Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 48 (17.6.1891)
- Date
- 1891-06-17
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXXII. Zatzrgang. M 48. Israelit««»Zeschurun. Jeitsihüst r»r FSrtzersW jSd. ©elftes ssd D. fetiew io Mos. SkvrM uf Ztzolr. Kentrak-Hrgan für das ortßodore Judenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Mainz. Mittwoch, den 17. Juni 5651 (1891). Zur gefall. Beachtung! Vielfachen Wünschen entsprechend, können bei uns Meipe - Dcborrrrernenks bestellt werden und wird aus Verlangen unser Blatt an die jeweils aufgegebenen Adressen auf das Pünktlichste besorgt. Expedition des Israelit & Jefchurun." Leitender Artikel. Sprüche der Mater. Viertes Buch. XXXVIII. Fortgesetzt von Liepman Philip Prins. Frankfurt a. M., 15. Juni. Wir berichteten in dem vorigen Kapitel, daß man R. Schimeon ben Jochai und R. Elieser, Sohn des R. Jos«, dazu ausersehen hatte, bei dem Kaiser Marcus Aurelius Antoninus Fürbitte für ihre leidenden Brüder einzulegcn. Sehr ungern überließ R. Jos« diese Sendung seinem Sohne. Er fürchtete, derselbe werde großen Gefahren ausgesetzt sein, au Körper durch die Reise und ihre Fährlichkeiten, mehr aber vielleicht an Geist und Seele. In Bezug auf letztere mochte der Vater denken: Dort, in den reich ausgeschmückten Hallen eines Kaiserpalastes, dort, wo das menschliche Auge geblendet wird durch alle Herrlichkeiten, welche die Welt nur bieten kann, dort, wo ein mächtiger Herrscher das Scev^er führt, auf einem goldenen Throne sitzend, umgeben von seinem Senate und den größten Weisen und Gelehrten der Weltstadt, dort endlich, wo des Gebieters gelehrte Worte ihres tiefen, sinnigen Gehaltes wegen die ganze Umgebung in Staunen setzen, da wird mein in Einfachheit erzogener Sohn, der vielleicht noch nicht genügend eingedrungen ist in die Tiefen der göttlichen Lehre, nicht im Stande sein, den Geist frei zu halten von den Einflüssen und Eindrücken, die seinem Gesichtskreis bisher fremd geblieben und die seinen Geist nicht berührt haben. R. Josö legte den Weisen die Frage vor: „Würde mein Vater Chalaphta in mich das Vertrauen gesetzt haben, das ich, wie man von mir wünscht, in meinen Sohn setzen soll? Wird mein Sohn dort, wo er für das Heil seiner Brüder zu wirken, die Mission übernimmt, nicht selbst großen Schaden in sittlicher Hinsicht nehmen? — Vielleicht auch könnte ihn schon während der Reise der Zorn seines hohen Mitreisenden, R. Schimeon, treffen, wenn er, der Jüngere und weniger Erfahrene, einer geringen Verletzung des Anstandes und der Ehrerbietung gegen ihn sich schuldig macht?" „Betreffs der letzteren Befürchtung kannst Du ohne Sorge sein," entgegnete R. Schimeon, „und was Deine erste Frage anbelangt," fuhr dieser zu erwiedern fort, „so frug ich mich, würde mein Vater, R. Jochai, wenn er noch lebte, es mir erlaubt haben, diesen Schritt zu wagen, und ich mußte mir selbst antworten, wo das Heil unserer Glaubensbrüder befördert werden kann, da haben wir keine Gefahr zu fürchten." Unsere Reisenden begaben sich auf den Weg. Kaum hatten sie eine Strecke zurückgelegt, da begegnete ihnen bereits ein Anhänger des Vernunftglaubens, welcher sich in ein Zwiegespräch mit den jüdischen Gelehrten einließ. „Wie herrlich sind doch die Gebote der Schrift, wie staunenswerth, daß schon Moscheh aus Gründen der Vernunft den Genuß der Kriechthiere, selbst die Berührung der todten B'jnty verboten! «in ppw, Abscheu ist es — wahrlich ein richtiger Bernunftgrund! Aber weßhalb erklären die jüdischen Gelehrten auch das Blut der Kriechthiere für unrein? Wohl weiß ich, daß das Blut der Thiere verboten ist; selbst den Noachiden ist es untersagt; aber Fisch- und Heuschreckenblut ist zu genießen gestattet. Gibt es einen Vernunftgrund dafür, daß das Blut der crs-w unrein sein soll?" Und R. Elieser in seinem Eifer antwortete sofort: „Nicht einen Vernunftgrund