Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 48 (17.6.1891)
- Date
- 1891-06-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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884 „Leider! — leider! —" „Wegen meiner leider!" fuhr er ärgerlich fort, „obgleich ich noch immer nicht einsehe — nirgends steht geschrieben, daß der Messias sogleich von der ganzen Welt anerkannt werden muß." „Meine Zeit ist noch nicht gekommen," sagte Sabbatai in dem ihm bereits zur Gewohnheit gewordenen salbungsvollen Ton, „aber sie wird kommen — und dann werden alle Diejenigen, die an mir gezweifelt haben, reuig auf Die Brust sich schlagen." Sie betrachtete ihn kopfschüttelnd. Er war eine hoheitsvolle, auffallend schöne Erscheinung, keiner seiner Brüder kam ihm gleich und keiner seiner Genossen, aus seinen funkelnden Augen, aus seinen klassisch schönen Zügen schien Geisteshoheit zu sprechen und Seelenadel. — Und trotzdem! — trotzdem! „Willst Du uns betrügen oder betrügst Du Dich selbst?" fragte sie schmerzlich seufzend. „Mirjam, mein Kind, jetzt genug!" sagte ihr Gatte barsch, „willst Du uns hier nicht in Ruhe lassen, so müssen wir anderwärts hingehen." Sie erwiederte nichts, aber sie seufzte schwer und verließ gesenkten Hauptes das Zimmer. „Gut ist's, daß sie gegangen ist", sagte Mordochai Zewi, die Thür hinter ihr fester ins Schloß drückend. „Aber Sabbatai, mein Sohn, was denkst Du? — sprich', was meinst Du, das zu geschehen hat?" Der junge Mann blickte scheu um sich. „Ich muß entfliehen", flüsterte er. Sein Vater neigte zustimmend das Haupt. „Der Ansicht bin ich auch. — Aber wohin?" Sabbatai zuckte die Achseln. Mordochai jedoch schritt sinnend auf und nieder. Nach einer Weile blieb er vor seinem Sohne stehen, „ich hab's", sagte er. „Was hast Du?" fragte der Sohn hastig. „Setze Dich zu mir und ich werde Dir sagen, was Du zu thun hast." Beide ließen sich auf einer Bank nieder und Mordochai sprach in halblbaut geflüstertem Ton: „Du mußt entfliehen, das steht fest. — Und hier im Hafen liegt ein Kauffahrteischiff, mit dessen Kapitain ich befreundet bin. Morgen, vor Tagesanbruch, wird es die Anker lichten und seinen Lauf gegen die Reichshauptstadt nehmen, gegen Eonftantinopel hin. Noch vor Abend spreche ich den Capitain und werde alles mit ihm bereden. Gleich nach Mitternacht bringe ich selbst Dich an Bord. — Du wirst nichts mitnehmen, keine Kleider und gar nichts. Nur Geld werde ich Dir mitgeben, viel Geld, dann hast Du alles." Sabbatai drückte gerührt die Hände seines Vaters. „Wie soll ich Dir danken?" Mordochai blickte ihn zärtlich an. „Du sollst klug sein, mein Sohn, Du sollst vorsichtig sein, dadurch sollst Du mir danken. — Wohl hege ich die feste Zuversicht, daß der Herr seinen Gesalbten nicht verlassen wird — aber Du hast es ja selbst gesagt, mein Sohn Sabbatai, daß Deine Zeit noch nicht gekommen ist — und, in Wirklichkeit, Du bist noch zu jung. — Darum schone Dich, schone Deine Kräfte, schone Dein theures Leben." Sabbatai versprach alles, was der Vater wünschte. Dieser gebot ihm die strengste Verschwiegenheit gegen Jedermann; nicht einmal seine Brüder und nicht einmal seine Mutter sollten sein Vorhaben ahnen. Dann begab sich Mordochai hinaus zum Meeresstrand in eine Taverne, wo er den Schiffskapitain zu treffen hoffte. (Fortsetzung folgt.) „Israelit" und „Jeschurun" erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstag-, jedermal in mindesten- 2 Sogen. Brett deS Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, Ausland 1- Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel }U beziehen bet E. F. Kleiunckrr« Leipzig, Uoßpiatz 16. — Inserate 25 Pfennige die dreigefpaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franko etaptfettfcH. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Sprüche der Väter. (Fortges. von Llcpm. Ph. Prins, Frankfurt a. M.) — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz. Berlin. Hamburg. Wreschen. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Pesth. — England: London. — Rußland: Petersburg. — Dänemark: Kopenhagen. — Vermischtes. — Feuilleton. Sabbatai Zewi. Historische Erzählung von Ernst Schwarz (Fortsetzung). Inhalt der ersten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mainz Berlin. Frankfurt a. M. Köln. Hamburg.— Oesterr.-Ungar. Monarchie: Wien. — Rußland. — Türkei: Eonstautinopel. —Australien: Sydney. — Vermischtes. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin, Nußloch. — Griechenland : Athen. Korfu. — Vermischtes. Inhalt d. „Blätter f. d. isr. Schule": Verein der isr. Lehrer in Schlesien und Posen. — 36. Jahres-Versammlung der isr. Lehrer von Rheinland-Westfalen in Münster am 17. und 18. Mai 1891. — Briefkasten. Inhalt der Extra-Beilage: Speuden-Verzeichnisse. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz.—Expedition des „Israelit" u. „Jeschnrnn", Schottstr. Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Aetien-Gesellschaft in Mainz. Hierzu vier Beilage«.