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Der Israelit · 1891-06-29 · Heft 51 (29.6.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 51 (29.6.1891)
Date
1891-06-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Daß es bei alledem der ungarischen Judenhcit noch nicht gelungen ist, vom liberalen Cultusministcr die Dispensation der Mittelschüler vom Schreiben und Zeichnen am Samstag zu erwirken, ist neben der traurigen Thatsache, daß ein diesbezügliches Gesuch unter circa 500 Rabbinern kaum 48 Unterschriften erreicht hatte, hauptsächlich dem Umstande zuzuschreiben, daß die von neologer Seite petitionirten Herren notorische Uebertreter d er Sa bbatgs etze sind, so daß ihre Eingabe nicht ernst genommen werden konnte. Von dem als ewige Schmach auf den Schultern unserer gleichgiltigen Brüder im andern Lager lastenden Gutachten, welches sie vor Jahren dem früheren Cultusministcr abgaben, in welchem sie über die Feiertage, an welchen die jüdischen Schüler sogar vom Schulbesuch befreit werden sollen, befragt, nicht nur viele andere Feiertage, sondern auch den p*«r anzugeben unterließen, soll gar nicht mehr gesprochen werden; das ist ein nie mehr gut zu machenderFehler u. die beste Charakteristik sogenannten Kongreßler, wofür die Weltgeschichte der ihnen das verdiente Lob nicht vorenthalten wird. Bei der besprochenen Angelegenheit, wo es sich um die gewaltsame Taufe jüdischer Kinder handelt, sollten die Herren Reformer eher ihre Kräfte auf Abstellung dieses Nebels verwenden, als gegen die gesetzestreuen Brüder fortwährend zu agitiren. Ist doch den Herren in Budapest eine sehr bittere Pille durch den Gaumen geglitten, als jüngst ein langjähriges Vorstandsmitglied der dortigen Kongreßgemeinde, Prof. Dr. B., der vorher alle seine Kinder einzeln dem Taufbecken zuführte, plötzlich aus dem Verband des Vorstandes austretend, zum Renegaten ward! — Wie Sie schon berichtet, hat Graf Csaky auf eine Repräsentation der aut. orth. Kanzlei an die königlichen Schulinspektorate einen Erlaß gerichtet, wonach die jüdischen Lehrlinge, welche die Lehrlingsschule frequentiren, am Freitag Abend und Samstag Morgen vom Schreiben, Zeichnen und Rechnen zu entheben sind. Die orth. Landeskanzlei hat sich durch diesen Erfolg ein nicht zu verkennendes Verdienst erworben. War es doch ein himmelschreiender Zwang, der auf die Lehrlinge bisher ausgeübt wurde und noch ein größeres Unglück als die auf den Mittelschulen bestehenden Verordnungen; denn des Besuches der Mittelschule konnte man sich schließlich enthalten, aber die Lehrlingsschule mußte jeder Lehrling besuchen. — Hoffentlich wird die orth. Kanzlet auf den gewonnenen Lorbeeren nicht ausruhen, sondern sich durch den Erfolg zu weiteren nützlichen Aktionen ermuthigt fühlen. Unsere zerrütteten Verhältnisse harren wahrlich einer neuen Kraftentfaltung unserer Führer, die ihre Hände nicht müßig in den Schooß legen dürfen. Leopold Großberg. Mako, 22. Juni. Ein seitens des Vicegespans des Csanader Comitates an den Minister des Innern abgegangener telegraphischer Bericht über die Unruhen in Battonya stellt fest, daß gestern Morgens in Battonya die Bediensteten der Gutsbesitzer der nächsten Umgegend und auch Arbeiter entfernterer Orte auf dem Platze zusammengekommen seien, wo Pakurarin Mitru eine aufreizende Proklamation verlesen habe. Der städtische Stcherheits-Commissär forderte die Menge auf, sich zu zerstreuen. Dieselbe verlangte lärmend die Bekanntmachung einer angeblichen Ministerial-Verordnung, betreffend die Verbesserung der materiellen Lage der Arbeiter. Die wiederholte Betheuerung, daß eine solche Verordnung nicht existire, war nutzlos; die Menge wuchs immer mehr an, und die Frauen der Arbeiter eiferten ihre Männer an, so daß die Erregung ihren Höhepunkt erreichte. Das Stadthaus wurde angegriffen, die Fenster desselben eingeworfen und der Oberstuhlrichter mit der Gemeinde- Vorstehung in das Gebäude drängt. Vier Gendarmen hielten die Aufwiegler vor dem Eindringen in das Stadthaus ab. Zwei Gendarmen wurden attagutrt, worauf diese zur persönlichen Vertheidigung zu den Waffen griffen und wiederholt schossen. Vier Personen wurden getödtet, fünf schwer verwundet. Die Menge flüchtete erschreckt aus dem Hofe des Stadthauses, reizte sich gegenseitig auf und schrie: „Schlagen wir die Herren und die Juden todt!" Bisher wurden mehr als 30 Verhaftungen vorgenommen. Die weitestgehenden Präventiv-Maßregcln zur Verhütung weiterer Unruhen sind getroffen; 140 Infanteristen und 30 Gendarmen sorgen für Aufrechtcrhaltung der Ruhe. Frankreich. Paris. Derselbe religiöse Fanatismus, dem die Juden in Korfu, Zante und Rußland, der russische Thronfolger in Otsu zum Opfer gefallen sind, hat auch in China zu bedauerlichen Ereignissen geführt. Weitere Meldungen aus Shanghai berichten, daß beim Aufruhr in Wuhu auch die französische Kirche eingeäschert wurde. Die Fremden flüchteten in einem Boot auf den Fluß. Ein französisches Kriegsschiff ist nach Wuhu beordert. Schweiz. Bafel, 21. Juni. Da die Kunde von dem entsetzlichen Eisenbahn-Unglück bei Mönchenstetn, unweit Basel, gewiß überall hin gedrungen ist, so wird es Ihre Leser tnteressiren, zu hören, daß rrs, so viel bis jetzt bekannt, sich unter den Verletzten kein Israelit befindet. Dies ist um so mehr als

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