Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 50 (25.6.1891)
- Date
- 1891-06-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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922 Lehrervereins aus. Auch der Vorstand des „hessischen Lehrervereins", die Herren Backes, Fiedler undSchwind beehrten die Versammlung mit ihrer Gegenwart und folgten den Verhandlungen bis fast zu Ende mit größter Aufmerksamkeit. Der Vorsitzende, Herr W erth eim er-Heldenbergen eröffnete die Sitzung mit einer warmen Begrüßungsrede, in der er über die Thätigkeit des Vorstandes im vergangenen Jahre Bericht erstattete. Die im Januar der Regierung übergebene Petition, um gesetzliche Regelung der Stellung der isr. Religionslehrer wurde verlesen, als deren erfreulichen Erfolg man den in diesen Blättern bereits veröffentlichten Erlaß des Ministeriums an die Kreisämter bezüglich der isr. Religionslehrer bezeichnen könne. Der Vorsitzende gedachte nun in ehrenden Worten der im Laufe des Jahres verstorbenen Mitbegründer des Vereins, des Vorsitzenden Herrn K l i n g e n st e i n- Oberingelhcim und Herrn H irsch-Groß-Biberan. (Die Versammlung erhob sich zum ehrenden Andenken der Verstorbenen). Herr Dr. Salfeld begrüßte die Versammlung als Delegirter des deutschisr. Gcmeindcbundcs und hob den Segen eines thatkräftigen geeinigten Zusammenwirkens aller Lehrer besonders hervor. (Der Gemeindebund sandte dem Vorsitzenden eine Subvention von 100 M. zur theilweisen Bestreitung der Reisekosten der Mitglieder.) Herr Marx-Alsheim wünscht ähnlich der Vereinigung der isr. Gemeindevorsteher in Storkenburg zur Herbeiführung eines geregelten Religionsunterrichts, eine solche der Gemeindevorsteher des ganzen Landes, wobei zu deren Berathungen auch sä mm t lich e Rabbiner und einige Lehrer zugezogen werden mögen. Vorstand Herr Benjamin verspricht alles Mögliche nach dieser Richtung thun zu wollen, bezweifelt aber ein Zustandekommen. Vorsteher Herr Bodenheimer nimnit die abwesenden Gemeindevorsteher in kleinen Gemeinden gegenüber verlautbar gewordenen Anklagen (es wurden aus der Mitte der Versammlung einige drastische Fälle über die traurigen Verhältnisse in Klein-Gemeinden erzählt) in Schutz, hervorhebend, daß diese in Folge der r»|f t geringen Steuerkraft ihrer Gemeinden beim besten Willen nicht immer in der Lage wären, den Anforderungen der Lehrer in gewünschter Weise Genüge zu leisten. Herr Ehrman n-Friedberg las nunmehr sein mit großem Fleiße, klar und übeisichtlich ausgearbeitetes Referat über „ein Normallehrplan für die israel. Religionsschulen iu Hessen" vor, das al l g e m ein e n Beifall fand. Auf Antrag von Herrn Marx- Alsheim wird beschlossen, daß dasselbe seiner Wichtigkeit halber nicht sogleich debattirt, in seinem wesentlichen Theile hingegen hektographirt, den Vereinsmitgliedern zugeschickt und in der nächstjährigen Generalversammlung zur Debatte gestellt werde. Herr Dr. Marx wünscht, daß der Lehrerverein vorder Feststellung eines Normallehrplans bei der Negierung die gesetzliche Anerkennung der Religionsschule und der Religionslehrer erstrebe, dem aber von den Herren Dtrector Dr. B arn a ß-Psungststadt und Marx-Alsheim widersprochen wird, weil dies, als eine Orgauisationsfrage, Sache der Gemeindevorsteher und Rabbiner wäre, während die Berathung und Einrichtung eines Normallehrplanes als die Aufgabe der Lehrer zu betrachten sei. Auch bezüglich des sogenannten „systematischen" (katechetischen) Religionsunterrichts erhebt sich zwischen Herrn Dr. Marx und dem Herrn Referenten eine kurze Debatte; elfterer verspricht sich von demselben, wie auch die die Erfahrungen der letzten Jahrzehnte lehrten, keinerlei Erfolg, während letzterer sich ohne denselben keinen Religionsunterricht denken könne. Die hierauf verlesenen Statuten werden mit unwesentlichen Änderungen angenommen. Der verstorbene Herr Klingen st ein -Oberingelheim hat dem Lehrerverein seine bedeutende Bibliothek testamentarisch vermacht. Dieselbe soll, wenn sich ein hierzu passender Raum findet, in Darmstadt aufgestellt werden. Herr Oppenheimer- Darmstadt will zu diesem Zweck bei dem Vorstand der isr. Gemeinde Darmftadt die nöthigen Schritte einleiten. In den Vorstand wurden gewählt die Herren: Wertheimer-Heldcnbergen als Vorsitzender, Dr. B a r n a ß - Pfungstadt, E h r m a n n - Friedberg, Marx- Alsheim, Oppenheimer - Darmstadt, S a l o m o n - Sprendlingen und Wunsch- Affenheim. Als Versammlungsort der nächsten Generalversammlung wurde Frankfurt a. M. bestimmt. K. Darmftadt, 23. Juni. Auf Einladung des sogen. „Volksveretns" sprach heute Abend Stöcker km hiesigen Saalbau vor einer zahlreichen Zuhörerschaft aus allen politischen Parteien in bekannter Weise über die von Seiten der Sozialdemokratie und des Judenthums der heutigen Gesellschaftsordnung drohenden Gefahren. Er empfahl seine alten Mittelchen zur Abhilfe. Am Schluffe wurde ihm, im Auftrag zahlreich erschienener Damen, ein Lorbeerkranz überreicht. Eine Discussion fand nicht statt. Frankfurt a. M., 16. Juni. Vorigen Sabbat hat sich inmitten unserer Religionsgesellschaft ein Akt vollzogen, welcher wiederum Zeugniß ablegt für das segensreiche Wirken unseres allverehrten Herrn Rabbiners Breuer >"j. In der Wohnung desselben erschien eine Deputation des von ihm seit Anfangs vorigen Winters in's Leben gerufenen v"^Vereins. Der Sprecher derselben hielt etwa folgende Ansprache an denselben: