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Der Israelit · 1891-06-17 · Heft 48 (17.6.1891) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 48 (17.6.1891)
Date
1891-06-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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883 Görlitz, 10. Juni. Das Reichsgericht kassirte das Urtheil der hiesigen Strafkammer, welches den Major Mitzlaff und den Lieutenant Lorens wegen Beleidigung der Görlitzer jüdischen Kaufmannschaft durch Vertheilung von Hetzflugblättern verurtheilt hatte. Am 3. Juni ist in Pforzheim der Grundstein zu einer neuen Synagoge gelegt worden. Das Gebäude, welches zugleich die Religionsschule und die Wohnung für den Kantor enthalten soll, verspricht eine Zierde für die Stadt wie für die israelitische Gemeinde zu werden. Nach einer Warschauer Meldung hat sich die persische Regierung bereit erklärt, den aus Rußland ausgewiesenen Juden einzelne Gebietstheile in Persien zur Ansiedlung zu überlaßen. Die Unterhandlungen dürften auf Anordnung des Schah bald zum Abschlüsse gelangen. Petersburg, 10. Juni. Der „N. Fr. Pr/ meldet man: Die vom Minister des Innern beantragte Reform der städtischen Selbstverwaltung setzt die Zahl der nichtchristlichen Gemeinderäthe von einem Drittel auf ein Fünftel herab. Viele Gouvernements-Chefs, darunter auch der Odefsaer Stadthauptmann und die General-Gouverneure von Wilna uud Kiew, sprachen sich für einen gänzlichen Ausschluß der Juden aus der städtischen Selbstverwaltung aus. Wie verlautet, projektirt der Minister für kleine Städte mit überwiegender oder fast ausschließlich jüdischer Bevölkerung die möglichste Beschränkung der Zahl der Gemeinderäthe, damit die Heranziehung der Juden umgangen werden könne. Unter solchen Umständen ist es selbstverständlich, daß die Reform die Juden von der Bekleidung irgend welcher Gemeindeverwaltungs-Posten ausschließt. abbcrtai Aewi. H i st o r i s ch e Erzählung Trust Schwarz. (Fortsetzung.) In diesem Augenblick öffnete ihr Gatte die Thüre; er hatte die schluchzende Stimme seiner Frau vernommen und forschte erschreckt nach der Veranlassung ihrer Thränen. „Der Bann ist über Sabbatai verhängt," erwiederte seine Frau händeringend, „ihm droht der Tod, wenn er seine Lehrthätigkcit nicht vollständig ausgibt." Der starke, vollblütige Mann erblaßte und mußte sich gegen einen Pfeiler lehnen, dann sank er wie erschöpft auf eine Bank. „Der Herr wird seinen Gesalbten schützen", flüsterte er mkk bebenden Lippen. „Gott schützt nicht den, der seinen Namen frevelnd nennt", rief seine Frau, noch immer schluchzend. „Frau," zürnte Mordochai, „Du wirst mit Deinem unglückseligen Zweifel noch unfern Muth und unsere Thatkraft lähmen." „Und ein blinder Glauben an seine Heiligkeit wird ihm nur Verderben bringen." Er schüttelte abwehrend den Kopf. „Auch der Nazarener ist im Anfänge verkannt worden", murmelte Sabbatai. „Was sagst Du?" schrie sie auf. „Laß'! Laß'!" beschwichtigte Mordochai, „es ist jetzt nicht an der Zeit, über derartiges zu streiten. — Jetzt heißt es erwägen, was zu thun ist — denn, wenn ich auch mit Zuversicht hoffe, daß Gott seinen Gesalbten schützen wird, so bin ich doch nicht gewillt, müßig die Hände in den Schoob zu legen, um abzuwarten, was die fanatischen Rabbinen zu thun gedenken." „So denke auch ich", stimmte Sabbatai bei, während die Farbe in seine Wangen zurückkehrte, als er den Vater so zuversichtlich reden hörte. „Aber was thund" fragte Mordochai, indem er nicht ohne Anstrengung aufstand, dann aber, wie dieses seine Gewohnheit war, mit den übereinandergekreuztcn Händen auf dem Rücken, sinnend auf und niederwandelte. Die Thränen seiner Frau waren allmählich versiegt. „Was ist da zu überlegen?" fragte sie, „Sabbatai wird, wie die Rabbinen es mit Recht verlangen, seine Lehrthätigkcit einstellen, so hat er nichts zu befürchten. Und was den Bann betrifft, wenn er den begangenen Frevel bereut, sich fortan ruhig verhält und keinen weiteren Anfloß gibt, so werden die frommen Rabbinen ihn sicher bald wieder aufheben." Der junge Mann zog die Stirn in Falten und wandte fragend den Blick auf seinen Vater. „Kleinmüthige," wandte sich dieser heftig gegen seine Frau, „bei dem ersten Hinderniß sollte er wie ein Feigling zu Kreuze kriechend — Das könntest Du Deinem hehren Sohne zumuthen wollend" „Nimmermehr!" rief Sabbatai erglühend. Seine Mutter aber seufzte schwer. „Du weigerst Dich, das Einzige zu thun, was Du thun mußt — das Einzige, zu dem Du verpflichtet bist. — Denn wenn Du Deinen Frevel nicht bereust, wenn Du vielmehr — wie es den Anschein hat — gewillt bist, ihn fortzusetzen, so bist Du verloren, selbst wenn Du dem strafenden Gericht der Rabbinen entgehst." „Unglücksverkünderin! hör' doch einmal auf," rief Mordochai heftig, „Du weißt das hohe Glück, das Dir geworden ist, Mutter des Messias zu sein, nicht zu würdigen." „Ein Glück!" rief sie händeringend, „ein Glück! — Mutter eines Gotteslästerers zu sein!" Mordochai fuhr sich mit der Hand über die Stirn, er rang sichtlich nach Mäßigung. „Mirjam, mein Kind, ich bitte Dich, lasse das jetzt. — Ob nun Messias oder nicht, er ist und bleibt ja doch Dein Sohn, über den der Bann verhängt ist und der mit dem Tode bedroht ist."

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