Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 50 (25.6.1891)
- Date
- 1891-06-25
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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924 Zwecke zugewendet worden. Die Begeisterung für die humane Sache ist überhaupt eine allgemeine und erfreuliche. O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Budapest. Wie bereits berichtet hat Rabbiner Friedlteber von Szolnuk verweigert den Eid nach der vorgeschriebenen Formalität an der hiesigen Universität zu leisten. Er motivirte sein Thun damit, daß er als Rabbiner auf das christliche Symbol nicht schwören könne und daß ein solcher Eid nur ein falscher Eid sein müßte. Der Rector magnificius, Prof. Dr. Wilhelm Schulet (ein Protestant) ging darauf nicht ein und verweigerte die Ausfolgung des Doctordiploms. Nun am Ende wäre dies noch immer nicht das Schlimmste. Dem Friedlieber scheint dasselbe jedoch so sehr an's Herz gewachsen zu sein, daß er schon nach Verlauf von drei Tagen sich's anders überlegte und zum Gaudium aller Judenfeinde, den seiner eigenen Aussage gemäß falschen Eid mit vollster Seelenruhe ablegte! Nun ist er freilich ein Doctor, hat aber — moralisch ist dies gewiß der Fall — sofort aufgehört Rabbiner zu sein. Ihm war das seltene Glück beschieden, zuerst durch sein männliches und korrektes Vorgehen ein berühmter Mann zu werden; nunmehr aber hat er sich durch sein läppisches und täppisches Auftreten die Achtung aller Welt gründlich verscherzt, sich unsterblich lächerlich gemacht und ist nun nicht mehr im Stande, diesen kolossalen Fehler je wieder gutzumachen. D. H. 8. (Bezeichnend für die ungarischen Reformrabbiner ist die Thalsache, daß sämmtliche Zöglinge des Budapester Rabbiner-Seminars an dieser Universität prom wirten und noch keiner derselben Anstand nahm, den Eid nach katholischem Ceremoniell zu leisten.) England. London, 23. Juni. Die Einführung des Oberrabbiners Herrn Dr. H. Adler von London fand heute Nachmittag in der Synagoge auf dem Duke's-Place statt. An der Feier nahmen u. A. der Oberrabbiner von Paris, der Lordmayor, Lord Rothschildfund andere hervorragende Mitglieder der jüdischen Gemeinde theil. Palästina. Jerusalem. Der „Selbst - Emancipation" wird von Herrn Jacob Konftantinowky gegeschrieben: Herr Eliah Scheid, der Mandatar des edlen Protcctors der palästinensischen Colonien *) hat von diesem den Auftrag erhalten, sich in das Gebiet am östlichen Jordanufer zu begeben, und 300,000 Dunam (ca. 51/» Millio¬ *) Baron Edmund v. Rothschild in Paris. nen lUM.) an Boden zu erwerben. Der Boden ist am Ostjordanland sehr billig (4 bis 5 Francs per Dunam einschließlich Spesen), so daß auch Leute mit ganz kleinen Capttalten (1000 bis 2000 Rubel) zu Grundbesitz werden kommen können, umsomehr, als dort Getreidebau und Viehzucht betrieben werden, die ihren Mann sammt Familie bereits im ersten Jahre ernähren, während der Wein- und Platagenbau des Küstengebietes erst nach vier bis fünf Jahren den Unterhalt abzuwerfen im Stande sind. Für die Colonisation des ganzen transjordanischen Gebietes bedeutet dieser großen Bodenankauf einen vielversprechenden Anfang, für Tausende unserer Brüder Rettung; nur mögen diese nicht übereilt Vorgehen, sondern ruhig zu Hause abwarten, bis die Perfektion des Kaufvertrages festfteht und die Details bekannt werden. Vermischtes. Frankeuthal. In der am 10. d. zahlreich besuchten Gemeindeversammlung wurde beschlossen, dem aus den Schnodergeldern gebildeten Fond 300 M. zu Gunsten der russischen Glaubensgenossen zu entnehmen; außerdem ging durch eine Sammlung freiwilliger Beiträge bei den Gemeindemitgliedern die Summe von 700 M. ein. Fürth i. O., 2. Juni, fitute wurde am hiesigen Schöffengericht folgende antisemitische Beleidigungsklage verhandelt: Der Handelsmann Lazarus David von Reichelsheim wurde von dem Land- und Gastwirth I. Hofmann aus Winterkasten öfters durch Hepp-Hepp-Rufe und verschiedene andere Beleidigungen beim Vorübergehen an dessen Hause belästigt. Der Beleidigte erhob hierauf bei großherzoglicher Staatsanwaltschaft Anzeige, und der Beschuldigte wurde bei der heutigen Hauptverhandlung in eine Strafe von 21 Mark, event. 3 Tage Haft, sowie in die nicht unerheblichen Kosten des Verfahrens verurtheilt. Außerdem wurde dem Kläger die einmalige Veröffentlichung des Urtheils im „Erbacher Kreisblatt" auf Kosten des Beschuldigten gestattet. Obwohl der Beklagte angab, er wollte den David nicht beleidigen, sondern er hätte ein Pferd (!), welches Hep-Hep heiße, und der Name seines früheren Pferdes sei Nebukadnezar (!) gewesen, schenkte das Gericht demselben keinen Glauben und verurtheilte ihn in die bereits erwähnte Strafe. Wien. Man erinnert sich an einen Vorfall, der seinerzeit so großes Aufsehen erregte: Am 22. Februar empfing in der Währinger Gewerbeschule der Schusterlehrling Heinrich Edelmüller den eintretenden Schulkameraden Simon Färber, einen Maschinenschlosserlehrling, mit den Worten: „Da kommt schon wieder ein jüdischer Fallot." Färber schlug darauf den Beleidiger auf den Kopf und es entstand eine Balgerei. Im Laufe derselben stach ihm Edelmüller mit einem Messer das Auge aus. Bei der Verhandlung vor dem Währinger Bezirksgerichte wurde Edelmüller freigesprochen; die vorliegenden Aussagen gestatteten nämlich die Annahme, daß das Unglück durch Zufall geschehen sei. Gegen dieses Urtheil erhob der staatsanwaltliche Functionär die Berufung, welche jüngst vor dem Apellgerichte der Staatsanwalts-Substitut Böller vertrat. Es wurden zwei neue Zeugen vernommen. Der Gerichtshof hob daerstrichterliche Urtheil aus und wies die Angelegenheit zur neuerlichen Verhandlung an das