühmtheit erworbenen Herren Neologen der Nentraer orthodoxen Gemeinde, welche, um den Austritt der relig. Mitglieder zu verhindern, sich laut dem orthodoxen Organisationsstatut organisirtcn, aber mit der Kongreß! an zl ei fraternisiren, werden nun eiusehen, daß ihre Politik nicht ganz klug ist, da das orthodoxe Organisationsstatut ein orthodoxes Schiedsgericht vorschreibt, dieses wieder im religionsgesetzlichen Geiste entscheiden und die Wahl annuliren wird. Leopold Großberg. Rußland. Petersburg, 3. Juli. Der Abgesandte des Barons Hirsch, White, ist von seiner Reise durch die besonders stark von Juden bewohnten Gegenden Rußlands zurückgekehrt und findet wiederum hier viel Entgegenkommen. Minister Dnrnowo empfing ihn und ließ sich stundenlang seine Beobachtungen erzählen. Giers lud ihn jetzt auf seine finnische Besitzung für zwei Tage ein, wohin angeblich gleichzeitig auch der englische Botschafter Marter reist. Ueberhanpt iuteressiren sich viele hohe russische Würdenträger für White, weil sie durch ihn endlich einmal die unverfälschte Wahrheit über die Lage der „Inden Rußlands" hören. Ihr besonderes Staunen erregt die bestimmte Erklärung, daß sich die jüdischen Ackerbaucolouieen in Südrußland in vortrefflichem Zustande befinden. Die russischen Berichte behaupteten bisher stets das Gegentheil. Das durch die Ausweisungen geschaffene Elend in den Judenfamilieu soll theilweise herzzerreißend sein. England. London, 30. Juni. Auf der gestern unter dem Vorsitz des Abgeordneten Sir Julian Goldsmid abgehaltenen 20. Jahresversammlung der anglo-jüdischen Association gelangte der Bericht des Vereins zur Verlesung, welcher sich eingehend mit den russischen Judenverfolgungen beschäftigte. Es heißt in demselben: „Das Problem der Rettung der Millionen Juden in Rußland aus ihrer unglücklichen Lage ist eines der schwierigsten in der modernen Geschichte des Jndcnthums. Reichen jedoch die Inden der ganzen Welt hilfreich ihre Hand und werden weise Maßregeln eingeschlagen, sei cs nun, um sie allmählich nach geeigneteren Ländern überzuführen oder aber ihre Lage in Rußland selbst zu verbessern, so ist Aussicht zu der Hoffnung vorhanden, daß das unglückliche Loos der russischen Israeliten in nicht zu ferner Zeit eine wesentliche Besserung erfahren wird." Sir Julian Goldsmid erklärte im Verlauf seiner Ansprache, daß Baron Hirsch, welcher eine Kommission nach Argentinien entsandt habe, von dem enormen Reichthum des Landes überzeugt sei. Der Baron hätte deßhalb einj bedeutendes Areal in der südamerikanischen Republik angckanft, um aus demselben kleine Abtheilungen jüdischer Landleute anzusiedeln. Was die Verfolgungen in Rußland anbcträfe, so würde jetzt alle 14 Tage in London ein kleines Blatt erscheinen, welches sich diesem Gegenstand ausschließlich widmen solle. Nach Sir Julian Goldsmid ergriff der Oberrabbiner das Wort zu einer Rede hinsichtlich der Kolonisation Palästina's durch die Juden. Die Bewegung würde