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Der Israelit · 1891-06-11 · Heft 46-47 (11.6.1891) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 46-47 (11.6.1891)
Date
1891-06-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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858 von der Gemeinsamkeit des Glaubens und des Bluts bedingt ist, lediglich durch gemeinsame Abstammung und Religion gebildet wird? Eine Nation ist ein Erzcugniß der Geschichte; sie wird geschaffen und erhalten durch die Gemeinsamkeit der Interessen, der Geschichte und der Empfindung. Nur auf einer wenig eutwickelteu Kulturstufe bilden Religion und Rasse das einzig einigende nationale Band. Wo ist denn unter den modernen Nationen Europas und Amerikas diejenige anzutreffen, deren Nationalität auf der Einheit der Raffe beruht? Etwa England mit seinem Gemisch von Bretagnern, Saxen, Dänen und Normannen? Oder Frankreich mit seinen Galliern, Iberer, Germanen und Romanen? Etwa Deutschland, wo der Teutoue so stark mit den Kelten, dem Slaven sich gekreuzt hat, daß in mancher Gegend die Mehrzahl der Deutschen die blauen Augen und das blonde Haar der alten Germanen ganz verloren hat? Oder Rußland mit seinem Konglomerat von Scythen, Sarmaten, Slaven, Tartareu und Finnen, oder gar die Vereinigten Staaten von Amerika? Alle zeitgenössischen Nationen setzen sich aus Rassen und Volksstämmen zusammen, die mehr oder minder sich vermischt haben, sie sind sämmtlich half-bred. Es wird nun allerdings eingewendet, daß Kelten, Romanen, Germanen und Slaven verwandte Völkerschaften sind, die einem gemeinsamen Stamme, der großen indo-europäischen Familie, angehören, während der Jude aber ein „Semite" ist, der sich den Ariern nicht einverleibcn lasse. Der Einwand wäre schwerwiegender, wenn die Nationen der Gegenwart in Wirklichkeit lediglich aus arischen Elementen sich zusammengesetzt hätten. Das ist aber keineswegs der Fall, weift Leroy-Beaulieu nach. Ebenso meint er, daß auch die Juden der Gegenwart nicht als eine reine Rasse gelten können, so daß es durchaus ungeeignet sei, sie als Semiten zu kennzeichnen. Es seien notorisch verschiedene Typen unter den heutigen Juden nachweisbar. Schon in frühester Zeit lassen sich Kreuzungen der Israeliten mit anderen Stammesangehörigen feststellen, so daß eine reine israelitische Rasse überhaupt nicht besteht und wohl niemals bestanden hat. Die Stammmutter des Davidischen Königshauses war eine Moabiterin. Uebertritte fremder Nationalitäts-Angehöriger zum Jndenthum waren häufig und zahlreich. Berichtet doch der Geschichtsschreiber Flavins Josephus von solchen in bedeutendem Umfange, sind doch viele angesehene Römer zum Judenthum übergetreten, so daß Leroy-Beaulieu im Hinblick hierauf die Behauptung wagt: „wenn die Welt nicht christlich geworden wäre, so würde sie vielleicht jüdisch geworden sein." Er -beruft sich hierfür aus die Forschungen von Gaston Boissier, Rsnan, Kucner und weist auf das Ehasarenreich hin, das eine sehr bedeutende Ausdehnung im Mittelalter batte, und deren Fürsten und Großen das Judeuthum annahmen. Es dürfte wohl auch kaum einem Zweifel unterliegen, daß Sklaven durch die Beschneidung, welche ihre jüdischen Herren an ihnen vollziehen lassen, sich mit den Inden des Alterthums und Mittelalters assimilirt haben, Alles zusammengefaßt, läßt es sich kaum in Abrede nehmen, daß in den Adern Israels fremdes, heidnisches und christliches Blut rollt, wie es ja positiv ist, daß die christlichen Völker sehr viel jüdisches Blut in sich ausgenommen haben. Freiwillig und gezwungen sind Tausende israelitischer Familien im Laufe der Jahrhunderte zum Christenthum übergegangen. so daß es wohl heute kein einziges europäisches und demgemäß auch kein einziges amerikanisches Volk (von den Resten der amerikanischen Urvölker abgesehen) gibt, das nicht mit den jüdischen Semiten sich gekreuzt hat. So steht es denn fest, daß die jüdische Rasse nicht rein ist, daß die Juden im Allgemeinen ebensowenig als Semiten betrachtet werden können, wie nicht alle Christen berechtigt sind, sich Arier zu nennen. Was dem Juden trotzdem seine Eigenart verliehen und bewahrt hat, ist einerseits die ihm eigenthümlichen Gesetze, welche sein ganzes Leben in allen seinen Aeußerungen gleichmäßig regelt, andererseits aber auch die Abgeschiedenheit, in welche ihn die politische Gewalt einengte, so daß Leroy- Beaulieu meint, „er sei geformt worden durch unsere Kirchenrechtslehrer und seine Rabbiner." Leroy-Beaulieu spricht sich in anerkennender Bewunderung über den segensreichen Einfluß des jüdischen Religionsgesetzes auf seine Bekenner während der Trübsal der Jahrhunderte aus. „Sein Religionsgesetz hat aus Israel eine reine und keusche Rasse gebildet, die trotz aller Leiden auch eine gesunde Rasse geblieben ist. Die kärgliche Ernährung und die verdorbene Luft der Ghettos haben wohl seine Muskeln schwächen können, sein Leib aber ward nicht morsch durch die unsittlichen Gewohnheiten des Orients. Die schreckliche Lasterhaftigkeit des Ariers, des griechischen und römischen oder des Semiten, des arabischen oder syrischen, haben das Blut Judas nicht vergiftet.-Nicht wenig hat auch hierzu die Gesetzgebung über das „Koscherfleisch" beigetragen. Man behauptet, daß der Jude gegen gewisse Krankheiten gefeit sei, ist dieses der Fall, so verdankt er solches seiner Lebensgewöhnung, seinem Religionsgesetz." Das Sittengesetz der Juden ist in die Töchterreligionen des Judenthums und die von seinen Schriften genährte Civilisation übergegangen die spezifisch jüdischen Satzungen und praktischen Ritu-

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