Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 52 (2.7.1891)
- Date
- 1891-07-02
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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962 spruch gemacht haben. Wie solche Restaurants daher unter die Kategorie jüdischer Restaurants gerathen, ist wahrlich unerfindlich, und man ist wohl zu der Bermuthnng berechtigt, daß auch so manche der aus anderen Städten verzeichneten Restaurants zu diesem Genre gehören. Es ist daher unbedingt nothwendig, diesen Umstand hier öffentlich anzuführen trmn \d Torfc und ist hiernach das betr. Verzeichniß jedenfalls nur mit Vorsicht zu benutzen. □ München, 22. Juni. Se. k. H. der Prinz- Regent haben den hiesigen Privatier Anton Berlinerin Anerkennung seines langjährigen gemeinnützigen Wirkens, zumal in Bethätigung für den Verein der Obsorge entlassener Sträflinge mit der Verleihung des Michaelordens 4. Klasse gestern ausgezeichnet. Der selbe feiert heute seinen 70. Geburtstag, aus welcher Veranlassung demselben eine Reihe von Ehrungen zu Theil wurden. Aus Unterfranken, 20. Juni. Die von allerhöchster Stelle angeregte Unterrichtsreform, welche jetzt den Gegenstand ernstester vorbereitender Erwägungen der hervorragendsten Schulmänner Preußens ausmacht, hat bekanntlich in Bayern seit Anfang dieses Jahres bereits ihre theilweise praktische Verwirklichung gefunden. Die Reformen erstrecken sich sowohl auf das höhere, als auch auf das mittlere Schulwesen, einschließlich der Seminarien und Lehrpräparandicen. Zu den Neuerungen, welche die letztere Kategorie von Schulen betreffen, gehört die mit höchster Entschließung vom 27. April 1891 ergangene Verfügung, wonach für Zöglinge, welche die 3 Kurse einer Präparandenschule mit Erfolg besucht haben, die bisher üblich gewesene Seminaraufnahmsprüfung zu unterbleiben habe, wogegen ihr solche Zöglinge unterworfen bleiben, die den ordnungsmäßigen Besuch einer öffentlichen Präparandenschule nachzuweisen nicht im Stande sind." Gleich nach Publicirung jenes Erlasses wandte sich Herr Districts-Rabbiner Dr. Deutsch in Burgpreppach an die königl. Regierung mit einer Eingabe des Inhalts, es möge gestattet sein, die in jener Entschließung den staatlichen Präparanden gewährte Vergünstigung auch auf diejenigen israel. Zöglinge anszudehnen, die ihre Ausbildung in den der staatlichen Aussicht unterstellten und nach dem staatlichen Normativ geleiteten und eingerichteten israelitischen Leh r erpräpara ndien empfangen haben, worauf mittels genereller Entschließung vom 15. Juni Z. 11735 die Eröffnung zurückfolgte, „daß auch für die Aufnahme der in den beiden isr. Präparandcnschulen zu Burgpreppach und Höchberg vorgebildeten isr. Schnlamtszöglinge bis auf Weiteres die Bestimmungen zu gelten haben, die mit höchster Ministerialentschließung v. 27. April für die bayerischen staatlichen Schullehrerseminarien bekannt gemacht worden sind. Eine Aufnahms- Prüfung habe nur noch für solche israel. Schulamtszöglinge stattzuftnden, welche weder eine bayerisch-staatliche Präparanden a n st alt, nocheine der beidenPräparandenschulen zu Burgpreppach und Höchberg vollständig absolvirt haben. Eine schönere Anerkennung ihres Werthes hätte diesen, auch von der jüdischen Gesammtheit mit Recht gewürdigten Schulen nicht zu Theil werden können, als sie in der oben angeführten Entschließung h. kgl. Regierung gegeben ist. Möchten die zahlreichen Gönner derselben hierin einen neuen Ansporn zu fortgesetzter thatkräftiger Unterstützung jener Anstalten erblicken! O est er r. - Ungar. Monarchie. Wien, 27. Juni. Aus Anlaß des siebzigsten Geburtstages des Predigers Dr. Adolph I e l l i n e k fand heute Vormittags im Tempel in der Seitenftettengasse ein Festgottcsdienst statt. Das Bethaus war überfüllt; Dr. Jellinek hielt eine Predigt über das Thema „Religion ist Licht", schilderte seinen Lebenslauf, gedachte ehrend seiner Vorgänger Mannheimer und Horwitz, und schloß mit Segenswünschen für den Kaiser, für die Räthe der Krone und die Stadt Wien. Sodann fanden die Gratulationen im Sitzungssaale der Cultusgemeinde statt; Ober- Regisseur Adolph Ritter von Sonnenthal eröffnete dieselben mit einer herzlichen Ansprache. Herr- David Ritter v. Gutmann spendete einen Betrag von 1000 fl. zur Errichtung einer Jellinek-Stiftung. Den durch seine Arbeiten in der literarischen Welt bekannten und als Kanzelredner berühmten Jubilar wurden von In- und Ausländern viele Ovationen bereitet. Aus Ungarn, 26. Juni. Aus Preßburg wurde Ihnen berichtet, daß daselbst, um die Roth der armen jüdischen Bevölkerung zu lindern, eine jüdische Volksküche ins Leben gerufen werden soll. Es ist allerdings lobenswerth, wenn man bestrebt ist, das Elend der Armen zu verringern. Als Kenner der Preßburger Verhältnisse jedoch kann ich es nicht unerwähnt lassen, daß die zu errichtende Anstalt nur dann ihrer Aufgabe entsprechen werde, wenn zugleich Gelegenheit geboten wird, daß die Zöglinge der dortigen nw die Wohlthätigkeit der Anstalt in nicht allzuentehrender Weise in Anspruch nehmen können. Denn wenn es Unterstützungsbedürftige- und würdige in Preßburg gibt, so sind es wahrlich in erster Reihe die omra! sollte die Volksküche derart eingerichtet sein, daß dieselbe auch den Talmudjüngern zugute kommen wird, dann ist mit ihr eine besonders segensreiche Institution geschaffen. L. G—g.