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Der Israelit · 1891-07-02 · Heft 52 (2.7.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 52 (2.7.1891)
Date
1891-07-02
Page
– (sequence 10)
Language
German
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968 England. London. Das Auswärtige Amt veröffentlicht eine Zuschrift des deutschen Centralausschuffes für Unterstützung der Juden an den britischen Generalkonsul in Berlin. In der Zuschrift wird in Beantwortung des Schreibens des Generalkonsuls vom 12. d. Mts. erklärt, daß die Auswanderung rusfifcher Juden nach England nach Kräften entmuthigt werde; nur solchen, welche Verwandte dort hätten oder Beweise dafür beibrächten, daß sie besondere Aussichten auf Erfolg hätten, werde die Weiterreise nach England gestattet. > Vermischtes. Berlin. Die Berliner Tagesblätter veröffentlichen eine Erklärung des aus der Redaktion der „Voss. Zig." entlassenen Schriftstellers Paul Max, worin derselbe sich als Opfer seines jüdischen Bekenntnisses darstellt und allein diesem Umstande seine Entlaffung erlitten haben will. - Die Ausstoßung eines jüdischen Redacteurs aus der Leitung eines wahrhaft liberalen Blattes ist eine solche Ungeheuerlichkeit, daß wir daran fast nicht zu glauben vermögen. Die „Voss. Zeitung" galt unbestritten als ein principientreues Blatt, das nicht für Sold arbeitet, sondern im Dienst unwandelbarer Grundsätze steht. Wir können uns mit dem umfaßbaren Gedanken kaum befreunden, daß Ehrenmänner mit der Feder liberale Grundsätze verfechten und im Herzen denselben abgeneigt sind. Wir sind neugierig, waS der Chefredacteur Herr Stefany, der gegenwärtig auf einer Ferienreise begriffen ist, auf die Erklärung des Herrn Max antworten wird. Charlottenburg. Als Durchgangsstation für Auswanderer, deren nächstes Ziel Bremen und Hamburg bilden, diente bislang unser Bahnhof. Nunmehr wird in Ruheleben ein Gebäude für diese Zwecke aufgerichtet. Unsere Glaubensbrüder werden jedoch von diesem neuen Etablissement keinen oder nur mäßigen Gebrauch machen, da das hiesige Centralcomite den Beschluß gefaßt in Eydkuhnen, Tilsit und Insterburg Zweig-Comites zu errichten und von diesen Grenzstationen die Weiterbeförderung zu besorgen. Von meinem Gewährsmann, der vorzüglich informirt ist, wurde mir bestätigt, daß die russische Regierung die Auswanderung erschwere, da sie für den eventuellen Fall, daß die Ausweisungen dem Lande empfindlichen Schaden bereiten, wieder einlenken und ihre Maßregeln rückgängig machen wolle. Frankfurt a. M. Am Sabbat hielt Herr Rabb. Dr. Hildesheimer aus Berlin, der anläßlich einer Hochzeitsfeier hier verweilte, in der Synagoge am Hermesweg einen Bortrag. Obwohl es erst einige Stunden vorher bekannt geworden war, daß Herr Dr. Hildesheimer sprechen werde, so hatte doch der Klang dieses Namens eine zahlreiche Zuhörerschaft angelockt, welche mit gespannter Aufmerksamkeit den Worten des Redners lauschte. Der mit vielen geistreichen Bemerkungen gewürzte Vortrag beleuchtete in treffender Weise verschiedene Abschnitte der Sidra, und erörterte in Verbindung hiermit auch — wie es in alter Zeit üblich war — einige halachische Fragen. Die Anwesenden nahmen alle von dem Vortrage den besten Eindruck mit und wird dieser Tag ihnen allen stets eine angenehme Erinnerung sein. Eydtkuhnen, 22. Juni. Auf Anregung des Herrn Rabb. Dr. Bamberger aus Königsberg, der am Mittwoch, den 17. er. zu diesem Zwecke hier war, wurde dahier einHilfs-Comite aus nahe 30 Mitgliedern gebildet. Das Comite ist schon seit Sonntag den 21. er. in voller Thätigkeit. An beiden russischen Zügen sind zur Hilfeleistung der Auswanderer 4—6 Herren des Comites anwesend, die beim Geldwechseln, Karten lösen und Gepäckabfertigung behilflich sind, und auch mU Lebensmitteln und im Nothfalle mit etwas Geld unterstützen. An manchen Tagen ist die Arbeit sehr schwierig; gestern kamen mit dem ersten Zuge 135 und mit dem zweiten Zuge 70 Auswanderer hier an. An der Spitze des Comites steht Herr Dr. Schereschewsky, Louis Glaser und Dr. med. Jacoby. Letzterer versieht auch die sanitären Angelegenheiten der Auswanderer. Die Hilfeleistungen werden sowohl den jüdischen als den christlichen Auswanderern zu Theil, und wir hoffen deshalb, daß sich auch Christen noch zu dem edlen Dienste melden werden. Brüssel, 28. Juni. Herr Professor L. Kahn dahier, Direktor des bekannten Pensionates, hat aus Anlaß der Einführung des neuen Chief Rabbi in London, Herr Rev. Dr. H. Adler, in sein Amt ein in hebräischer Sprache geschriebenes Achrosticon mit den Worten -o Vnno jron -UMn pj imiD verfaßt. Das Gedicht, das auf viele Bibelverse hinweist, zeigt, daß Herr Professor Kahn Meister in der hebr. Sprache ist. Eine Petition mit 300,000 Unterschriften wird demnächst von Amerika aus an den Zaren gerichtet werden, in welcher er angegangen wird, eine menschenwürdige Behandlung der politischen Gefangenen zu veranlassen. Tie Nachricht kommt aus Philadelphia, der Stadt der „Bruderliebe"; die Petition verlangt eine Tugend, welche das moskowitische Reich von der Tagesordnung verschwinden ließ. Das Schicksal der Londoner Petition hätte die Herren belebren müssen, daß der Liebe Müh' umsonst ist. Israeliten, haben ihre Unterschriften abgelehnt Feuilleton. Der Talisman. Von H. Berger. (Alle Rechte Vorbehalten.) Schluß ans der „Belletristischen Beilage" zn Nr. 50. „Den Talisman mußt Du mir zeigen, wenn ich Deine Worte für Wahrbeit halten soll." „Gern, mein Herr und Gebieter. Mein Talisman hat eine dreifache Gestalt. In einer Gestalt führe ich ihn stets bei mir. Die zweite Form desselben ziert als Amulet die Pfosten meines Hauses, die dritte Form endlich schmückt mir Haupt und Arni, wenn ich mich des Morgens im Gebet zu meinem Gotte wende." „Ei, ei, da bist Du wirklich beneidenswerth", murmelte der Scheich. „Und ich darf diese Amulette sehend" „Gewiß, mein Gebieter! Sieh' her." Jussuf schlug die Falten seines Obergewandes auseinander und zeigte dem erstaunten Scheich ein viereckiges Kleidungsstück, in dessen vier Ecken Wollfäden auf eigenthümliche Art geknotet waren. Jussuf führte die Fäden an seinen Mund und sprach:

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