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Der Israelit · 1891-07-02 · Heft 52 (2.7.1891) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 52 (2.7.1891)
Date
1891-07-02
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXII. Jahrgang. & V ft t Beilage?«M 52 tca „Israelit«- Ieschimm" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Grotz-Zimmern, 26. Juni. Tage des Jubels und der ungetrübten Freude liegen hinter uns: Die Tage der Einweihung unserer neuerbauten Synagoge. *) Wenn jemals der Satz: rwy mm n: n nnotcm 'n seine volle Bestätigung gefunden, so war dieses bei unserem Feste der Fall. War doch endlich nach vielen Mühen und Kämpfen, nach langem Harren und Sehnen der frohe Augenblick gekommen, in welchem ein jeder freudigen Herzens sprechen konnte: .1^ 'n no 'b onöita mnottf Was aber auch Opferwilligkeit und Hochherzigkeit zu Stande bringen können, das zeigt unser herrliches Gotteshaus, das in erster Linie durch die Opferwilligleit der hiesigen Gemeindemitglieder, sowie durch großartige Beiträge edler Menschen erbaut werden konnte. Vor allen Dingen gebührt Herrn DavidGoldfchmidtausFrankfurta. M., ein geborener Gr.-Zimmerner, ein für alles Göttliche und Ideale begeisterter Menschenfreund, der aufrichtigste Dank, denn er ist es, der die Anregung zum Bau eines neuen Gotteshauses gab und der die Gemeinde in ihrem Unternehmen am kräftigsten unterstützte. Aus Nah und Fern waren Fremde herbeigeeilt, um dem Feste betzuwohnen. Der Ort selbst hatte Festgewand angelegt. Ganz besonders zeichneten sich unsere christlichen Mitbürger durch Schmücken ihrer Häuser aus, wie sie überhaupt an dem ganzen Feste den regsten Antheil nahmen; gewiß ein erfreuliches Zeichen in unserer trüben Zeit. Die Feier begann Freitag Mittag um 1 Uhr mit dem Abschiedsgottesdienst in dem seitherigen Betlokale, bei welchem Herr Dr. Marx aus Darmstadt einige ergreifende Worte des Abschieds sprach. Hierauf erfolgte die Aufstellung des Feftzuges. Derselbe, in seinen mannigfachen Gruppen fauch 5 christliche Vereine mit ihren Fahnen hatten sich an demselben betheiligtf ein malerisches Bild bietend, bewegte sich nach der neuen Synagoge. An der Pforte derselben überreichte die Ehrendame tFrl. LinaStörger) nach einer innigen Ansprache den Synagogenschlüsfel dem Herrn Bürgermeister als Vertreter der Staats- und Ortsbehörde, welcher nach einigen Begrüßungsworten die Pforten öffnete, worauf unter Choralmusik der Einzug erfolgte. Unter Absingung von m nymi 'n w« wurden die üblichen ravpr, gemacht und die mm ns© der hl. *) Freitag, 19. und Samstag 20.;Juni '£> roti'. Lade übergeben. Hierauf wurde von Herrn Lehrer und Cantor Spier der Psalm Ts entsprechend zum Vortrag gebracht. Nachdem vom Synagogenchor mehrere Gesänge abwechselnd mit Herrn Spier in präcisester und correctester Weise vorgetragen worden waren, bestieg Herr Rabbiner Dr. Marx die Kanzel und hielt die in jeder Beziehung meisterhafte Festpredigt. Redner behandelte in klarer und geistreicher Weise die Bedeutung der Gotteshäuser, anlehnend an die 3 Bezeichnungen für Gotteshaus (nmim rra v~iDn n'D ,nbs>nn rru). Ein tief empfundenes Gebet schloß die Predigt, die aufAlle eines sichtbaren Eindrucks nicht verfehlte. Chorgesang endigte die Feier. 'Dnatp, um '/J O Uhr fand unter großer Betheiligung von Gästen wieder Festgottesdienst statt. Den Glanzpunkt desselben bildete die Festrede des Herrn Lehrer Spier. Derselbe hatte seiner Rede die mms ro-o zu Grunde gelegt und wußte dieselben in sinniger Weise mit der Erziehung der Kinder zu verflechten. Derselbe schloß seine Predigt mit der Ermahnung zur Aufrechthaltung des Friedens, ohne welche keine Gemeinde, sei sie finanziell noch so günstig gestellt, sich segensreich entwickeln könne. R. Italien. □ Rom, 24. Juni. Papst Leo XHI. und das Eardinalkollegium haben den kathol. Klerus angewiesen, den aus Rußland vertriebenen Juden thunlichst beizustehen, (amyn rwo -pm.) Rußland. Petersburg, 29. Juni. Wie ein der „Voss. Ztg." aus London zugegangener eigener Drahtbericht besagt, bestätigt sich nach Petersburger Drahtmeldungen, daß in dem russischen Gouvernement E h e r s s o n jüngst von Blutvergießen begleitete ernste Judenhetzen stattgefunden haben. Jn S ch eragefka, unweit Odessa, fand am Sonntag, den 21. d. M., während des Jahrmarktes ein augenscheinlich verabredeter, plötzlicher Angriff auf die Juden statt, deren Läden geplündert wurden. Die Juden flüchteten, Viele wurden arg mißhandelt. Petersburg, 30. Juni. Der Stadthauptmann verordnete, um dem unberechtigten Aufenthalt der Juden in der Residenz vorzubeugen, die Streichung der jüdischen, die Stadt verlassenden Handwerker aus den Zunstlisten, sowie die Abfertigung deren Angehörigen an die Orte ihrer Seßhaftigkeit.

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