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Der Israelit · 1891-06-25 · Heft 50 (25.6.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 50 (25.6.1891)
Date
1891-06-25
Page
– (sequence 10)
Language
German
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928 Antisemitismus. Aber >vir bestreiten, daß es überhaupt irgend welcher Anregung bedarf, um der überall verbreiteten Abneigung gegen das Judenthum Ausdruck zu geben. Es ist richtig, daß bis vor wenig mehr als einem Jahrzehnt eine antisemitische Bewegung bei uns nicht bestanden hat. Zu einer solchen war aber früher kein Anlaß gegeben, da die Juden im Allgemeinen für sich lebten und die Gesetzgebung ihnen das Eindringen in andere Kreise nicht künstlich erleichterte. Erst durch den Versuch, eine Nation, die durch beinahe zwei Jahrtausende hindurch unter den nngünstigsten Verhältnissen sich ihre Individualität erhalten hat, in das deutsche Volksthum aufzunehmen, und durch die zur Durchführung dieses Versuches getroffenen Maßregeln sind Gegensätze geschärft worden, die selbst durch die „liberalste" Gesetzgebung, sofern man überhaupt auf die Erhaltung unseres Volksthums Werth legt, nicht aus der Welt geschafft werden können." Also das ist des Pudels Kern! Wer merkt nicht die Absicht, auf jeneu Staat hinzuweisen, der jetzt „zur Erhaltung seines Volksthumes" Akte der Barbarei begeht, die unter Kulturvölkern ihres Gleichen suchen. Aber Gottlob, noch ist das deutsche Volk nicht so tief gefunken, solchen Anleitungen und Hetzereien Folge zu leisten; noch gibt es Männer der Wahrheit und Gerechtigkeit, die Lüge und Trug verabscheuen und selbst „einer Minderheit zu Liebe, mit der der überwiegende Theil der Deutschen möglichst wenig zu thun haben will," einen Kampf gegen die Intoleranz führen, der sie ehrt. „Die Erhaltung der konfessionellen Schule ist eine Forderung der konservativen Partei", schreibt die „N. Pr. Ztg." Lange, lange bevor cs noch eine konservative Partei gab, stellte das strenggläubige Judenthum diese Forderung aus und nun brüsten sich die Judenfeinde mit den Federn, die sie sich vom Judenthum angeeignet haben. Die jüdischen Lehrer kennen die die Macht des bösen Beispieles und da sie ihren Schülern das Heiligste der Menschheit, die Religion erhalten wollen, deshalb fordern sie zur Gründung von konfessionellen Schulen auf. Nicht der Haß gegen eine andere, nein, die Liebe zur eigenen Religion bestimmt sie dazu. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin. Zum ersten Male seit dem Bestehen der Reform hat sich das Rabbinat der hiesigen Hauptgemeinde an einem offtzieIlen Alt derResörmgemeinde betheiligt. Der Vorsitzende des Berliner Rabbinats Herr Dr. Siegmund M a y b a u m hat bei der Enthüllung des Denkmales, welches die Reformgemeinde ihrem Prediger Dr. Ritter errichten ließ, die Gedächtnißrede gehalten. Berlin, 24. Juni. Auch im Norden von Berlin hat sich ein Comitö, bestehend aus Männern der verschiedensten Parteirichtungen, zusammengethan, um zur Hilfe und Unterstützung der ausgewiesenen russischen Juden nach Kräften zu wirken. Dieses Comitö veranstaltete gestern in „Weimann's Volksgarten", dem größten und parkartigen Garten im Norden von Berlin, ein Volksfest, welches den Besuchern viel Vergnügen geboten hat. Den Verhältnissen des Nordens entsprechend, dessen Bewohner überwiegend dem kleinen Mittelstände angehören, ist der Eintrittspreis nur auf 50 Pfennig für Erwachsene und 25 Pfennig für Kinder festgesetzt worden, was indessen, da das Etablissement viele Tausende von Personen auszunchmen im Stande ist, einen bedeutenden Kassenerfolg nicht ausschloß. Fünfkirchen, 21. Juni. Beim Empfange der Deputationen richtete der Kaiser an dieselben huldvolle Ansprachen. Gegenüber der israelitischen Gemeinde äußerte der Kaiser, die Macht der Krone und der vaterländischen Gesetze sichere den Israeliten wie jeder Konfession in der Monarchie die staatsbürgerlichen Rechte. Würzbnrg, im Juni. Welcher Theilnahme sich unsere unglücklichen russischen Glaubensgenossen und welcher Sympathien sich das Rettungswerk seitens unserer nichtjüdischen Mitbürger zu erfreuen haben, beweist folgende Thatsache. Unter dem 20. ds. sandte der bayrische Frauenverein unter dem rothen Kreuz, Kreisausschuß für Unterfranken und Aschaffenburg an Herrn Distrikts- Rabbiner Bamberger dahier zur Unterstützung der aus Rußland vertriebenen Israeliten den Beitrag von „200 Mk." aus der Vereinskasse, mit dem Ausdrucke des tiefsten Abscheu's über die unmenschlichen Maßnahmen gegen die hilflosen Betroffenen. — Noch von verschiedener, sehr distinguirter Seite gingen Gaben mit gleichen Gesinnungsausdrücken dem hiesigen Comitö zu. (Auch uns wurden von mehreren angesehenen Nichtjuden des hiesigen Platzes Gaben für den genannten Zweck gesandt. Red.) Aus Bayern. Einer der höchsten Würdenträger der katholischen Kirche Bayerns reiste jüngst in einem Coupe mit noch zwei anderen Herren. Diese unterhielten sich vom Antisemitismus, wobei die schändlichen Ausfälle gegen die Juden nichts vom Geiste der „Menschenliebe" erkumen ließen, obwohl der eine Herr ein protestantischer Geistlicher war. Endlich wandte sich dieser an den jener Unterhaltung ferngebliebenen Kirchenfürsten mit den Worten: „Ihr Kleid legt die Vermuthung nahe, ' daß auch Sie gleicher Ansicht mit uns sind?" „Meine Herren," lautete die Antwort, „Sie vergessen, ich bin Christ!" Oefterr.-Ungar. Monarchie. Lemberg, im Juni. Wir haben seinerzeit, wie den Lesern dieses Blattes noch erinnerlich sein dürfte, von dem Ableben des Herrn Jsak Aron Etting er b"*, Oberrabbiner zu Lemberg, in die-

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