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Der Israelit · 1891-06-22 · Heft 49 (22.6.1891) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 49 (22.6.1891)
Date
1891-06-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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907 andere Handwerksleute, wie Buchbinder, Schuhmacher u. s. w. Alle klagten, daß sie auf jede Weise verhindert würden, ihr Brod zu verdienen, und daß ihnen überdies alle Vortheile vorenthalten würden. So z. B. bekommt jeder Russe, der seine Dienstjahre absolvirl hat, verschiedene Begünstigungen, .allein der Jude mag seine Dienstpflicht noch so gut erfüllt haben, die daran geknüpften Vortheile erhält er nicht. Die meisten der Vertriebenen sahen sehr dürftig aus und hatten nur so viel Geld bei sich, als für die Reise erforderlich ist; trotzdem waren sie guten Muthes und gingen entschlossen dem neuen Leben in der neuen Heimath entgegen. Afrika. Maroeeo. Dank dem Schutze der europäischen Gesandten, die ihre Länder in Tanger vertreten, hat sich die Zahl der an den Israeliten begangenen Attentate seit 2 Jahren verringert. Ein neuer Mord, dessen Opfer ein Israelit in der Nähe von Mogador geworden, lenkt in trauriger Weise die Aufmerksamkeit auf die geringe Sicherheit der Jsliten in diesem Lande. Am 13. April befand sich ein Jude aus Marocco, mit Namen Joseph Bensckri auf dem Souk Eltneim (Montagsmarkt) von Emin Tlif, in der Provinz Haha, 2 Tagereisen von Mogador. Zwei Araber riefen ihn an und brachten es dahin, daß er seinen Laden verließ. Aller Wahrscheinlichkeit nach haben sie. ihn ermordet, denn von diesem Augenblicke an hat man nichts mehr über ihn gehört. Infolge eines Briefes des Caid von Mogador an den Caid von Haha, Hamed Moubarcck, hat dieser bestätigt, daß der Sachverhalt richtig wäre. Er hat den Eltern dieses armen jungen Mannes, seinen Maulesel, seine Waare und eine Summe von 300 Frcs., die in seinem Laden gesunden worden, nach Mogador zurückgeschickt. Der Caid Hamed Moubarcck, welcher für das Verschwinden dieses Israeliten in seinem Bereich verantwortlich ist, versichert — ohne beweisen zu können — daß sein College, Si-Addi, Caid von Mikuaffa (auch in der Provinz Haha, welche 4 Caids besitzt, ohne Mogador aufzurechnen, welches sich gleichfalls in dieser Provinz befindet und seinen besonderen Caid hat) aus Haß und Rache durch seine Leute einen Israeliten in dem der Gerichtsbarkeit seines Nachbars unterworfenen Gebiete habe ermorden lassen, um des Vergnügens willen, daß der Sultan dann von diesem Geld erpresse, denn alle Verbrechen werden dort durch die Bezahlung eines mehr oder weniger unbedeutenden Schadenersatzes gesühnt. Merkwürdige Sitten, die einen armen unschuldigen Israeliten zum Opfer von Feindschaft ausersehen, die ihn nicht betreffen und denen er ganz fremd ist! Man lobtet einen Israeliten bet dem Nachbar, um diesem Unbill zuzufügen, um ihm zu schaden, da er wegen des Verbrechens zur Verantwortung gezogen wird, so wie man ihm ein Pferd tödten würde. Noch eine andere Thatsache wurde dem Central- Comito durch einen Brief von Mogador am 6. März mitgetheilt. Ich muß Sie leider von einer unerhörten Gewaltthat benachrichtigen, welche gegen 200 israelitische Familien, 2 Tagereisen von Mogador entfernt, begangen werden soll, wenn man sich nicht beeilt, dem Unglück zuvorzukommen. Vor 8 Tagen hat der Caid Aiäd Minbehi, der Gouverneur von Emin Tanout, in dem Distrikt Ait-Abdallah, uach seiner Rückkehr aus Marocco, wo er dem Sultan seine Huldigung dargebracht hatte, den zweihundert jüdischen Familien, welche Emin-Tanout seit 70 Jahren bewohnen, befohlen, diesen Ort innerhalb einiger Tagen zu verlassen; ungefähr 19 Soldaten Maroccos sind beauftragt, den Befehl des Caid auszuführen; es ist eine Ausweisung, wie sie in Rußland geschieht, und etwas bisher in Marocco vollständig Unbekanntes. Wo sollen die unglücklichen Familien mit Frau und Kindern hingehend In Emin Tanout haben sie ihre Häuser, ihre Anpflanzungen, ihre Geschäfte, kurz alle ihre Interessen. Wie sollen sie binnen einer Woche all dieses ausgeben? Das Unglück dieser Menschen ist unbeschreiblich. In einem Brief vom 10. April schreibt derselbe Correspondent, daß die Lage sich in Emin-Tanout verschlimmert habe, daß der Caid der Oertlichkeit anfange, die Häuser der armen Israeliten niederzureißen, die nun mit Frau und Kind in die Felder ziehen. Indessen wird dieser Vorfall von Emin-Tanout in einem Briefe von einem andern Correspondenten Maroccos in anderer Weise dargestellt; dieser berichtet folgendes: Infolge eines Befehles des Sultans schreitet der Caid Minbeki zu diesen Ausweisungen, deren Zweck, wie es scheint, keineswegs ist, den Israeliten zu schaden. Der Sultan fordert von den Arabern dieses Gebietes einen Rückstand an Steuern und auch die Rückzahlung von Sühngeldern, die der Sultan in letzter Zeit wegen verschiedener in dieser Gegend ermordeter Israeliten bezahlt hatte. Wie man behauptet, hat der Sultan einen bewaffneten Zug in die fragliche Gegend angekündigt. Grade in Anbetracht dieser Ausrüstung, und damit die Israeliten darunter nicht leiden sollen, hat der Sultan ihnen den Befehl ertheilen lassen, sich zu entfernen. Dies wäre also keine Verfolgung im eigentlichen Sinne des Wortes, aber es ist wahrscheinlich, daß diese armen Israeliten großen Schaden davon haben werden. (Alliancebericht.)

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