Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 50 (25.6.1891)
- Date
- 1891-06-25
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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921 Ehrsüchtigen zur Preisgebung ihrer theuersten Güter zu veranlassen. Und wenn wir Gottlob dafür keine täglichen Beweise haben, so lehrt doch die Erfahrung, daß die Sucht nach Ehre in der Regel die erste Ursache zur Untreue ist, welche man gegen das altväterliche Gesetz übt. — Auf der Bühne des täglichen Verkehrs ist kein Platz für die Zurückhaltung und Beschränkung, welche das jüdische Gesetz vorschreibt. Die Annehmlichkeit, sich frei bewegen zu können und die Ehre, Umgang zu pflegen mit Allen, die diese Bühne betreten, fordert schon das Abschütteln des Bandes, mit dem das göttliche Gesetz uns fesselt. — Nicht auf einmal ist oder wird dieses Band gelöst. Von der Bühne des freien Verkehrs schreitet man allmählich zum Tempel der Wollust; noch ein Schritt weiter — und unter den Füßen der Ehrsüchtigen öffnet sich die Grube — des Abfalls. Man glaube nicht, daß Ermahnungen und Sittenlehren den von Ehrsucht Berauschten auf den richtigen Weg zurückführen. Sprich' zu ibm über das heilige Leben unserer Urahnen — rufe ihm mit religiösem Ernst die echt jüdische Erziehung, die er genossen, in Erinnerung — zeige ihm, wie unsere Glaubensbrüder ihr Leben für das Gesetz opferten — und wie er vielleicht gedankenlos dem Verderben eutgegeneilt. — Auf alles hat er seine Antwort bereit, eine Antwort, welche schon Jesaia prophezeite: *p\v wr nrn lrery oyi mo nx ma um: .mnDj -lprai UDno ao hd» 'a w nay’ ’a „Mit dem, was Ihr Tod nennt, haben wir einen Bund geschlossen und mit dem von Euch genannten Abgrund haben wir einen Vertrag gemacht. — Dagegen haben wir nicht zu leiden von jener wogenden Geißel, — die sich gegen das Judeuthum kehrt, — denn wir haben Lüge zu unserm Schirmdach gemacht und hinterm Trug uns versteckt — (Jes. XXVIII, 15) und wenn auch der Prophet die göttliche Weissagung ausspricht, nsai mo n« oanna, daß dieser Bund mit dem Tode keinen Werth habe, ooiüb 6 omni aay »a ew, und von jener wogenden Geißel werdet Ihr selbst zertreten; schon gehört der Ehrsüchtige zu den nwx die nicht gedankenlos, nicht unbewußt die Lehre des Gesetzes verlassen, aber die Gefahr bespötteln, in der sie sich befinden. Er ist sich bewußt, daß er durch seinen Spott und den daraus resultirenden Handlungen sich außerhalb des Judenthums bringen wird. In einem derartigen Zustande mögen wohl die Sephoriden gewesen sein, von denen der Talmud sagt: pyjano n,vyikt .i>'v yyoty pna’S sie seien hartherzig, hören die Worte der Thora, wollen sich aber nicht demülhigen. Es ist das Charakteristische für den Ehrbegierigen, Yiiaa by orw, daß er ausschließlich seiner Ehre lebt, ijtoö bv on k4i, und selbst sein Vermögen für dieselbe opfert. R. Josö gibt ihnen einen Rath — ganz entsprechend dem Charakterzug. der sie irre führte. Und in diesem Rathe kommt der versöhnende Geist des großen Meisters zum Vorschein, ein Geist, der diesem Weisen im Talmud an verschiedenen Stellen nachgerühmt wird. — So lesen wir in nrnn 17 b., daß durch R. Josss Vermittelung die Gelehrten R. Me'ic und R. Nathan, welchen von dem Fürsten R. Schimeon b. Gamliel der Zutritt zum Lehrhause untersagt war, wieder in das «man rva ausgenommen wurden; denn seine Fürsprache lautete: o\}Baa uxi pnao min. Was sollen wir im Lehrhaus, wenn die Thora draußen ist? — Auch die auf den Irrweg gerathenen Brüder will er im Kreise des Judenthums erhalten und sucht in ihren Charaktereigenschaften das Mittel, um ihren völligen Abfall zu verhüten. — Den Ehrgeiz in den Dienst der Thora stellen, ist nach ihm ein vorzügliches Mittel, die Verehrung der Thora herbeizuführen; .nmao py naian ibw n-nnn m aaaon 4a „Derjenige, der die Thora ehrt, dessen Persönlichkeit wird von den Menschen geehrt." Solange das Gefühl der Ehre für die Thora und für diejenigen, die sich ihrem Studium widmen, nicht ausgelöscht ist (siehe Sifro 'npna Anfang), solange dieses Fünkchen noch in der Brust des Juden glüht, so lange noch besteht die Hoffnung, daß er und vielleicht seine Nachkommen in verjüngtem und erhöhtem Feuer und Eifer für das Judcnthum können erhalten werden und bleiben. — Der Begriff der T h o r a v e r e h r n n g, ein viel umfassender, wird uns rr* demnächst beschäftigen und werden wir dabei auszuführen suchen, wie weit die von R. Josö gewünschte mim naa Ehre der Thora sich ausdehnt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzeu. Deutschland. Mainz, 22. Juni. Gestern wurde iu Darmstadt die erste Generalversammlung des „isr. Lehrervereins des Großh. Hessen" abgehalten. Die zahlreiche Betheiligung an derselben (es waren 61 Mitglieder erschienen) zeugt von dem großen Interesse, welches diesem jungen Vereine seitens der Lehrer entgcgengebracht wird. Von den Rabbinen waren die Herren Dr. Gr ünfeld-Bingen, Dr. Marx-Darmstadt und Dr. S a l f e l d-Mainz anwesend; der Vorstand der isr. Religionsgemeinde-Darmstadt war durch die Herren Benjamin und Strauß und der der Rcligionsgesellschaft-Darmstadt durch Herrn Bod e nheimer vertreten; letztere beide Herren sprachen ihre volle Sympathie für die Bestrebungen des isr.