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Der Israelit · 1891-06-22 · Heft 49 (22.6.1891) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 49 (22.6.1891)
Date
1891-06-22
Page
– (sequence 8)
Language
German
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910 Wirklichkeit seltsam, wie dieser junge Mann durch seinen herrlichen Gesang die Menschen oft geradezu berücken konnte. — Auf dem Schiffe wurde er wie ein junger Fürst behandelt, Jeder bemühte sich, ihn zu bedienen. Und Sabbatai ließ sich diese ungeheuchelten Huldigungen der einfachen Leute gern gefallen, waren sie ihm doch wiederum ein Beweis deS eigenen hohen Werthes und seiner hehren Sendung. Ja, er fühlte es, er war der Messias. — Mochte auch die eigene Mutter an ihm zweifeln, mochten fanatische Rabbinen über ihn den Bann verhängen, er ließ sich nicht beirren, er glaubte an sich. — Und hätte er den einfachen Leuten auf dem Schiffe sich als Messias offenbart, sie hätten sicher auch an ihn geglaubt. Aber das energische Vorgehen des Rabbtnen- Gericht in Smyrna hatte ihn doch zur Vorsicht gemahnt, er hatte es dem Vater gelobt, in den nächsten Jahren jeglicher Kundgebung sich zu enthalten, ruhig zu warten, bis seine Zeit gekommen, und er hatte es sich selbst gelobt, sein Wort zu halten. Noch war die Welt nicht reif, weder für die Erlösung, noch für die Erleuchtung, die er ihr zu bringen gedachte. Ohne Unfall und in möglichster Behaglichkeit hatte er die Seereise zurückgelegt und war in der Hauptstadt des großen türkischen Reiches angelangt. Sein Vater hatte ihm ein Empfehlungsschreiben an einen Geschäftsfreund mitgegeben; derselbe gehörte zu den angesehensten Juden der Hauptstadt, er war daher nicht schwer zu finden. — Benjamin Coeu empfing den Sohn seines Smyrnaer Geschäftsfreundes mit offenen Armen. In den ersten Tagen seines Aufenthaltes in Konstantinopel war Sabbatai sein Gast und hätte er die Gastfreundschaft gern länger ausgedehnt. Das einnehmende Aeußere des jungen Mannes, sein würdevolles Wesen, der seltene Wohllaut seiner Stimme, das alles vereint hatte ihm die Zuneigung des älteren Mannes rasch gewonnen. — Doch Sabbatai hatte dankend die freundliche Aufforderung, für längere Zeit Benjamin Coen's Hausgenosse zu bleiben, abgelehnt. Er wollte entschieden jedwede Demonstration vermeiden, wollte sich jedoch für die Dauer nicht allzugroße Beschränkungen auferlegen, darum sehnte er sich nach einem eigenen, wenn auch noch so bescheidenen Heim. Der Geschäftsfreund seines Vaters war ihm behilflich, und schon nach wenigen Tagen hatte er gefunden, was er gesucht. Und nun begann er seine Studien von Neuem, forschte unablässig in kabbalistischen Lehrbüchern. — Ob er tief eingedrungen ist in die Lehren der geheimnißvollen Wissenschaft? — wer vermöchte das zu ergründen! — All' sein Forschen, all' sein Streben ging dahin, die eigene Sendung aus den kabbalistischen Lehrbüchern zu beweisen. Allmonatlich erhielt er ein Schreiben von seinen Eltern. Der Vater vergötterte ihn in der Ferne, wie er es in der Nähe gethan, beschwor ihn nur in jedem Briefe zur Vorsicht, auf daß er seine hehre Sendung nicht durch verfrühtes Hervortreten gefährde. Die Mutter hingegen beschwor ihn in jedem Briefe, abzulaffen von seinem sich selbst vergötternden Wahn, getreulich zu befolgen jedes Gottesgesetz. Sabbatai las sie selten, die eng, aber doch klar und deutlich geschriebenen Zeilen seiner Mutter, wußte er doch im vorhinein, was sie enthielten — er wußte seine kostbare Zeit besser anzuwenden, als zu lesen, was er längst wußte und — verachtete — die Lehren seiner Mutter. Ob sie es wußte, ob sie es ahnte, daß alle ihre Worte, alle ihre Bitten und alle ihre Ermahnungen vergebens waren? (Fortsetzung folgt.) und „Jrschurun' erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag», 1ebe8m«( in mindesten! 8 »ogen. Preis bei Jahrgang! für Deutschland und Oesterreich 18 Reichs-Mark, für'! Ausland 16 Reichs-Mark. Man adonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Purch den Buchhandel fN besiehe« bet E. F. Slrtuarbrr, Leipsig, Uoßpiatz 18. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Ran«. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streisdand pro Jahrgang für Deutschland uad Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr., für'! Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition fran« «tnPsiendM. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Ein jüdischer Antisemit. — Zur Lage der Juden in Rußland. — Zeitungsnachrichten und Ärrrespondenzen: Deutschland: Worms. Berlin. Karlsruhe. Aus Baden. Mühlhausen. — Oesterr. - Ungar. Monarchie: Aus Ungarn. — Holland: Amsterdam. — Afrika: Marokko. — Vermischtes. — Feuilleton: Sabbatai Zewi. Historische Erzählung von Ernst Schwarz (Fortsetzung). Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Dr. Dalmann über das Blutnrärchen. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen : Deutschland: Marburg. Rimbach. Berlin. Inhalt der Extra-Beilage r Spenden-Verzeichnisse. VerantworUiche Redaction: OSear Lehmann in Mainz.—Expedition deS „Israelit" u. „Jeschurun", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.

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