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Der Israelit · 1891-07-06 · Heft 53 (6.7.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 53 (6.7.1891)
Date
1891-07-06
Page
– (sequence 4)
Language
German
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sicht auf Hilfe auf f reie m Felde-leben m üssen Aus den mächtig ergreifenden Berichten, die uns darüber vorliegen, lassen wir hier in der Ucbersetzung einen Auszug aus einem an uns gerichteten Schreiben des greisen Rabbiners von Kowno: Rabbi Jizchak Elchanan Spector, folgen, welches vom 20. Siwan datirt ist: „Es sind dieser Tage herzerschütternde Hilferufe aus vielen Städten und großen jüdischen Gemeinden an mich gelangt, in denen furchtbare Brände wütheten, welche alles bisherige in den Hintergrund drängen. Die herrliche Stadt Anuisk im Gouvernement Kowno ist gälU'ch verbrannt, 700 Häuser, mit allen Läden und Magazinen, Synagogen und heilige Rollen, nahezu 1000 Familien liegen auffreiemFelde und wissen nicht, was sie beginnen und wie sic ihr Leben fristen sollen." In der Stadt Radoschkowitsch im Gouverment Minsk sind 500 Häuser mit Läden, Maaren und den altehrwürdigen Synagogen verbrannt, ferner die Stadt I l i j a im Gouvernement Wilna mit nahezu 100 Häusern und noch eine ganze Zahl anderer Städte, die sämmtlich nicht gegen Feuerschaden versichert sind, weil keine Feuerversicherung eine Verantwortlichkeit für nur Holz gebaute Häuser übernimmt. „Nahezu 10,000 Seelen dieser durch Feuerschaden Verarmten lagern mit ihrem vollständigen Mangel an Allem umher und der Schrei der Unglücklichen erfüllt die Lüfte. Sie lassen mir keine Ruhe, ihr Weh der Oefflntlichkeit bekannt zu geben, damit die Großen und Edlen in Israel schleunige Hilfe und Unterstützung ge nähren. Es handelt sich darum wenigstens so weit zu helfen, daß die Abgebrannten ihre Trünimer wieder ausbauen und die Handwerker wieder zu ihrer Arbeit zurückkchrcn können. „Wenn in normalen Zeiten eine Stadt von solchem Unglück betroffen wird, so waren die Städte der nächsten Umgebung jederzeit bereit Beistand und Hilfe jedem der Verlassenen, Unglücklichen eutgegcnzubringen. Aber in gegenwärtiger Zeit, wo der harte Druck so schwer auf allen lastet, daß der einzelne nicht die Kraft hat, sich selber aufrecht zu halten, wie sollten sie die Schwankenden, Fallenden stützen können? „Ich wende mich deßhalb au die Edlen in Israel. Ich kenne Eure bewährte Hilfsbereitschaft für Israels Gcsammtheit; wer könnte auch Eure Wohlthätigkeit in ihrer überwältigenden Größe schildern?" „Aber der furchtbaren Lage solcher zehntausend Unglücklichen gegenüber, kann man nicht im Schweigen verharren. Deßhalb, theuere Brüder, bewährt den Wohlthätigkeitssinn unseres Volkes auch an diesen Verlassenen und schickt Hilfe! Die Frucht Eurer Bruderliebe werde ich durch zuverlässige, redliche Männer mit Gottes Hilfe vertheilen lassen. Die Wohlthat, die Ihr da übt, reicht in die Ewigkeit! Der Segen von zehntausend Unglücklichen wird Euch zu Theil! Möge er in seiner ganzen Fülle allen denen werden, die hier helfen! Mit diesem innigen Wunsche schließe ich, gebrochenen Geistes und Herzens, mit der Hoffnung auf die Hilfe Gottes durch Vermittelung edler Menschen, die ich aus der ganzen Tiefe meines Herzens segne. Jizch ak Elchanan." Wir haben den Worten dieses im Dienste seines Volkes ergrauten Führers der russischen Judenheit nichts hinzuzufügen. Wenn die sogen, „obersten Zehntausend" nur redlich wollten, sie allein könnten für diese untersten Zehntausend die Retter aus der Verzweiflung werden. Aber der gesunde Kern unseres Volkes wird gewiß nicht kalt diesem Hilferuf gegenüber bleiben. In gewohnter hochherziger Weise wird jeder seine Bruderpflicht thun, die je einmal die überwältigende Bedeutung der Worte: Bwa »d ergriffen hat, mit welchen wir an der Schwelle des Jahres dieses Verhängnisses gedenken. Wir nehmen Spenden für die abgebrannten Unglücklichen entgegen, und werden sie schleunigst an den Herrn Rabbiner I. Elchanan zur Vertheilung weiterbefördern. Groß-Gerau, 26. Juni. Heute Nachmittag, 5 Uhr, beging die isr. Religions-Gemeinde Groß- Gerau die Feier der Grundsteinlegung auf dem Bauplätze der neuen Synagoge. Die Angehörigen derselben waren hierzu zahlreich erschienen, weiter nahmen Theil der mit der Bauleitung betraute Kreis-Bautechniker, Herr Lohr, Herr Bauunternehmer Göbel, welcher die Maurer¬ und Steiuhauerarbeit ausführt, sowie eine Reihe anderer Mitbürger der Stadt. Eröffnet wurde die Feier mit einer gediegenen Ansprache des israelit. Lehrers, Herrn Israel. Derselbe warf einen Rückblick auf vergangene Zeiten, berührte hierauf die Gegenwart, gedachte des Gebotes der Nächstenliebe und nahm sodann Veranlassung, der politischen Gemeinde, ihren Vertretern, wie Allen, welche in der Angelegenheit des Neubaues der Synagoge der isr. Cultus-Gemeinde Entgegenkommen bewiesen, im Namen derselben zu danken. An die Ansprache des Herrn Israel, welche auf die Thciluehmer an der Feier einen günstigen Eindruck machte, reihte sich ein passendes Gebet. Nachdem Herr Israel geendet, erfolgte durch den Vorsteher der israelit. Gemeinde, Herrn Bernhard Hirsch, die Verlesung der in den Grundstein einzuschließenden, die Bedeutung der Sache würdigenden Urkunde. Mittler-

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