Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 50 (25.6.1891)
- Date
- 1891-06-25
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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XXXII. Jahrgang. Zw eite KeUage M M 50 d°- „Israelit«, Irscharun" Zeitungsnachrichten und Korrespondenzen. Deutschland. Berlin, 14. Juni. Man telegraphirt dem „B. T." Da die antisemitische Presse hartnäckig daran festhält, daß auf Korfu ein „Rikualmord" begangen sei, bat ich heute den Professor Zaviziano in Korfu, den Führer der dortigen Delyannis-Partei und Vorsitzenden der korfiotischen Freimaurer, telegraphisch um Übermittelung. des endgiltigen Sektionsergebnisses. Zaviziano, der, nebenbei bemerkt, ein intimer Freund von Delyannis ist, telegraphirt mir nun soeben: „Wie ärztlich konftatirt, hat die Ermordung der Rubina Sarda, speziell die Durchschneidung der Kehle, nicht nach der jüdischen Methode des Schlichtens stattgefunden." Chringshausen (Kreis Wetzlar), 12. Juni. Der Reichsherold meldet: Vor uns liegt folgendes Schriftstück: Ehringshausen, 11. Juni 1891. Es erscheint der Rottenarbeiter Peter Keller und zeigt an, daß der Schriftsetzer Thomas Reuther von Marburg eine öffentliche Versammlung im Hofe des Friedrich Fellcr zu Dillheim im antisemitischem Sinne halten will. Da Herr Reuther in einer Versammlung am 24. Mai d. I. in Werdorf bewiesen hat, daß er diese Versammlungen nur dazu benützt, die christliche gegen die jüdische Bevölkerung aufzuhetzen, und da hier eine derartige gemischte Bevölkerung vorhanden ist, so daß durch diese Hetzereien Ruhe und Ordnung gestört wird, so wird auf Grund des § 9 der Verordnung über das Versammlungs- und Vereinigungsrecht vom 11. März 1850 die Erlaubniß zu der für den 14. d. M. angezeigten Versammlung tit Dillheim hierdurch untersagt. Die Polizeibehörde. Der Bürgermeister: Z e ch l i n. Rastatt. Gelegentlich des Wochenfestes nahm unser Herr Lehrer und Cantor Mayersohn die Veranlassung in seinem Vortrage auf die russischen Zustände hinzuweisen. In seiner gediegenen Ansprache beleuchtete derselbe das Elend, welches gegenwärtig in Rußland herrscht und jedes rechtlich denkende fühlende Menschenherz empört. Der Redner gab von diesem Elend ein überzeugendes Bild. Eine hierauf am vergangenen Sonntag vorgenommene Sammlung ergab das schöne Resultat von M. 208. Mögen alle, welche diese Zeilen lesen, alle die ein Scherflein entbehren können, das ihrige beisteuern, um das Elend unsrer russischen ansgewiesenen Glaubensgenossen zu mildern. Viel wenig, geben ein Viel. Besten Dank auch den gütigen Gebern. N. N. □ Augsburg, 14. Juni. (Pobedonoßew II.) Den Redacteur und Verleger A. Riggl von der Münchner „Stadtfraubas" (dem Bilde nach eine Hexe) lassen die Lorbeeren der Russen und Griechen und der vielen anderen jndenhassenden Blättchen nicht schlafen. In seiner Nr. 24 vom 12. Juni schreibt dieser Judenfeind wörtlich: „Es werden die Juden in Deutschland leider geduldet. In Rußland, in Eorfu und anderwärts ist man Heller und fängt man mit einer Radikalkur an, indem die Völkerschaften das schwarze Fleisch einfach wegschneiden." O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Budapest. An der hiesigen Universität sollten mehrere Kandidaten von verschiedenen Fakultäten promovirt werden. Die Leitung des Promotionsaktes fiel dem Dekan der theologischen Fakultät zu. Unter den Kandidaten befand sich auch der Rabbiner von Szolnok, E. F r i e d l i e b e r. Als man zur Leistung des Gelöbnisses gelangte, wobei die Kandidaten die Hand auf das mit einem Erucifix geschmückte Univcrsitäls-Secpter zu legen haben, erklärte Friedlieber, daß er auf diese Weise das Gelöbnis; nicht leisten könne: er habe gegen die Formel nichts einzuwenden, wolle dieselbe auch nachsprechen, und, als stünde er vor Gericht, die Hand aufs Herz legen. Der Dekan erklärte jedoch, daß eine solche Ablegung des Gelöbnisses den Gesetzen der Universität widerspreche, der Kandidat könne daher nicht promovirt werden. Auch der Rector verweigerte demselben die Ausfolgung de^ Doktordiploms. Friedlieber berief sich ans mehrere Präcedenzfätle ans dem vorigen Jahrhundert, welche iu der Geschichte der Universität von Pauker angeführt werden. Er will sich zum Unterrichtsminister begeben, um den Fall vorzntragen. k. Prag, 14. Juni. Bei der hier stattgefnndenen Generalversammlung der Seniore der Prager israel. Beerdigungs-Brüderschaft wurden wieder gewählt: Die Herren David Lieben, Herrn. Jnlvald, Michael Wiener, Leopold Schnurdreher und Jacob W. Pascheles. Nengewählt wurden: Herren David Glauber und .Hirsch Schütz. Dieser Vorstand in seiner Gesammtheit bietet die Gewähr, daß dieser echt jüdische, mehr als 300 Jahre bestehende Verein m nscnp m:sn in seinen Tendenzen, welche einzig und allein in Ausübung jeder Art von thätiger Nächstenliebe besteht, im Sinne des erhabenen Stifters R. Inda Löwe, erhalten bleibt, und nicht der modernen Reformsucht, die nicht nur nichts Besseres schaffen, sondern den altehrwürdigen Bau erschüttern würde, zum Opfer falle.