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Der Israelit · 1891-06-17 · Heft 48 (17.6.1891) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 48 (17.6.1891)
Date
1891-06-17
Page
– (sequence 19)
Language
German
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XXXII. Jahrgang. Zweite Beilage M 48 „Israelit Ieschurun" Zeituugsuachrichten uttb Correspond euzeu. Deutschland. Berlin. Nach einer Meldung der Münchener „Allg. Ztg." aus Bamberg äußerte der neue Erzbischof Dr. v. Schorf beim Empfang von Vertretern der israelitischen Gemeinde, er bedaure auf's Tiefste den Antisemitismus und werde ihm entgegentreten. Nußloch. (Baden) Am Sonntag, den 24. Mai wurde hier ein sehr schönes Fest gefeiert, nämlich das Jubiläum des 25jährigen Bestehens der Cigarrcnfabrik der Herren S. Simon und Eie. in Mannheim und zugleich die Einweihung ihres Fabrik-Neubaues. An diesem Feste nahmen außer den Herren Inhabern der Firma, das Büreau- und Werkführerpersonal, der hiesige Gemeinderath, die Geistlichkeit, der Landtagsabgeordnete des Bezirks, verschiedene eingeladenc Ehrengäste und ca. 300 Arbeiter theil. Kurz vor 11 Uhr bewegte sich der Zug vom Fabrikgebäude aus in die prachtvoll dekorirten Räume des Gasthofes zur „Sonne", wo um 11 Uhr mit einer Begrüßungsansprache des Herrn Sinton sen. die Feftfeier begann. Nach derselben wurden die Arbeiter, welche schon 25 Jahre in der Fabrik genannter Firma thätig waren, mit Diplomen! in schöner Widmung und je 50 Mk. in Gold neuester Prägung in einem Etuis seitens ihrer Herren be-! schenkt. Herr Verwalter Sauer hielt alsdann die Festrede und überreichte dieser am Schluffe das Geschenk der Arbeiter: die Photographien derselben in 5 Gruppen auf einem Gesammtbilde in prachtvoller Einrahmung. Die Gemeinde Nußloch wollte mit ihrem Danke gegen die Firma nicht Zurückbleiben und ließ den Herrn S. Simon und H. Willstätter durch Herrn Rathschreiber Leonhard die Urkunden, i laut welchen beide Herren als Ehrenbürger der Gemeinde Nußloch ausgenommen wurden, feierlichst überreichen, welcher schönen Aufgabe sich Herr L. mit einer trefflichen Rede, in welcher er die Verdienste der Firma um das Emporblühen und den Wohlstand unter der Arbeiterbevölkernng in hiesiger Gemeinde hervorhob, entledigte. Herr Willstätter dankte tief gerührt über die empfangene Ehre, die ihnen von allen Seiten entgegengebracht wurde. Ein Arbeiterjubilar sprach dann zum Schluffe den Herren Arbeitgebern namens der Arbeiter in kurzem Vortrage seinen Dank für die reichen Geschenke aus. Bei dem Banket, an welchem 250 Arbeiter theilnahmen, reihte sich ein Trinkspruch an den andern. Herr I. Willstätter toastirte auf den Großherzog, Herr Hauptlehrcr zuerst auf die Großherzogin, dabei herrschte ein wirklich herzlicher Verkehr zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, der auf die cingeladenen Gäste den wohlthuendsten Einduck machte. Herr Hauptlehrer Hurst verlas dann eine Depesche, welche an Se. Kgl. Hoheit abgeschickt wurde mit folgendem Wortlaut: „Der Gemetnderath in Nußloch, welcher heute die Inhaber des Firma S. Simon und Cie., die HerrenS. Simon und I. Willstätter in Mannheim, zu Ehrenbürgern ernannte, erlaubt sich in Gemeinschaft mit dieser Firma und 8O0Arbeitern, worunter zahlreiche ausgezeichnete Jubilare anläßlich der Feier des 25jährigen Bestehens ihrer hiesigen Eigarrenfabrik Ew. Kgl. Hoheit, unfern allerdurchlauchtigsten Landesfürsten, dem erhabenen Beschützer und Förderer des Handels und der Industrie, ehrfurchtsvoll seine tiefgefühlte Huldigung darzubringen. Ransch, Bürgermeister. Des anderen Tages traf folgendes huldvolle Telegramm ein. „An den Bürgemeister Ransch in Nußloch! Ihre Mittheilnngcn haben mich herzlich erfreut und ich nehme lebhaften Antheil an der . Jubelfeier, welche Sie in Anerkennung der Mir be-! zeichneten Firma und der daselbst zahlreich beschäf-! tigten Arbeiter begangen haben. Friedrich, Großherzog." Das ganze Dorf nahm an der Feier theil und wünscht der Firma ferneres Wachsthum, Blühen und Gedeihen. Griechenland. Athen, 7. Juni. Auf Korfu und Zante haben sich Ausschreitungen gegen die Juden nicht erneuert, aber die von dort aufgeflogenen Funken scheinen anderwärts zünden zu sollen. Zeitungen melden, daß vorvorgestern zwei erst seit Kurzem in Patras angesiedelte Israeliten — ein Wechsler und ein Agent — als sie harmlos durch die Straßen gingen, durch den Zuruf „Schlagt die zwei Juden todt!" in die Flucht gejagt wurden. Der eine floh, von einer johlenden Menge verfolgt, in eine Apotheke, deren Thüren hinter ihnen geschlossen wurden,- Gendarmerie befreite ihn von dort und brachte ihn nach Hause. Der Andere entkam auf fast wunderbare Weise allein. Beide haben Patras verlassen — und damit ist der Zweck, welcher dieser neuesten Abart des Antisemitismus zu Grunde zu liegen scheint, erreicht — man will sich unbequemer Konkurrenten entledigen.

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