Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 52 (2.7.1891)
- Date
- 1891-07-02
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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961 daß ein reicher Vater seine Tochter einem zwar nicht begüterten, dafür aber um so mehr mit Thorakenntniß und Gottesfurcht geschmückten Weisen zur Frau gibt? Ist es kein mmn no, welchem so leicht vorgebeugt werden könnte, wenn ein Rabbiner, dem nur ein kärgliches Gehalt zur Verfügung stehf, seine Frau und Kinder mit der Hoffnung beruhigen muß, daß eine Hochzeitsrede ihn in den Stand setzen wird, ihnen die nöthigen Kleider 2c. anschaffen zu können? „Meine Töchter sind nicht darnach erzogen, als Gattinnen eines Rabbiners sich gewisse Entsagungen aufzuerlegen, auf manche Amüsements Verzicht zu leisten, wie es dieser Beruf erfordert;" oder „Nur ein glänzendes Geschäft erlaubt es, den Anforderungen der Zeit zu genügen, und hierzu kann nur eine reiche Mitgift unfern Söhnen helfen", so ungefähr lauten die Erwiederungen. Geben derartige Entschuldigungen der Eltern auf diese Fragen nicht den besten Beweis, daß thetlweise minn in, Geringschätzung der Thora, der Erziehung zu Grunde lag! „Dem uro, dem Talmudjünger, unserm Dicnstaggast, brauchen Sie keine reine Serviette vorzulegen", hörten wir die fromme Gattin eines gesetzestreuen Mannes ihrem Dienstmädchen befehlen. — Ist diesem Befehl nicht ein treffender Beleg dafür, daß in diesen sonst gesetzestreuen Kreisen nicht immer der Thora die nöthige Ehre erwiesen wird! Und will man noch einen Beweis, wie es mit der minn iod in den frommen Häusern aussieht, fraget nur fast jeden Religionslehrer, wie gering man den Werth seines Unterrichts anschlägt im Vergleiche zum Musikunterricht. Glaube man nur nicht, mit diesen Beispielen von Geringschätzung der nun sei das Thema erschöpft und glaube man noch viel weniger, daß die Kinder, welche wir für und vor Gott zu erziehen haben, es nicht sofort merken und herausfühlen, wie wenig Ernst mit min tdd es uns ist, wenn sie Augen- und Ohrenzeugen solcher Beispiele sind. Das kindliche Gemüth hat ein instinktives Verständniß für den Ernst und den Schein. Mit der Geringschätzung der Thora verurtheilt man sich selber, mit ihrer Verehrung gelangen wir zur Ehre und Tugend. ninn.i 12122 isiji .111,1.1 n« 1222112 (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichtett «ud Correspondenzen. Deutschland. Mainz, 30. Juni. Eine so raffinirte Agitation, wie sie jetzt von den Antisemiten betrieben wird, ist wohl noch nicht so leicht dagewesen. Nicht nur, daß sie in der Wahl der Agitationsmittel durchaus nicht wählerisch sind; sie sind auch findig. Diedeutschsozialen Blätter kündigen durch ihren Verlag als „bequemstes Agitationsmittel" an: „Postkarten mit Aussprüchen berühmter Männer über das Judenthum, in 16 verschiedenen Sorten, 100 Stück gemischt 60 Pfennig." Uns liegt solch eine Postkarte vor. Auf der Rückseite finden wir 2 Aussprüche „berühmter Männer." Oben steht: „Die Juden sind unser Unglück. (Prof. H. v. Treitschke.)" Unten: „Der Jude ist der plastische Dämon des Verfalls der Menschheit. (Rich. Wagner.)" Dieses Agitationsmittel ist sehr schlau erdacht; aber nach Erklärungen der Vertreter der Postverwallung wird sie sich schwerlich dazu hergeben, den Antisemiten diesen Dienst zu leisten. Nach jener Erklärung hält sich die Postverwaltung weder für berechtigt noch verpflichtet, solche Postkarten, deren Inhalt die Absicht der Beleidigung zu erkennen gibt, zu befördern. (Vergl. §. 12 der Postordnung.) Posen, ini Juni. So schmerzlich der Eindruck der gegen unsere russischen Glaubensbrüder verübten Gewalthaten ist, so wohlthuend berührt es andererseits, daß überall sich einmüthtg der Wunsch und das Bestreben kuudgibt, das entstandene Elend zu lindern. Auch hier hat sich ein Comitö gebildet, dem die Anhänger der verschiedensten religiösen Richtungen angehören und es soll nun zunächst eine Hauskollekte bet den jüdischen Einwohnern der Stadt und Provinz Posen abgehalten werden, wozu der Herr Oberpräsident auch bereits die Genehmigung ertheilt hat. Schon vorher ist übrigens in mehreren kleineren Gemeinden der Provinz gesammelt worden und haben diese Sammlungen in Verhältniß zur geringen Zahl der Mitglieder recht ansehnliche Beträge erzielt. In der hiesigen Religtonsschule und einigen Klassen der höheren Schulen haben die jüdischen Schüler aus eigenem Antriebe unter sich Sammlungen veranstaltet: Seitens des ComitSs ist auch eine Geschäftsstelle eingerichtet worden, die an den Wochentagen Vor- und Nachmittags je 2 Stunden geöffnet ist. Die seit einiger Zeit erscheinende Wochenschrift „Menorah" bringt als Beilage ihrer letzten Nummer ein Verzeichniß der jüdischen Restaurants und Hotels des In- und Auslands. Da die Redaction sich gegen Uebernahme der Garantie für ni-iuo nicht verwahrt, so könnte man leicht zu der Annahme verleitet werden, als seien alle angegebenen jüdischen Restaurationen zweifellos 120. Dem ist aber keineswegs so. Was speziell Posen betrifft — denn die Beschaffenheit der auswärtigen Restaurationen entzieht sich der Kenntniß des Referenten — so sind von den zehn angeführten Restaurants 3 der Art, daß weder sie als gelten, noch deren Inhaber sie überhaupt jemals als ibo anzugeben den An-