Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 48 (17.6.1891)
- Date
- 1891-06-17
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2448122-2448166--32289-2480127- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
898 nothwendig, und die Darstellung unserer Heldenkämpfe müsse den platonischen Satz wahr machen: Muth macht Muth. Zur biographischen Behandlung empfehle er Noah, Abraham, Joseph, Moses, Josua, Samuel, David, Elia, Josaphat, Hiskia, Josia, Jesaja, Esra und Nehemia; ferner die Makkabäer, Johann Hyrkan, Hillel und Schamai, Jochanan den Sakai, Saadja, Maimonides, Raschi, Josef Karo, Manaße ben Israel, Juda Halevi, Moses Mendelsohn. Was die dritte Frage anbelange, so gebe es eine große Anzahl von Schriften, von denen aber nur ein Theil als geeignet erscheine. Er empfiehlt mehrere derselben. Der Redner schloß sein Referat mit dem Wunsche: „Daß es Allen ganz und voll gelingen möge, die Jugend für den Glauben an den einzigen Gott zu entflammen und für die hohe Mission Israels zu begeistern. Das walte Gott." Der Korreferent Dr. Rosenthal-Breslau dankt dem Referenten für seine Ausführungen glaubt jedoch, daß die Forderungen an den Lehrer, die der Referent als Antwort auf feine erste Frage gestellt habe, nicht allein für den Religionsunterricht, sondern für jeden Unterricht nothwendig seien. Er selbst glaube aber, daß die erste Frage zunächst so zu verstehen sei, ob man systematischen Religionsunterricht geben solle oder nicht. Unzweifelhaft könne Klarheit nur durch Systematik erreicht werden. Freilich leide der systematische Unterricht au einer gewissen Kälte; er sei nicht eindringlich genug und weise zu wenig auf das Praktische hin. Es müsse also beides verbunden werden. Man dürfe nicht systemlos zu Werke gehen, weßhalb der Religionsunterricht in Form gelegentlicher Anknüpfung an die Geschichte zu verwerfen sei. Aber man dürfe nicht nur Ideen geben, sondern man müsse auch an das Praktische anknüpsen. Dazu seien die eigentlichen niBD besonders geeignet. (Man vergleiche z. B. den dritten Theil des Llorsii nebnedim.) Die Antwort des Referenten auf die zweite Frage sei einerseits zu weit, andererseits zu eng, da in der nachbiblischen Geschichte einzelne Persönlichkeiten fehlen, um die sich die Zeitgeschichte gruppirt. Beispielsweise die Männer der großen Versammlung, Simon der Gerechte, an den der Kampf der Sadducäer und Pharisäer anzuknüpfen sei, Herodes als Mittelpunkt für die Römerkämpfe. Als Anknüpfungspunkt für die talmudische Zeit sei nicht R. Jochanan ben Sakkai sondern R. Akiba zu nennen. Einzelne Vertreter des jerusalemischen und babylonischen Talmuds seien zu erwähnen, und aus der späteren Zeit R. Gerson und R. Jakob Tamm. Immer seien solche Persönlichkeiten auszuwählen, die selbst ihrer Zeit ein Gepräge gaben, und an die eine Epoche leicht anzuknüpsen sei. — Eine Antwort aus die dritte Frage sei kaum möglich, weil die Individualität des Schülers und die Subjektivität des Lehrers zu sehr in Betracht kommen. Dr. Blumenthal-Ratibor will, ohne auf die prinzipiellen Fragen einzugehen, nur Einzelnes beisteuern. Der Religionsunterricht sei in der That meistens ein Stiefkind, aber man dürfe sich nicht entmuthigen lassen, dafür zu sorgen, daß er doch in den Schulen obligatovisch werde. (!?) Auch die Frage sei der Erörterung Werth, wie der Zwiespalt zwischen Schule und Haus gemildert werden könne, ob man unbekümmert hüben und drüben seinen Weg gehen, oder doch goldene Brücken schlagen solle. (?!) — Die höhere religiöse Idee sei in den Unterstufen noch nicht zu berühren. Der Referent habe nicht das Mittel angegeben, wie der Unterricht interessant zu machen sei. Das Mittel, das in der jüngsten Nummer der „Allgemeinen Zeitung des Judenthums" in einem Aufsatze angegeben sei, nämlich die Anknüpfung an die deutsche Geschichte, sei ein durchaus verfehltes. Viel bester lasse sich an die Dichter und literarischen Strömungen anknüpfen. Ueberall weise man darauf hin, wie diese Gegenstände extra muro« besprochen werden! Das Wort Bornes gelte: Man dürfe das Judenthum nicht von der allgemeinen Weltgeschichte trennen. Es solle nicht eine Insel sein, die man besonders besuchen müsse. Diese moderne Würze mache den Unterricht interessant, es sei gleichsam alter Wein in neuen Schläuchen. Die nachbyblische. Geschichte sei nicht mit Mendelsohn abzuschließeu. Gerade in unserer Zeit sollen Beispiele wie des Montefiore weiter einwirken. Für den nachbiblischen Geschichtsunterricht sei besonders das Lehrbuch von Levin zu empfehlen, für den Gebrauch des Lehrers auch das von Dr. Löwy. Ein gutes Religionsbuch im Anschluß an die 10 Gebote sei das von Schwarz. In den sich anschließenden Debatten, an denen verschiedene Herren mehrfach theilnahmen, wurde besonders die Art der Behandlung des speziellen Religionsunterrichts erörtert. Als besonders störend wurde wiederholt der Mangel geeigneter Lehrbücher bezeichnet. Im Schlußwort hebt der Korreferent Dr. Rosenthal-Breslau hervor, daß in den Unterstufen nicht systematischer Unterricht zu betreiben, sondern das Hauptgewicht auf die Kenntniß der Bibel zu legen sei. Er empfiehlt hierfür als besonders geeignet die Badt'sche Kinderbibel. Auf der höheren Stufe wünscht er jedoch systematischen Unterricht im Anschluß an ein geeignetes Religionsbuch. Um 11 Uhr wird die Versammlung vom Vorsitzenden geschlossen. Die zweite Versammlung, die Montag um 11 Uhr eröffnet wurde, war hauptsächlich der Besprechung der Vereinsangelegenheiten gewidmet. Der Vorsitzende theilt u. A. mit, daß die Zahl der Mitglieder gegenwärtig 102 beträgt. Verstorben sind während des Jahres 3 Mitglieder, unter ihnen Rabbiner Dr. Joel-Breslau. Der Vorsitzende gedenkt mit warmen Worten der Verdienste, die sich der selige Dr. Joel auch um den Lehrerverein erworben hatte. Er bittet die Versammlung, welche stehend die Worte des Vorsitzenden anhörte, das segensreiche Beispiel und Andenken des Verstorbenen stets vor Augen und in Ehren zu halten. Der Schriftführer Dr. Freudenthal-Breslau verliest alsdann die Antwort des Herrn Dr. Kristeller auf die vom Vereine im Vorjahre abgeschickte Glückwunsch-Depesche, giedt Bericht über den Erfolg der in der letzten Generalversamlung gefaßten Resolution und bringt die von den verschiedensten Seiten eingegangenen Zustimmungsschreiben zu derselben zur Kenntniß der Versammlung. Auf Antrag der Kafseiirevisions-Kommissiou wurde dem Schrift- und Kassenführer Dr. Freudenthal-Breslau für das abgelausene Verwaltungsjahr Decharge ertheilt. Auf Antrag des Dr. Braun-Pleß wird der bisherige Vorstand, bestehend aus den Herrn Dr. Samuelsohn, Dr. Badt und Dr. Freudenthal in Breslau, Blumenfeld-Schweidnitz, Dr. Cohn-Kattowitz, Herbst-Lissa, Dr. Mattersdorf- Gleiwitz, durch Akklamation wieder gewählt. Dr. Kohn-Kattowitz bittet die Versammelten, in ihren Heimathgemeinden die Ziele des in Breslau bestehenden Stellen- Nachweis-Vereins jüdischer Kaufleute zu unterstützen. Der Vorstand dieses Vereins hatte eine Anzahl seiner Statuten und Berichte den Theilnehmern der Lehrer-Versammlung überreicht. Lebhafte Debatten entstanden bei der Diskutirung der treuen Statuten. Es wird von seiten der Versammlung der Commission der wärmste Dank für ihre Mühewaltung ausgesprochen. Infolge der vorgerückten Zeit konnte das auf der Tagesordnung stehende Referat des Herrn Dr. Braun-Pleß, betr. das Uebersetzen aus dem Hebräischen und die neuesten Hilfsmittel hierzu, nicht mehr ganz erledigt werden. Dr. Braun-Pleß verlas seine Thesen und erklärte, dieselben für die nächste Versammlung drucken lassen zu wollen, um eine eingehende Besprechung derselben zu ermöglichen.