Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1891-06-17 · Heft 48 (17.6.1891) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 48 (17.6.1891)
Date
1891-06-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2446951-2448122-2448166--32276-2480114
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

881 Rechtsanwalt Breslauer-Berlin und Dr. Goldzieher- Budapest. Wie verlautet, werden die Beschlüsse der Conferenz demnächst offiziell bekannt gegeben werden. Die Versammlung hat, wie wir hören, beschlossen, nur solche Personen, welche zur Auswanderung gedrängt und hilfsbedürftig sind, zu unterstützen. Hamburg, 15. Juui. Behufs Berathung über Maßnahmen für ausgewanderte russische Juden trafen hier Baron Alphons Rothschild und Baron Hirsch ein. Speziell debattirt wurde über den Ort, nach dem der Auswandererstrom zu leiten sei. Ein Beschluß wurde jedoch nicht gefaßt. Beide Herren reisten nach Berlin ab, behufs weiterer Berathung mit dem dortigen Central - Count«. Der Polizeichef Dr. Lappenberg sagt dem Comit« die lebhafteste Unterstützung der Behörde zu. Wreschen, 14. Juni. Aus Anregung des Gemeindevorstehers Herrn Robert Sieburth haben mehrere Mitglieder der hiesigen Synagogen- Gemeinde sich verpflichtet, vorläufig auf 6 Monate, regelmäßige Beiträge für die armen verfolgten russischen Glaubensgenossen zu zahlen. Dabei ist die rege Thätigkeit des Gcmeindcrabbrncrs, Herrn Dr. Cohn hervorzuheben, denn durch sein Bemühen gelang cs, die bisherigen Zeichnungen ans monatlich 100 M. zu bringen. H. Wolfs. (Ein Gleiches wird uns aus Marburg, Hessen, berichtet, wo es der opferfreudigen Thätigkeit des Herrn Provinzialrabbincrs Dr. Munk gelungen, die Mitglieder seiner Gemeinde für die Dauer von 6 Monaten zu Beiträgen von allmonatlich M. 1000 zu verpflichten. Red.) O e st e r r. - U n g a r. Monarchie. Pefth. Der Bischof der reformirteu Kirche Helvetischer Confession von Komorn, Gabriel Pap, hat. wie uns aus Budapest gemeldet wird, an die Bevölkerung dieser Stadt einen Aufruf zur Veranstaltung von Sammlungen für die aus Rußland vertriebenen Inden erlassen, welcher nach Ton und Inhalt großes Aufsehen erregt. Der Bischof schreibt unter Anderm: „Die jüdische sowie die christliche Religion lehren, daß wir Kinder Eines Vaters, die Kinder und Geschöpfe Gottes und mithin Brüder, Gleiche sind. Brüder sind aber einander Liebe schuldig, und wer da haßt, statt zu lieben, wer das Verderben desjenigen anstrebt, dem er brüderliche Liebe schuldet, der drückt der eigenen Stirn das schmachvolle Kainszeichen aus, der kann kein guter Jude, kein guter Christ sein, denn er tritt die Hauptlehren und Gebote beider auf göttlicher Offenbarung beruhenden Religionen mit Füßen. Diese Lehren und Gebote treten Jene mit Füßen, die in unserer Zeit, welche das Jahrhundert der Aufklärung genannt wird, die Judenverfolgungen in Rußland inscenirt, ins Werk gesetzt haben und mit wilder Atrocität, die ihre menschliche Verworfenheit beweist, die Verfolgung der Juden fortsetzen. Es ist, als wären die finsteren Geister des Mittelalters aus dem Grabe emporgeftiegen, in dem wir sie für immer begraben wähnten. Hunderttausende werden lediglich deßhalb verfolgt, weil sie zu dem Einen Gott, dem gemeinsamen Vater nicht in einem und demselben Gotteshause beten, dem Gotte, der nicht auf den Ritus achtet, sondern auf das Herz und die Seele, der die edlen Gefühle und die Bereitwilligkeit, Gutes zu thun, belohnt, und der es nicht den sterblichen Menschen anheimgegeben, sondern es sich Vorbehalten hat, über die Empfindungen der Herzen und die Gedanken der Seele zu richten. Das menschliche Gefühl bäumt sich auf ibeim Lesen jener Qualen und grausamen Verfolgungen, welche die Juden Rußlands ihres Glaubens wegen erdulden müssen. Als Mensch denke ich schmerzerfüllten Herzens an das Elend, in welches.die russischen Juden durch die herzlose Grausamkeit ihrer Brüder, ihrer eigenen Landsleute gestürzt wurden; als Christ fühle ich die Schamröthe bei dem Gedanken ins Antlitz steigen, daß Leute, die sich Christen nennen, ein so unmenschliches, gegen das die Liebe gebietende Grundgesetz des Christenthums verstoßendes Verfahren gegen die Bekenner jener Religion befolgen, in deren Schooß die Wiege des Chriftenthums stand, und welche auch wir, als auf Gottes Offenbarung beruhend, anerkennen müssen." Der Bischof ladet dann in seinem Schreiben die Bürger der Stadt ein, für die ohne ihre Verschulden heimathlosen russischen Juden Gelder zu sammeln. England. London. Rev. Dr. Ga st er erhielt vom König von Rumänien nachstehendes schmeichelhaftes in deutscher Sprache geschriebenes Schreiben: Cassa. M. S. Regelui. Bukarest, den 18/30. Mai 1891. Ew. Hochwohlgeboren habe ich die Ehre mitzutheilen, daß Seine Majestät der König, mein allergnädigfter Herr, die von Ihnen dargebrachten Glückwünsche zum 25jährigen Regierungsjubiläum huidvollst entgegengenommen und mich zu beauftragen geruht haben, Ihnen für Ihr in so herzlichen Worten abgefaßtcs Schreiben bestens zu danken. Mit großer Befriedigung haben Seine Majestät Ihre Chrestomatie romana, ein neuer Beitrag Ihres talentvollen Wirkens, in Empfang genommen und lassen Ihnen für diese ausgezeichnete literarische Arbeit, welche sowohl Rumänien als dem Verfasser zur Ehre gereicht, aufrichtigst gratuliren. Daß Ihr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.