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Der Israelit · 1891-06-11 · Heft 46-47 (11.6.1891) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 46-47 (11.6.1891)
Date
1891-06-11
Page
– (sequence 20)
Language
German
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868 lich gegen Aufwendung großer Geldmittel, bis zum October 1626. Im Jahre 1637 wurde unter dem Erzbischof von Mainz, dem Wiesbaden zufiel, dem Juden Nathan der Wohnsitz in Wiesbaden gestattet; seitdem siedelten sich dort wieder Juden an, ohne aber, daß damit ihre Leidenszeit vorbei gewesen wäre. Um 1700 wurde der erste Rabbiner angestellt; das gegenwärtige Jahrhundert brachte den dortigen Juden die Gleichberechtigung. — Der Tod des bedeutenden und bis jetzt noch nicht ersetzten Centrumführers, Ludwig Wiudthorst, hat das merkwürdige Wunder geübt, für einen Moment allen Parteihader im deutschen Reiche verstummen zu lassen. Alle einten sich angesichts des Hintritts dieses Mannes dem hohen Gerechtigkeitssinne zu huldigen, das ihn während seines langen Lebens auszeichnete. In all den traurigen Zeiterscheinungen, die manchen zum Pessimisten machen könnten, ist es doch ein erhebendes Gefühl, daß die Achtung vor der Wahrhaftigkeit, vor der Ehrlichkeit des Charakters größer ist, als jede Parteirücksicht, daß sie sich über den Parteistandpunkt erhebt. Wir werden hieran wieder durch eine kurze Lebensbeschreibung Ludwig Windthorsts aus der Feder des Pfarrers Joh. Menzenbach (Trier. Paulinus-Druckerei) erinnert. Diese stellt, nachdem das Leben dieses Mannes erzählt ist, zum großen Theile die Nachrufe zusammen, die diesem Parlamentarier in den Zeitungen gewidmet wurden, unter denen sich natürlich auch die der jüdischen Blätter befinden, die warme Worte für den Hintritt Windthorsts, den Vertreter der Rechtsgleichheit aller Konfessionen, hatten. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. L. S. Oppenheim, 2. Juni. Wenn von Alters her unsere Gemeinde für das Elend und die Noth armer, bedrängter Glaubensgenossen stets ein warmes Herz hatte, so zeigte sich dieser Tage diese so oft bewährte Tugend abermals in dem schönsten Lichte. Auf Veranlassung unseres verehrten Synagogen-Vorstandes wurde in der Gemeinde zur Linderung der so traurigen Lage unserer armen Brüder und Schwestern in dem fernen Osten eine Sammlung veranstaltet, die eine nicht unbedeutende Summe in Anbetracht der nicht großen Mitgliederzahl ergab. Auch die hier bestehenden Wohlthätigkeitsvereine haben im Hinblick auf das unbeschreibliche Elend entsprechende Beträge bewilligt, so daß wohl eine Summe von 350 Mark abgesandt werden kann. Wenn es auch nicht am Platze ist, dieses hochherzige Handeln unserer Gemeinde und der drei Chewros öffentlich zn beloben, so geschieht eine Veröffentlichung der Thatsache nur deßhalb, damit andere Gemeinden sich ein Muster daran nehmen und ebenfalls nach Kräften den Vaterlands- und heimathslosen Glaubensbrüdern beistehen. O e st e r r. -Ungar. Monarchie. Prag. Es gibt gewisse historische, in das Leben der Völker tief eingreifende Momente, welche der Ausgangspunkt einer Entwickelung sind, die jahrtausende alte Gebäude stürzen, um Neue auf deren Ruinen entstehen und erblühen zu lassen. Daß solche Momente gleichzeitig auch zum Ausgangspunkte einer, durch Jahrhunderte fortgesetzten Forschung der hervorragendsten Geister aller Zeiten und Nationen gemacht werden — wer sollte sich darüber wundernd Aber desto schwerer fällt es einem jungen Forscher, auf diesem nun ziemlich ausgebeuteteu Gebiete Neues zu finden, wenn es nicht ein Erfinden sein soll. Er kann höchstens von der hohen historischen Warte aus, einen Rückblick auf die verflossenen Jahrhunderte werfen, die geschehenen Veränderungen und Umgestaltungen erkennend eine neue Seile der, den Ausgangspunkt jener merkwürdigen Entwickelung verursachenden Momente abgewinnen und beleuchten. Eine solche neu gewonnene Seite in dem alten Kampfe zwischen Hellenismus und Judenthum auch weitern Kreisen bekannt zu machen, war die Tendenz eines Vortrages, welche Herr Dr. Isidor Hirsch ans Hamburg am verflossenen Sabbat in den Lokalitäten des Vereines für Wissenschaft des Judeuthumes hielt. Es dürfte heute wohl kaum ein Aesthetiker es bestreiten, daß das Schöne nicht nur einen bildenden, sondern auch einen die Lüttlichkeit fördernden Einfluß auszuüben berufen ist. Dennoch lag im Alterthume bei den, noch heute als Culturvolk anerkannten und bewunderten Griechen die Aesthetik im direkten Widerspruche mit dem wahrhaft Sittlichen. Diese beiden sich ergänzen sollenden und doch sich hier widersprechenden Prinzipien waren durch zwei Völker vertreten, die sich als Träger der Cultur und Weisheit anszeichneten und deren unvergänglicher Einfluß auf alle übrigen — auch die gegenwärtig existirendeu Nationen unverkennbar ist. Diese verschiedenartige Vertretung bedeutete aber auch den vollständigen Ausschluß des Einen durch das Andere, bedeutete den Kampf. Dieser Kamps der Sittlichkeit gegen das Schöne wurde ausgekämpft in dem Kampfe zwischen Judenthum und Hellenismus, und der Kriegsschauplatz dieses ewig denkwürdigen Kampfes war Alexandria in Egypten. Auf diesem Schlachtfelde waren aber die Gegner nicht in feindliche Lager getrennt, viel-

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