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Der Israelit · 1891-07-06 · Heft 53 (6.7.1891) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 53 (6.7.1891)
Date
1891-07-06
Page
– (sequence 7)
Language
German
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985 kinderlos war, ihn adoptirte. Der Verstorbene Hai ein Vermögen von l1/* Millionen zurückgelassen, das einst, nach dem Tode seiner Wittwe, dem adoptirten Arzt zufallen wird. Czarnikau, 16. Juni. Unser Rabbiner Herr Dr. Popp er ist nach sechsunddreißigjähriger Wirksamkeit gestern verschieden. Ehre dem Andenken des auszeichneten Mannes! Krakau, 27. Juni. Zahlreiche aus Russisch-Polen vertriebene jüdische Familien sind hier angekommen. Sie mußten abreisen, ohne daß sie ihre dortigen bedeutenden Geschäfte abwickeln konnten, da General-Gouverneur Gurko ihre Gesuche um eine achttägige Fristverlängerung nicht übernehmen wollte. Unter den Ausgewiesenen befinden sich viele Handwerker; dieselben beabsichtigen, nach Amerika auszuwandern. Habbatai Hewi. historische Erzählung Vvnsk Schwur). (Fortsetzung.) „Was hast Du?" fragte Jachini. Der junge Mann athmete hastig, einen Moment schien ihm die Stimme zu versagen. „Was ist das? stammelte er endlich, auf eine kleine Pergamentrolle deutend, „das — ich meine das — was ist das?" „Das weiß ich wirklich nicht," entgegnete Jachini achselzuckeiid, „ich habe es noch nicht einmal gelesen. — Das kleine Mädchen meiner Hauswirthin hat es mir gebracht, kurz bevor ich zu Dir gegangen bin. Das Kind hatte im Garten gegraben und unter der Erde diese Schrift gefunden — man sieht, sie ist noch beschmutzt von dem feuchten Sand. — Sobald ich meine Brille gefunden habe, muß ich doch sehen, was sie enthält — ohne Glas bin ich das nicht im Stande." Er nahm die Rolle, trat damit zum Fenster und hielt sie, entrollt, dicht vor das Auge. „Merkwürdige Schrift! — merkwürdige Schrift! — Sabbatai! — ich sage Dir, diese Schrift ist sicherlich tausend Jahre alt — soviel kann ich auch ohne Glas unterscheiden — aber vollständig entziffern kann ich sie nicht ohne Glas — wo nur meine Brille hingekommen sein mag?" Er warf die Rolle wieder auf den Tisch und schien abermals nach seinem Augenglas zu suchen. Sabbatai, in heftigster Erregung, hielt sich, wie der Stütze bedürftig, an dem Tisch. „Du glaubst," stammelte er, „Du glaubst in Wirklichkeit — daß die Schrift schon alt ist?" „Darüber ist kein Zweifel möglich," versetzte Jachini, ohne sich im Suchen zu unterbrechen, „wenn ich nur mein Glas hätte, daß ich sie vollends zu lesen vermöchte." „Ich habe sie bereits gelesen," sagte Sabbatai mit leiser, bebender Stimnie, „wenn Du willst, lese ich sie Dir vor." „Ich würde Dir sehr dankbar sein — ein Dieb scheint mein Glas entwendet zu haben/' Sabbatai griff nach der erwähnten Schrift, vor Erregung zitternd, las er: „Ich, Abraham, war vierzig Jahre in einer Höhle eingeschloffen und war verwundert, daß sich die Zeit der Wunder nicht einstellte. Da tönte mir eine Stimme entgegen: „Ein Sohn wird im Jahre 5386 nach Erschaffung der Welt geboren werden und wird Sabbatai genannt werden. Er wird den großen Drachen dcmüthigen, er ist der wahre Messias und er wird ohne Waffen Krieg führen." Er ließ die Hand sinken, in der er die Rolle hielt, sein Busen wogte stürmisch auf und nieder, sein Auge leuchtete. Jachini blickte zu ihm empor, wie in sprachlosem Staunen. — Plötzlich, wie überwältigt von der Hoheit, die ans dem Angesicht des jungen Mannes strahlte, sank er vor ihm in die Knie, warf sich mit dem Angesicht zur Erde und rief, laut schluchzend: „Heil dem Messias! Heil dem Gottgesalbten! Heil unserm Erlöser!" Sabbatai aber neigte sich zu ihm, mit überströmendcn Augen. „Freund!", rief er gleichfalls schluchzend, „Freund! — komm' in meine Arme!" „Nicht doch," flüsterte Jachini, wie in Demut ersterbend, „nicht doch — hier, zu Deinen Füßeu ist mein Platz." Er zog das Gewand des jungen Mannes an seine Lippen. „Wer dürfte es wagen, die Umarmung des Gesalbten Gottes zu empfangen?" Sabbatai aber neigte sich trotzdem zu ihm und zog den leicht Widerstrebenden in seine Arme. „Sei mein Freund!" bat er, „gleich wie Jonathan der Busenfreund meines Ahnherrn, des Königs David gewesen ist, so sei Jachini der Busenfreund seines späten Enkels." „Ja," ries Jachini begeistert, „ich will Dein Jonathan sein! Nimmer werde ich Dich verlassen, wo Du weilst, da werde auch ich weilen, und nur der Tod kann uns trennen!" Mehrere Minuten hielten die Männer einander innig umschlungen. Endlich griff Sabbatai wiederum

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