Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 48 (17.6.1891)
- Date
- 1891-06-17
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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878 brauchen wir und suchen wir für die göttlichen Gebote. Nicht ist die Thora das Geistesprodukt eines Moscheh, sondern Gott ist es, der in den heiligen Gesetzen das „Ncan ocb nn" angeordnet hat und die mündliche Lehre, die Tradition, folgert daraus auch die Unreinheit des Blutes der Kriechthiere." Da beabsichtigte R. Schimeon den Jüngling zu bestrafen dafür, daß eres wagte, in seiner (R. Schimeon's) Gegenwart eine Antwort zu geben und so dem Lehrer vorzugreifen. Jndeß erinnerte er sich rechtzeitig des Versprechens, das er dem Vater gegeben und zu gleicher Zeit sah er ein, daß dieser Jüngling seinem geistigen Gegner gewachsen und daß die Lehren der heiligen Thora bei ihm schon erhaben über allen philosophischen Hypothesen stehen. Da sagte er: „hx* di^bo pn "inrv va«".*) Unbehelligt kehrt der Sohn zu seinem Vater zurück. Er ist der richtige Dsn To^n. „Aber glaubet Ihr wirklich, daß Euch Juden der Zutritt beim Kaiser gestattet wird?" fragte der Stoiker, den man von dem Zwecke der Reise unterrichtet hatte. „Weder würde die Umgebung des Kaisers Jemanden von Euch zur Vertretung Eurer Sache an höchster Stelle zulassen, noch würde der Kaiser ein Gesuch aus Euren Händen entgegennehmen. Wenn ich indeß einen Rath ertheilen dürfte, so schließt Euch doch der neuen Lehre an, deren Prinzipien durch Uebertragungen des \vobr\ p, Tholmäus Sohn, Bartholomäus, wie man ihn nennt, bis nach Rom gedrungen sind. Es finden sich gewiß in der gelehrten Stadt, wo die von diesem übersetzten Schriften bereits große Verbreitung gefunden, cinflußreiche Personen, die bereit sind, alsdann Euch in die dortigen Hofkreise einzuführen und beim Kaiser Eure Sache kräftig zu befürworten. Was Ihr als Juden nicht erreichen könnt, das wird vielleicht als Anhänger der neuen Religion Euch gelingen." Da weinte R. Schimeon und sagte: „Sollte Israels Heil nur auf dem Wege des Abfalls von der heil. Lehre zu erreichen sein? Nicht so. — Nicht auf natürlichem Wege hat Gott Sein Volk gerettet und behütet. Selbst die Magd unseres Uranen Abraham wurde wunderbarer Weise auf ihrem Wege von einem Engel beschützt. mp» bjD ojn N3» und auch wir werden unsere Zwecke durch Gottes wunderbare Hilfe erreichen." Man kam in Rom an. Obwohl auch die Bekenner der neuen Lehre damals verfolgt wurden, gelangten die Schriften des Bartholomäus doch in die Gemächer der Tochter des Kaisers und man erfuhr, daß die hohe Frau sich mit deren Inhalt vertraut gemacht hatte. Sie billigte die Lehren jener Religion, die auch die Liebe gegen die Nebenmenschen predigte. Wie durch ein Wunder gelang es unseren Reisenden, die Sympathie der Fürstentochter für die bedrückten ,und leidenden Brüder zu gewinnen, und gestützt auf die Vertrautheit der Prinzessin mit jenen Schriften, in denen die Ausübung der Nächstenliebe keine geringe Rolle spielte, wagten die. jüdischen Gesandten, ihr Anliegen der Fürsprache der Kaiserstochter anzuvertrauen. Nunmehr fanden die Bittgesuche des R. Schimeon und R. Elieser b. R. Jose willig Gehör und daraufhin wurden die Hadrianischen Edicte zurückgenommen, um nie mehr eingeführt zu werden. Man kann sich leicht vorstellen, welche Freude in Israel herrschte, als die Botschafter von ihrer Reise heimkehrten und den günstigen Erfolg ihrer Mission mittheilen konnten.— Ob aber R. Jos« diesen allgemeinen Jubel theilte? Wir glauben annehmen zu dürfen, daß bei dem weisen und vorausschauenden Lehrer diese Freude keine ungetrübte war. Sein Sohn unterlag zwar nicht der Gefahr, welche er befürchtete. Könnten aber die jetzt auftauchenden und sich verbreitenden Ideen, die das Dasein Gottes wohl anerkannten und die Nächstenliebe anpriesen, aber die Gesetze der Thora zu verdrängen und ungtltig M erklären suchten; werden diese Ideen, welche nur dem bloßen Glauben Vorschub leisteten, aber der Ausübung der Gottes-Gesetze durch ihre philosophisch angehauchten, nebelhaften Gedankenreihen entgegen waren, das Judenthum nicht mehr schädigen, als alle von der römischen Regierung dekretirten Zwangsmaßregeln und alle staatlichen Vergewaltigungen? „Der Glaube", um mit S. R. Hirsch zu reden, „macht den Menschen zum Menschen, das Gesetz macht ihn zum Juden." **) Würde nicht, so fürchtete R. Jose, die neue sich geltend machende Religion, die allerdings zur Aufhebung der Edicte Hadrians, wenn auch mittelbar beigetragen, diese neue Religion, wenn sie erst selbst nicht mehr der Verfolgung wird ausgesetzt sein, und für ihre eigenen Prinzipien Propaganda machend, würde sie nicht die Thorabeflissenen zum Abfall und zur Sünde zu führen suchen? — Zu einer solchen allgemeinen Befürchtung mochte er noch seine besondere Gründe haben. Denn wie dachten die Sepphorier, die Stadtgenossen des großen Tanaiten über das göttliche Gesetz? Der Talmud Jeruschalmi n\jyn III 4. fällt nicht das günstigste Urtheil über die Bewohner von Sepphoris. **) Die Religion im Bunde mit dem Fortschritt. ) Diese Leseart hat Chabib in seinem npy pp.