Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 50 (25.6.1891)
- Date
- 1891-06-25
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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920 Leitender Artikel. Sprüche der Mter. Viertes Buch. XXXIX. Fortgesetzt von Liepman Philip Prins. Frankfurt a. M.,22 . Juni. Der Spruch R. Jose's hatte, wie wir bemerk« ten, ursprünglich eine für seine Zeit und Umgebung berechnete Bestimmung und dennoch wurde derselbe in die Sammlung der M2tr >p-® ausgenommen. Die Sprüche der Väter aber sind nicht allein ihres historischen Werthes halber geschätzt, sie sollen nicht nur unsere Gedanken in jene Zeiten zurückführen, da ihre Verfasser gelebt und gewirkt, sondern ihre Worte sind geschrieben für alle Zeiten und maßgebend in Israel, ohne jegliche Beschränkung auf Raum und Zeit; daher ist ihr Inhalt für Jeden auch heute noch von größter Wichtigkeit und höchstem Werth. Die von der Gottesidee durchwehten Anschauungen und die demgemäße Führung des Abrahamitischen Hauses, welche durch die Gesetzes-Offenbarung am Sinai bestätigt wurden, bildeten von jeher einen Gegensatz gegen die Lebensregeln und die Anschau« ungcn der bestehenden Völkerschaften. — Schon Nimrod hielt den Feuertod für Abraham in Bereitschaft, und von diesem mutt -m, dem Feuer der Chaldäer, ist seitdem kein Jahrhundert in der jüdischen Geschichte verschont geblieben. — Abraham schon zeigte, daß er für seine Ueberzeugung den Tod durch's Feuer nicht scheue, und ni3x rwyn 0*335* p’D. Die Geschichte weiß es mitzuthcilen : Gegen Todesqualen ist Israel gestählt. Den Tod erleiden für sein Gesetz und seine Nationalität ist für Israel und seinen Bestand nie das Schlimmste gewesen. Aber auch auf andere Weise suchte man Israel beizukommen, und um Israel seinem Gotte abspenstig zu machen, legten sich die Gegner oft auf Mittel, die unter gleißnerischer Oberfläche und glänzender Außenseite für die Zukunft Israels oft verhängnißvoller werden sollten, als alle Brutalitäten der Tyrannen. — Bereits Laban versuchte es, im Gegensatz zu Nimrod, mit freundlichem und scheinbar liebevollem Entgegenkommen unfern Stammvater Jacob zu umstricken. Als armer Taglöhner trat Jacob in das Haus seines Oheims, ap p^i ton dn *npj&, und er war dem Jacob so gewogen, daß er ihm seine Töchter zu Frauen gab. Mit meinen Töchtern vermählt, so dachte sich wohl Laban, wird mit deren Kindern das Abrahamittsche Haus mit seinen Prinzipien und Verpflichtungen bald ein Ende haben. Auch Pharao glaubte gleich Laban durch äußerliche Freundlichkeit und einschmeichelndes Entgegenkommen zu seinen Zielen zu gelangen. Kaum hörte er, daß die Familie Jacob nach Egypten ziehen würde, gab er dessen Sohn Joseph, seinem ersten Staatsbeamten, den Auftrag, Wagen zu schicken, nm Jacob und seine Familie huldvoll und aller Welt erkennbar, unter königlicher Gunst in das Land Egypten einziehen zu lassen. Aber tm rpv nbw -)pn ni^yn ntt, Jacob sah nur die Wagen, welche Joseph geschickt hatte. Da fragen die Weisen im Midrasch, wo befanden sich denn die Wagen, welche Pharao zu seiner Verfügung gestellt hatte und sie antworteten: ny-ic nbwv rvtajy yvN isnn nnrr noy Dn-ty npipn vy nnm mit« nt«ic6. In jenen Wagen waren Götzenbilder cingegrabcn und daher hatte Juda dieselben verbrannt. o'nb ]D’D nu« Diese Geschichte unserer Väter ist symptomatisch für ihre Nachkommen. Gar häufig steckt hinter der von den Gegnern uns erwiesenen Ehre — ein Götzenbild. Was die Scheiterhaufen, der Mordstahl, die grausamsten Folterqualen nicht erreichen könnt»'», sollten die Ehrenbezeugungen bewirken. — Achaschwerosch wird von den Weisen für einen noch größeren Judenfeind als Haman, der doch als Urtypus aller Judenfeinde gilt, gehalten; das bi nt« -nt6i ann^> ap o'-nnvi, Juden und Judenthum durch den Martertod zu vernichten, ist ein gar zu rohes Mittel, um selbst im Sinne der Barbaren von Nutzen zu sein. Menschheit und Menschlichkeit bleiben schließlich doch Sieger über Barbarei und Brutalität. — Achaschwcrosch glaubte durch die Ehre, welche er den Juden erwies, indem er sie zur königlichen Tafel zog, wo ms r.mrn, der Wein, den er den Eingeladenen darbot, gesetzmäßig war, wo vielleicht selbst religionsgesetzlich erlaubter Wein credcnzt wurde, ein vorzügliches Mittel gefunden zu haben, das jüdische National-Gefüh! zu unterdrücken. Aber imn *vnn iyör»3, die Großen, die vornehmsten Repräsentanten des jüdischen Volkes, flüchteten. Diese sahen wohl ein, daß die Ehrenbezeugung der Existenz Israels äußerst gefährlich sei. Und R. Jose begreift cs in seiner Weisheit, daß auch die Vertreter der reuen Lehre die Ehrsucht benutzen werden, Israels Festhalten und Treue an Gott und Seinem Gesetz ins Schwanken zu bringen. Wird dieses Mittel doch noch heute angewandt, und hat leider viele, viele unserer Glaubensbrüder verführt. — Man sollte es kaum für möglich halten, wie schwer in den Augen eines Menschen die Erreichung einer Ehrenstelle in der Gesellschaft, im Staate rc. wiegt. — Das bloße Jnaussichtstellen eines derartigen Zieles reicht oft hin, um diese