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Der Israelit · 1891-06-17 · Heft 48 (17.6.1891) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 48 (17.6.1891)
Date
1891-06-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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XXXIL Jahrgang. Erste Srilage >« M 48 des „Israelit«- Ieschurun" Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 11. Juni. Achtzehn russische Juden, welche an der Auswanderung wegen ihres Körperzustandes nicht theilnehmen können, da sie jenseits zurückgewieseu werden würden, befinden sich im städtischen Obdach zu Charlottenburg. Obgleich dieselben sich heftig sträuben, in ihre Heimath zurückzukehren, so sollen doch (wie wir in der charlottenburger „Gem. Ztg." lesen) diejenigen von ihnen, welche mit Ausweispapieren versehen sind', nach Alexandrowo gebrächt werden. Die übrigen müssen so lange hier bleiben, bis der Minister des Innern, dessen Entscheidung angerufen werden soll, eine Verfügung getroffen haben wird. Berlin, 13. Juni. Der Oberpräsident von Posen hat, wie berichtet wird, eine Kollekte zum Besten der russischen Juden nicht genehmigt. Berlin. In der „Krenz-Ztg." muß Exhofpredtger Stöcker folgende Abbitte veröffentlichen: „Ich bedauere aufrichtig, daß durch meine in der Abeudversammlung der Pastoralkonferenz am 27. v. M. über Herrn Oberstlieutenant a. D. v. Egidy gethanen Acußerungen das Mißvcrständniß hervorgerufen werden könnte, als sei die Ausschließung desselben von der Armee erfolgt, und nehme sie zurück. Hofprediger a. D. Stöcker." Frankfurt a. M. Die „Kleine Presse" schreibt: Die fortdauernden Christenverfolgungen in China haben endlich eine diplomatische Intervention Frankreichs und der Vereinigten Staaten zur Folge gehabt. Die Judenverfolgungen in Rußland dauern fort; von einer diplomatischen Intervention in Petersburg hört man nichts. Aus Odessa wird gemeldet, daß die Judenauswanderung zunimmt; die Grundstückspreise sinken in Folge dessen sehr bedeutend. Aus Kischinew und anderen von Juden stark bewohnten Gegenden Bessarabiens wandern viele freiwillig aus. Köln, 11. Juni. Wir erhalten folgende Zuschrift: In einigen jüdischen Zeitungen wurde in Vorschlag gebracht, die Korfuer Esrogim mit dem Interdikt zu belegen und vom rituellen Gebrauche auszuschließen, um den judenfeindlichen Insulanern den von ihnen erzielten sehr bedeutenden Gewinn zu entziehen. Gegen diesen Vorschlag erheben sich sehr wichtige Bedenken. Der Haß der korfiotischen Griechen und die Gefahren, von welchen die jüdische Bevölkerung ohnehin bedroht ist, könnten durch eine solche Maßregel leicht ins Maßlose gesteigert werden. — Ferner war zu ermitteln, ob die jüdische Bevölkerung an dem aus dem Esrogim-Geschäfte erzielten Gewinn betheiligt ist, und in diesem Falle wäre der Zeitpunkt schlecht gewählt, die ohnehin hart Bedrängten und Nothleidenden durch Entziehung des Gewinnantheiles zu benachtheiligen. Die Antwort des Oberrabbiners von Korfu, des Herrn Alessandro da Fano, dessen Meinungsäußerung über den in Rede stehenden Vorschlag ich mir erbeten habe, lautet entschieden abmahnend. — Derselbe berichtet, daß nach altem Recht und Herkommen die jüdische Gemeinde von den zur Versendung kommenden Esrogim der griechischen Inseln eine Abgabe erhebt, welche den armen Juden zu gute kommt und in diesem Jahre zur Unterstützung armer und kranker Auswanderer verwendet werden soll. — Man solle daher darauf achten, ob die Außenseite der Kisten, in welchen die Esrogim versendet werden, als Zeichen, daß die Abgabe wirklich entrichtet worden ist, mit dem Stempel der jüdischen Gemeinde zu Korfu versehen sind, und die Annahme der nichtgestempelten Sendungen verweigern. — Die jüdischen Zeitungen in Deutschland, Rußland und Oesterreich und insbesondere die in Triest läßt derselbe bitten, ihre Leser darauf hinzuweisen, daß nur von den mit dem Stempel der jüdischen Gemeinde versehenen Sendungen die althergebrachte Abgabe entrichtet worden ist. — Herr Oberrabbiner da Fano schließt mit den Worten: liTiN nyni inj/a nheainan rrem rvn» nn Ich glaube, diese Aeußerung der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten zu sollen. Rabbiner Dr. Plato. Hamburg, 10. Juni. In einer heute hier stattgehabten Versammlung zur Berathung von Maßregeln zur Unterstützung der aus Rußland ausgewiesenen Juden wurde eine Subskriptionsliste zu Gunsten der Ausgewiesenen aufgelegt, welche, wie der „Hamburgische Korrespondent" meldet, Zeichnungen im Betrage von 65,000 Mark ergab. In der Versammlung wurde ein Delegirter zu der von Baron Hirsch nach Berlin einberusenen allgemeinen Konferenz gewählt. Oesterr.-Ungar. Monarchie. »Wien, 8. Juni. Gestern fand in Mandl's Weinschank in Hernals eine sehr zahlreich besuchte Versammlung der Drechslergehilfen statt, in welcher es zwischen den Gehilfen und den anwesenden Vertretern der Meister zu einer Auseinandersetzung über den Antisemitismus kam.

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