Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 48 (17.6.1891)
- Date
- 1891-06-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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882 Werk sich allerhöchster Gunft erfreut, haben Ew. Hochwohlgeboren schon daraus erkennen mögen, daß Seine Majestät die Widmung desselben zu genehmigen beliebten. Indem ich Ew. Hochwohlgeboren nochmals der besonders wohlwollenden Gesinnungen Seiner Majestät versichere unterzeichne ich Mit vorzüglicher Hochachtung, Sr. Hochwohlgeboren (Gez.) Basset. Herrn Dr. M. Ga st er rc. rc. Dr. Gaster hat seine Chrestomatie vor zehn Jahre begonnen und vor Kurzem vollendet; den ersten Abdruck sandte er dem König. London, 13. Juni. Telegramme aus Rußland erklären die Gerüchte von Massenauswanderungen nach England für grundlos. Rußland. Petersburg, 13. Juni. Das „Journal de St. Petersburg" theilt mit, daß der wegen der jüdischen Emigration von Baron Hirsch hierher gesandte Arnold White wieder abgereist sei. Das Blatt fügt hinzu, White habe bei den oberen Verwaltungsbehörden eine ebenso günstige als wohlwollende Aufnahme gefunden. Die russische Regierung würde es mit Befriedigung begrüßen, wenn die Mission White's Erfolg hätte. Moskau, 11. Juni. Moskauer christliche Handelshäuser erleiden durch die „Judenausweisungen" große Verluste. Einzelne derselben beklagen Ausfälle von weit über 100,000 Rubeln. Dänemark. Kopenhagen, 24. Mai. Zu Ehren des heute stattgehabten 90. Geburtstages unseres Oberrabbiners Herrn Dr. Wolfs fand in der Synagoge ein Festgottesdienst statt. Viele Deputationen erschienen zur Gratulation, so die Direction der Religionsschuie mit Herrn Rabbiner D. Simon s en an der Spitze, der Vorstand der Gemeinde und Vorstände der verschiedenen Wohlthätigkeitsanstalten; ein Damencomite überreichte ein sinniges Geschenk. Auch von Deutschland, Schweden, Norwegen und England kamen viele Beglückwünschungstelegramme; besonders hervorheben will ich das des Staatsministeriums von Hessen-Darmstadt, wo Herr Dr. Wolfs geboren, und das von der philosophischen Fakultät in Gießen, wo Profeffor Wolfs am 6. August 1821 den Doktorgrad erworben. Die Freude und Theilnahme an dieser so seltenen Feier war eine allgemeine. Möge es Herrn Dr. W. noch viele, viele Jahre vergönnt sein, in vollständiger Rüstigkeit seinen Geburtstag zu feiern. Vermischtes. Berlin, 12. Juni. Dem frommen „Reichsbolen" ist neues Leid widerfahren; die Universität Königsberg hat sich, wie das Blatt schreibt, zum ersten mal seit ihrem dreiundeinhalbhundertjährigen Bestehen einen Juden zum Rektor erkoren, den Professor Dr. Ludimar Hermann. Berlin, 16. Juni. Aus der Reihe der Sinnsprüche für die Tombola des morgen in den Räumen der Philharmonie zum Besten der aus Rußland vertriebenen Juden stattfindenden Concertes und Sommerfester seien noch die folgenden ausgewählt: „Mene mene tekel upharsin.“ (Prof. E. v. Bergmann.) „Wer wissenschaftliche Versuche am eigenen Leibe anstellt, lernt manchmal mehr, als ihm Lieb ist." (Prof. Reuleaux.) Die moderne Sphinx. „Du kannst Dich durch Ochsen Zur Weisheit erschwingen Und kannst Dir durch Boxen Auch Stärke erringen: Der Schädel wird weit Und der Schenkel wird prall, Doch der Busen, der Busen! Der Busen — bleibt schal." Rudolf Falb scheint als er dies niederschrieb, keinen „kritischen Tag" gehabt zu haben. Was eilt. „Thorheit der Hast! Gönn' dir die Zeit zu ruh'n, Gönn' dir die Zeit, zu weinen und zu lachen. Nichts eilt auf dieser Welt, als recht zu thun Und feuchte Augen wieder lächeln machen." (Julius Lohmeyer. „Ob Jude oder Christ — Die Wahrheit liegt inmitten. Der beste Mensch stets ist Erkennbar an seinen Sitten." (Max Kretzer). An die Auswanderer. „Nur fort aus Rußland, denn fürwahr Kein Land der Welt ist fürchterlicher. Bedenkt doch, selbst der gute Zar Ist dort nicht seines Lebens sicher." (Julius Stettenheim.) „Denke, wie hienieden Alles Sich auch wandelt ohne Ruh: Deines Sieges, Deines Falles Tiefstes Element bist — Du." (Karl Frenzel.) „Wer Gewalt übt, wird durch Gewalt umkommen." (Heinrich v. Sybel.) „Das Leben, das diesen Namen verdient, fängt da an, wo die Selbstsucht aufhört, d. h. wo entweder die opferwillige Liebe oder die Arbeit um Gotteswillen beginnt. (Eduard von Hartmann.) „Trage Gott mit Freuden, die Welt mit Geduld." (Theodor Fortane.) Möge Niemand in Deutschland vergessen, daß die Judenverfolgungen in Rußland und Korfu die jüngsten und wahrscheinlich nicht die letzten Ausläufer der Bewegung sind, welche der Antisemitismus in Deutschland inscenirt hat. (Rudolph Virchow.) Berlin. In der Synagoge Adath Jeschurnn, Jerusalemer Str. 66., wurde am Donnerstag den 11. dss. Mts. eine neue Thorarolle, welche zum Andenken an seine verstorbenen Eltern der Bankier Herr Marx Arend auf seine Kosten hat schreiben lassen, in feierlichem Umzug der heiligen Lade zugesührt.