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Der Israelit · 1891-06-11 · Heft 46-47 (11.6.1891) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 46-47 (11.6.1891)
Date
1891-06-11
Page
– (sequence 11)
Language
German
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alten aber sind ihr Sondergut verblieben. Hätten sie diese sich nicht bewahrt, so würde das Judenthum sich zu einem bloßen Deismus verflüchtigt haben: Sie bilden das alle Israeliten einigende Band. Wo die Pforten des Ghettos sich geöffnet haben, geben die Juden sich in ihrer äußeren Erscheinung nicht mehr als ein Sonderstamm, das Vorurtheil der nichtjüdischen Volksgenossen weist ihnen aber gleichwohl im sozialen Leben eine Sonderstellung an. Der Jude will sich nicht abschließen, im Gegentheil, er sucht die Annäherung. Woher dieses Vorurtheil? Leroy-Beaulieu glaubt diese Frage nur auf Grund einer sorgfältigen Untersuchung des Geistes und Characters der Juden beantworten zu können. Der unter nationaler Maske auftretende Antisemitismus ist aber als Heuchelei entlarvt. Wir unterdrücken manche Ausstellung, die dieser höchst interessanten Abhandlung zum Borwurf gemacht werden könnte und sehen der Fortsetzung der Untersuchung über den Antisemitismus und die Juden seitens des Herrn Leroy-Beaulieu gern entgegen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus Starkenburg. Am Sonntag, den 7. d. M., tagten zu Darmstadt im Saale der „Stadt Frankfurt" die israel. Vorsteher der Provinz Starkenburg. Die Versammlung, welche von Commerzienrath Blumen thal, I. Vorsteher der isr. Religionsgemeinde Darmstadt, präsidirt wurde, war von ca. 80 Personen besucht und dauerte von 2—6 Uhr. Es wurde beschlossen: 1. In Erwägung, daß die Religionsschulen der isr. Landgemeinden in Folge der geringen Zahl ihrer Mitglieder und der hierdurch bedingten mangelnden Leistungsfähigkeit, von nicht immer genügend ausgebildeten Lehrkräften geleitet werden und durch diesen Umstand der wichtigste Zweck des Religionsunterrichtes, auf das Gemüth und den Character der heranzubildenden Jugend zu wirken, nicht in vollem Maße erreicht wird — die Seitens der großh. Regierung an ge strebte Verbesserung des isr. Religionsunterrichtes durch Anstellung seminaristisch gebildeter Lehrer mit allen Kräften zu unterstützen. 2. In fernerer Berücksichtigung der wohlthätigen Wirkung geistiger Anregung, welche die Glaubensgensgenossen auf dem Lande vielfach entbehren: a. Die Anstellung geeigneter Persönlichkeiten zur Erreichung dieses Zieles, sowie d. die Gründung von Wanderbibliotheken an zu streben. 3. Zur Verwirklichung vorstehender Resolution die Einsetzung eines aus 6 Mitgliedern bestehenden Ausschusses, mit demSitze in Darmstadt und dem Rechte der Cooptation durch Glaubensgenossen aus der Provinz Starkenburg. Berlin. Das Fest zum Besten der ausgewiesenen russischen Juden, welches am 15. Juni in der Philharmonie stattfindet, wird, nach den bisher getroffenen Vorbereitungen, den erlesensten und glänzendsten Veranstaltungen dieser Art in Berlin sich würdig anreihen. Das künstlerische Programm verheißt ganz besondere Genüsse, musikalische Leckerbissen. Wie wir hören, wird mit dem Fest eine Tombola von Autographen, Künstlerskizzen, Bildnissen rc. verbunden sein, welche die berühmtesten Namen aufweist und eine Fülle des Werthvollen, Außergewöhnlichen und in hohem Grade Fesselnden darbietet. Unsere Schriftsteller, Gelehrten, Künstler, Parlamentarier und viele andere in der Oessentkeit stehende hervorragende Persönlichkeiten haben sich durch ihre Beiträge und Spenden für diese Tombola gleichsam zu einem edelmüthigen Protest gegen den fanatischen Geist wahrhaft frevlerischer Unterdrückung, gegen das blinde Wüthen der Unduldsamkeit vereint. Wir wollen nicht so indtseret sein, schon heute die namhaftesten Autographen mitzutheilen, aber wir können uns doch nicht versagen, die wenigen Worte hierherzusetzen, welche Theodor Mommsen in der Empörung eines edlen Geistes niedergeschrieben hat. Der verdammende Ausspruch des großen Historikers lautet etwa folgendermaßen: „Die russischen Judenverfolgungen sind ein Spiegel, in welchen die deutschen Antisemiten hineinblicken mögen, um sich darin als Mitschuldige zu erkennen." Der Rector unserer alma mater, Herr Professor T o b l e r, hat als Autograph ein allerliebstes Gedicht, ein Räthsel an seine Kinder gesandt. Bon Anton von Werner rührt ebenfalls ein Gedicht her, welches in eigenartiger Weise den Gedanken an „Hammer und Ambos" ausspinnt. Eine große Anzahl berliner Künstler, darunter Professor Skarbina und Landschaftsmaler Professor Guhde, haben ihre Photographien mit Namensunterschrift und Widmung eingeschickt und werden auch noch werthvolle Skizzen, Reproduktionen ihrer bekanntesten Arbeiten und dergleichen beisteuern. Interessant ist, daß auch der Bildhauer Eberlein in die Leyer gegriffen hat und einen poetischen Beitrag widmete. Der Parlamentarier und Landrath Baumbach übermittelte ein Gedicht, welches mit den Worten beginnt: „Der Himmel ist hoch und der Zar ist weit."

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