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Der Israelit · 1891-06-11 · Heft 46-47 (11.6.1891) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 46-47 (11.6.1891)
Date
1891-06-11
Page
– (sequence 18)
Language
German
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866 Deutschland das feaupt zu erheben wagte und unter der Führung von Rabbinern, Lehrern und Vorständen mit der Anmaßung hervortrat, daß die Leugnung der Wahrheit als Wahrheit und der Ungehorsam gegen die Religion als echte Bethätigung einerhöheren Erkenntntß anerkannt werden solle, überall mit Entschiedenheit und nimmer erlahmendem Eiferunter dem orthodoxen Banner der Kampf ausgenommen worden, wir hätten längst den Frieden. Mit dem Worte „Frieden" ist aber wie mit so Vielem ein arges Spiel getrieben worden. Als ob Feigherzigkeit und Friedensliebe gleichbedeutend wäre, haben sich Manche gescheut für das Judenthum gegen die mißleiteten, irrenden oder frevelnden Brüder aufzutreten. Als ob die Vertheidigung eines heiligen Gutes der Ausfluß wüster Rauflust wäre, hat man den Kampf für die Reinheit des Gemeindelebens gegen den heranstürmenden Feind als Zank- und Streitsucht stigmatisirt. Ist denn nicht der Friede das höchste Gut? rief man auf Seite der Reform den Orthodoxen zu, die auf die Zinne des Heiligthums hinzutreten sich anschickten,' um den Angriff abzuwehren. Hat Euch, Frommen, denn nicht der Friede über Alles zu gehen? Ueber Alles! Gewiß nicht! antwortet ein großer Meister in Israel.*) „Ueber Alles? Gewiß nicht! Das sagt ein echter orthodoxer Jude. Auf alles Meinige, auf Alles, worüber mir eine Verfügung znsteht, darf ich, ja in geeigneten Fällen muß ich verzichten, um des Friedens willen. Ich darf, ja muß erforderlichen Falls, Vermögen, Rechtsanspruch, ja im geselligen Verkehre auch die Wahrhaftigkeit einer augenblicklichen Aeußerung opfern, wenn es gilt, einer Friedensstörung vorzubeugen oder gestörten Frieden wieder herzustellen.' Aber, was nicht mein ist, was Gottes ist, die göttliche Wahrheit, die Wahrhaftigkeit meines Lebens, der Friede mit meinem Gotte, der Friede mit meinem Gewissen, der darf mir nicht feil sein, den darf ich selbst um den Frieden mit Menscheu nicht opfern. Von dieser Wahrheit, im Ernste des Lebens, wo man Wahrheit, nichts als Wahrheit erwartet, da heißt es: „Wahrheit kaufe, aber verkaufe sie nicht", für diese Wahrheit opfere Alles, aber verschachere sie nicht — „die Wahrheit und den Frieden liebet", erst die Wahrheit, dann den Frieden. Wenn Dir die göttliche Wahrheit gesichert ist, die Wahrhaftigkeit Deines Lebens klar gestellt ist, dann suche den Frieden mit Menschen." (Schluß folgt.) *) Samson Raphael Hirsch in der Schrift „Der Austritt aus der Gemeinde" 1876. Literarische Ilmschau. 8. Vor ungefähr zwei Jahren hatten wir die Freude, den Lesern das Erscheinen des 3. Theils des ym tn mitthcilen zu können. Wir wiesen damals auf die Bedeutung des Werkes hin, das nicht nur eine sehr fühlbar gewesene Lücke in der Literatur der Rischonim ausfüllt, sondern auch geeignet ist über manche dunkele Stellen, namentlich in den Tosaphot, Licht zu verbreiten. Mit dem vorliegenden 4. Theil pmjD und ry umfassend, dessen Herausgabe wir ebenfalls, wie den vorhergehenden, der Munificenz des gelehrten Freundes der jüdischen Literatur, Herrn Wilhelm Posen in Frankfurt a. M. verdanken, ist nun dieses Werk zu Ende geführt. Wie der vorhergehende Band ist auch dieser in Jerusalem gedruckt und von Herrn Chajim Hirschensohn mit Anmerkungen versehen. Wir hoffen, gelegentlich s. G. w. auf dieses Werk noch zurückzukommen. — Ein schwieriges talmudisches Thema hat Herr Dr. Daniel Fink als Dissertationsschrift bearbeitet: „Miggo als Rech tsbew eis im babylonischen Talmud, ein Beitrag zur Kenntniß der t a l m u d i s ch e n Methodologie". (Leipzig 1891.) Die Bearbeitung zeugt sowohl von umfassender Beherrschung des weitschichtigen Materials, wie von scharfer Auffassung, die es versteht, die oft sich wirr durchkreuzenden Beziehungen streng auseinanderznhalten. Der Vers, geht zuerst auf die Bedeutung der Worte uo, fmo, ein. Im großen und ganzen kann man dem Verf. beipflichten, daß die Scheidung dieser Begriffe aus der Etymologie sich ergebe, aber doch nicht vollständig; zwischen den beiden ersten Ausdrücken wird sich ein wirklicher Unterschied nicht feststellen lassen: der erstere als rein chaldäisch findet sich in den Sätzen in chaldäischer Sprache, der letztere als hebräisch in den hebräischen Sätzen. Ganz gewiß rckurrirt Hsin aufThatsachen oder Zuständen, die als cingetreten angenommen werden können, daß es aber solche sein müssen, die nach eigenem Belieben herbeigeführt werden können, ist nicht richtig, wie o’miN 'pdpvi beweist. Wenn der Verf. meint, die rationelle Exegese müsse der Schammai'schen Schule beipflichten, die -pno nicht anerkenne, weil der Gesetzesverletzung sonst Thür und Thor geöffnet sei, so ist der Verf. in diese fehlerhafte Auffassung durch einen anderen Fehler verfallen, da er stets davon spricht, daß durch „Werkthätigkeiten", die sonst verboten seien, am Festtage aufgehoben werden sollen; doch ist nicht von „Werkthätigkeiten", sondern von einer ganz bestimmten Werkthätigkeit, der nsam, bie Rede, und da muß gerade die rationelle Exegese der Hillelschen Schule, deren Ansicht ja auch Halacha ist, beipfltchten. Hat einmal die Thora das Verbot der n«inn durchbro-

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