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Der Israelit · 1891-06-17 · Heft 48 (17.6.1891) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 48 (17.6.1891)
Date
1891-06-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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880 „Der Allmächtige wird Dir dann dies Alles zum Lohne anrechnen . . . durch seine Hilfe . . — * Aus Athen wird uns dann geschrieben: Nach Berichten aus Korfu treffen die dortigen Bewohner darunter natürlich auch die Juden schon große Vorbereitungen zu einem würdigen Empfange des Königs Georgios, der auf seiner demnächst zu erfolgenden Reise nach Aix-Les-Bains, Wiesbaden und Kopenhagen auch diese Stadt mit seinem Besuche beehren und daselbst einen mehrtägigen Aufenthalt nehmen wird. Mit dem Könige sollen zugleich auch der Ministerpräsident Delyannis und der Justizminister in Korfu eintreffen. Während nun Letzterer mit dem Vorgehen seiner Beamten in dieser Stadt vollkommen zufrieden sein wird, denn der Staatsanwalt Bensi leitet unerschrocken die Untersuchung gegen alle Jene, die, theils aus blindem Fanatismus, theils aus purem Geschäftsneide, die Massen gegen die Juden aufgehetzt haben, wird Ersterer hingegen sich wieder überzeugen können, wie saumselig seine Beamten, zumal der Dimarch (Präfekt) und der Polizeidircctor bei der Unterdrückung der Revolte vorgingen uud diese nicht genug zu rügende Saumseligkeit hat den Pöbel auch bethört und ihn in dem Wahne bestärkt, daß auch die Negierung an das Märchen vom rituellen Morde glaube und könne man daher ungestraft über diese jüdischen Menschenfresser herfallcn und sie Niederschlagen. Nun den Herrn Dimarch hat die Strafe schon ereilt, denn er wurde schnöbe entlassen und mit ihm zugleich wurde auch der Polizeidirektor verabschiedet. Nun wäre es sehr erwünscht, wenn auch der Bürgermeister von Korfu, Herr Theodaki, der leider keine rühmliche Rolle bei den verschiedenen Ausschreitungen dort gespielt hat, eine gehörige Lection erhielte. Leider kann die Regierung gegen dieses Stadtoberhaupt nicht einschreiten, da die Municipien Griechenlands ihre Oberhäupter selbst wählen und können dieselben auch nicht von Amtswegen entlassen werden. Man darf jedoch hoffen, daß sowohl unser gütiger Monarch, wie auch unser höchst toleranter Ministerpräsident bei ihrer Anwesenheit in Korfu Herrn Theodaki seinen Standpunkt klar machen und ihn auch über die Pflichten eines Bürgermeisters belehren werden. Auch darf Herr Theodaki nicht vergessen, daß er ein Drittel seines Gehaltes aus den Taschen der Juden erhält. Berlin, 7. Juni. Zu den russischen Judenausweisungen berichtet die „Allg. Reichskorresp." über die vorbereitenden Schritte, welche Baron Hirsch zur Ansiedlung russischer Jud e n in Argentinien unternahm. Wir entnehmen diesen Mittheilungen Folgendes: Anfangs April d. I. entsendete Baron Hirsch den Professor an der Universität von Lausanne, Dr. Löwenthal, nach Argentinien mit Vollmacht, eine Grundfläche von nahezu neun Millionen Joch anzukaufen. Auf dieser Fläche ist die Anlage von Dörfern und Märkten je nach dem Bedarf und dem Zuströmen der Einwanderer geplant. Die Anlage soll nach einer bestimmten Schablone erfolgen, derart, daß sich je ein Markt mit ca. 5000 Bewohnern im Mittelpunkt von 10 Dörfern mit je 1000 bis 2000 Bewohnern befinden soll. Zunächst wird das zur Leitung und Ueberwachung einzusetzende Direktorium, an dessen Spitze Baron Hirsch selbst treten will, den Ausbau von zwei oder drei Marktdiftrikten selbst vorbereiten und zu diesem Zweck die erforderliche Anzahl von Handwerkern in das Ansiedlungsgebiet entsenden. In Buenos Ayres wird sich zunächst ein LokalcomitL konftituiren, um diese vorbereitenden Arbeiten auszuführen. Jede Ortsgemeinde soll sich autonom verwalten und der Distriktsbehörde unterstehen, welche von dem Lokalcomitö in Buenos Ayres abhängig ist. Um die Auswanderung selbst in Fluß zu bringen und durchzuführen, sollen in Lemberg, Wien, Berlin, Hamburg und London wertere Lokalcomlts's gebildet und mit ausreichenden Geldmitteln zur llnterftützung und Beförderung der Auswanderer versehen werden. Der Sitz des Direktoriums soll in Paris sein. Berlin, 10. Juni. Auf Einladung des geschäftführrenden Ausschusses des deutschen Central- Comitös für die russischen Juden tagte gestern hier eine Versammlung von Vertrauensmännern aus den wichtigsten Städten des Auslandes und Deutschlands, um über die Hauptfragen, welche bei der Auswanderung der Juden aus Rußland zu lösen sind, einig zu werden. Es waren anwesend: die Herren Isidore Loeb und M. Erlanger-Paris, Elkan Adler- London, Dr. Alfred Stern-Wien, Dr. Goldzieher- Budapest, Juftizrath Fuld, Direktor Dr. Bärwald und PH. Schiff-Frankfurt a. M., Juftizrath Josephthal-Nürnberg, Dr. Lion-Breslau, Rabbiner Dr. Bamberger-Königsberg, Hermann Gmnpertz-Hamburg, Rabbiner Dr. Bloch und Friedenthal-Posen, Heinemann-Lüneburg, ferner aus Berlin die Herren: Juftizrath Makower, Commerzienrath Goldberger, General-Consul Landau, Dr. Heinrich Mayer Cohn, Rechtsauw. B reslauer, Karl Emil Franzos, Bernh. Croner, Dr. Lachmann, Sigtsm. Simmel, Jul. Jacoby, Ferd. Reichenheim, Sanitätsrath Neumann, Dr. Preuß u. Georg-Jsaac-Charlottenburg. Das Präsidium bestand aus den Herren Juftizrath Makower- Berlin, E. Adler-London, Michael Erlanger-Paris, Dr. Stern-Wien; als General-Referent fungire Kommerzienrath Goldberger-Berlin, als Schriftführer die Herren Karl Emil Franzos-Berlin,

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