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Der Israelit · 1891-06-29 · Heft 51 (29.6.1891) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 51 (29.6.1891)
Date
1891-06-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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948 werden kann. Vielleicht wird der Handelsminister dies und weiter einsehen, daß man in Gesetzen nicht maginären, sondern wirklichen Verhältnissen Rechnung tragen muß, die in Rumänien so liegen, daß fast der ganze Handel sich in israel. Händen befindet, und christlicher Ersatz, außer einigem Wenigen, nun einmal nicht vorhanden ist. — Vor dem Gericht tu Dorohoj wurde kürzlich ein Prozeß zwischen zwei Bauern verhandelt, von welchen der eine mit drei Israeliten als Zeugen erschien. Der stellvertr. Vorsitzende wies diese Zeugen zurück mit den Worten: „Juden köunen als Zeugen nicht zugelassen werden." Wir leben also nicht im Jahre 1891, sondern um etliche hundert Jahre zurück im vollen Mittelalter. — Der berüchtigte Antisemit D. C. Butculesen hat nach einigen vergeblichen Versuchen in dieser Eigenschaft Abgeordneter zu werden (das Volk ist eben nicht antisemitisch bei uns, sondern die Machthaber) bet den letzten Wahlen umgesattelt und in Gal atz, wo er gewählt wurde, sich über die Israeliten günstig geäußert. Ich bin neugierig, wie lange sein neues politisches Glaubensbekenntntß anhalten wird. — Wir haben seit Kurzem wieder eine den Israeliten geneigte von Christen redigirte politische Zeitung hier, die „Drepturile Poporulnj" (Volksrechte). Ihre „Freundlichkeit' für uns wird wohl so lange dauern, wie die der einzigen „Lupta", nämlich so lange bis es ihr durch die israelitischen Leser gelungen sein wird sich fest zu fundiren und, von ihren Abonnementsgelderu unabhängig', den Spieß gegen sie zu wenden. Dies habe ich seit 1866 schon vielemal erlebt. — Die „Era nouä in Jassy ist giftig darüber, daß auf dem christlichen Friedhof daselbst „ausschließlich israelitische Handwerker" die Grabmonumente und Gewölbe Herstellen. Wo man aber bei uns die christlichen Handwerker hernehmen und nicht stehlen soll, sagt sie nicht. — Der Kassations- (Oberste Gerichts-) Hof hat neulich auf Verlangen des sephardischen Israeliten Ed. Baeram, dessen Vater einer der 67 Naturalisirten, der selbst Reservelieutenant ist, entschieden, daß weder diese beiden Eigenschaften, sowie Staatsanstellungen in Rumänien, noch der Artikel 8 des bürgerl. Gesetzb. noch irgendwas Jemanden eo ipso naturalisiren; er hat Letzteres nur individuell zu verlangen und natürlich — vergebens, wenn er „Jude" ist. Griechenland. Athen. Der Rabbiner von Zante, Salomon Levy, welcher als Großrabbiner von Ferrara ernannt worden ist, hat an den Präfekten der Insel einen Abschiedsbrief gerichtet, in welchem er denselben bittet, der Regierung den Dank der jüdischen Gemeinde auszusprechen für die wirksamen Maßregeln, welche dieselbe zum Schutzder Juden und ihres Besitzthums gegen jede Gewaltthat ergriffen habe. Zugleich spricht der Rabbiner dem Präfekten selbst und den örtlichen Behörden, welche z. Z. der letzten heftigen Agitationen mit einem über alles Lob erhabenen Eifer ihr Pflicht erfüllt hätten, seinen Dank aus. vermischtes. «$- Berlin, 10 Juni. Das Abgeordnetenhaus hat heute die Petition des Rabbiners Dr. Maybaum in Berlin, die den Geistlichen der privilegirten Kirchengesellschaften nach dem Landrecht zustehenden Vorrechte, insbesondere die Befreiung von den Kommunallasten, auf die von preußischen Synagogengemeinden angestellten Rabbiner auszudehnen, ohne Debatte durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt. Würzburg, 16. Juni. Ein seltenes Fest fand gestern dahier statt. Herr Privatier Samuel Adler feierte seine goldene Hochzeit im Kreise zahlreicher Verwandten, Kinder und Enkeln. Eingeleitet wurde die Feier schon am jüngsten Wochenfeste durch die Widmung eines prachtvollen gestickten ranD für die hiesige Synagoge und größere Schenkungen an Arme und Wohlthätigkeitsanstalten von Seiten der Kinder. Das Fest selbst wurde in einem jüdischen Hotel abgehalten und gestaltete sich zu einem äußerst gelungenen, freudigst erregten, reich an erhebenden Momenten. In zahlreichen Ansprachen und einlaufenden Depeschen fand die Tagesbedeutung und die Beglückwünschung des Jubelpaares Ausdruck. Auch der Herr Rabbiner Bamberger beehrte das Fest mit seiner Gegenwart und hielt eine der Feier entsprechende, beifällig aufgenommene Ansprache an das Jubelpaar. So verlief das Fest in schönster, würdigster Weise, das die Anwesenden bis zur späten Stunde in der animirtesten Stimmung erhielt. An dem Ganzen nahm das Jubelpaar, das sich noch voller Rüstigkeit und Geistesfrische erfreut, den regsten Antheil. Möchte dasselbe noch recht lange dieser himmlischen Gnade theilhaftig werden und es ihm vergönnt sein, noch unzählige Freuden in dem schönen Familienkreise zu erleben! Aschaffenburg, 18. Juni. Rach dem Vorbilde anderer Städte hat sich auch hier ein Komite gebildet, behufs zweckmäßiger Organisation der Unterstützung der aus Rußland vertriebenen Juden. Die Mitglieder dieses Komites werden, da rasche und ausgiebige Hülfe dringend und voraussichtlich noch für längere Zeit Roth thut, in den nächsten Tagen persönlich ihren hiesigen Glaubensgenossen Einzeichnungslisten für wöchentliche Beiträge zu diesem edlen Zwecke vorlegen, und hoffen und wünschen wir, daß dieser Schritt von recht günstigem Erfolge begleitet sein möge. Gewiß wird Jeder — nach seinen Kräften - sein Scherflein beitragen zur Linderung des namenlosen Elends, in welches Tausende durch eine barbarische Maßregel, die man in unserem aufgeklärten Zeitalter für unmöglich halten sollte, gestürzt wurden. Illingen (Bez. Trier.) Zu Gunsten unserer unglücklichen, russischen Glaubensbrüder wurde dieser Tage in hiesiger Synagogen-Gemeinde eine Collekte vorgenommen, die das verhältnitzig sehr erfreuliche Resultat von M. 355,50 Pf. ergab, welcher Betrag sofort an Herrn Rabbiner Dr. Rü t f in Memel abgeführt wurde. Preßburg, 10. Juni. Ueber Anregung des um das jüdische Wohlthätigkeitswesen verdienten Herrn Israel Weiner hat sich hier ein Aktionscomittt gebildet, welches einen Verein zur Eröffnung und Erhaltung einer israel. Volksküche in Preßburg zu gründen beabsichtigt.

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