Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 46-47 (11.6.1891)
- Date
- 1891-06-11
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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853 (I bellt, wie Baron Hirsch plant. Mr. White hat ff sich bezüglich seiner Reise in Rußland zuvor die I Gewißheit verschafft, daß die Petersburger amt- I lichen Kreise ihm für seine Zwecke Unterstützung I angedeihen lassen werden. I Rumänien. I vr. 0. Bukarest, 28. Mai. Es stellt sich | bei uns manchmal recht drastisch, wenn auch später, | heraus, warum der eine oder der andere unserer | Antisemiten sich in unerklärlicher Weise geberdet : I Der Gymnasiallehrer Dr. Barbu Constantinescu in J Bukarest, welcher insbesondere den Schulantise- | mitismus pflegte und die unreifen christlichen Bürsch- I chen gegen die Israeliten anfhctzte, wie er diese I verfolgte und chikanirte, ist irrsinnig geworden | und mußte in einer Anstalt untergcbracht werden. I Es ist dies der zweite Fall; der erste betraf den I berüchtigten bratianischen Interpellations-Senator | Ed. Gherghely, der im Jrrenhause kurz nach seiner | Jnternirung gestorben ist. — Die regierenden An- I tisemiten Jassy's, der vor Kurzem aufgelöste | Stadtrath nämlich, glaubte die Stadt, deren Ver- | fall schon 1866 , als Folge der gänzlichen Ueber- | führung der Residenz nach Bukarest begonnen hat, | wodurch Jassy seitdem völlig vcrprovinzialisirt wor- | den ist, mit Hilfe des Antisemitismus wieder blühend | machen zu können. Zu diesem Zweck formnlilie er | der Regierung unter den „Wünschen der Moldauer" | die Einrichtung eines — Polytechnikums nach dem | Muster von Zürich in Jassy, „wo die Bekämpfung | des überfluthenden „fremden" Elements sich auf- I zwingt" (?). Die Herren sind eben blind: sie hältcu I sicher besser geihan, die Abschaffung der die Jsrae- | liten schädigenden, aber Mangels christlichen Ersatzes | Handel u n d Gewerbe betreffenden Ge- I setze zu verlangen; die Vortheile der Gesammtstadt [ davon wären die beste Entschädigung für die vcr- I lorenen Vortheile als ehemalige Landeshauptstadt, i Auch in einem anderen Antisemitenhauptuest, in I D or oh oj, rückt man uns zu Leibe in ähnlich wirk- I sanier (!) Weise. Daselbst hat sich nämlich ein I „patriotischer" Verein mit einem Kapital von I Frcs. — 500 (!) gebildet mit dem ausgesprochenen Zweck gegen die fabelhaften „Fremden" zu „kämpfen" durch Eröffnung einer — Bäckerei (!). Darin aber liegt wohl nur der Beweis, daß die „Autochtoucn" selbst im Handwerk tief unter den so sehr verschrienen und gehetzten „Fremden" stehen. Dafür sind wir Israeliten ganz und gar nicht exklusiviftisch, sondern lassen jeden Menschen, gleichgiltig welcher Religion, leben; wir weisen die Christen von unse- | reit Vereinen nicht zurück und begründen sogar solche, die vorwiegend Christen zu Gute kommen. Dies bezeugt das Beispiel von der Stadt Braila, wo bei den israel. Vereinen „Snopul", „Marpe le- Nefesch" (Nachtasyl), „Don Isaak Abarbünel", „Lyra", „Kaufmännischer Klub", „Hilaria", „Armelin" rc. auch Christen Mitglieder und in den Ausschüssen sind. — In Ramnie al-Walcei wurde vor einiger Zeit der erste israelitische Friedhof ein-- geweiht, seitdem daselbst Glaubensgenossen sich wieder angesiedelt haben. An der Feierlichkeit betheiligte sich die ganze israelitische Bevölkerung, es wurden Reden gehalten und eine Geldsammlung veranstaltet. — Der letztjährkge Bericht der israel. Gemeinde von Ramnicul-Szarat zeigt ein erfrenlichcs Bild des Gedeihens und Forschreitens derselben. Ich übergehe die einzelnen Zahlen und Thatsachen, um blos zu sagen, daß wie ich Ihnen s. Z. geschrieben, Ramnic-Sz. mit Fokschani von den 32 größeren Städten des Landes die einzigen zwei Gemeinden sind,'welche unter Kontrole der Regierung (Bürgermeisterei) stehen, und daß dies der Grund der ruhigen Entwickelung ist. Leider will die Regierung andere Gemeinden weder anerkennen, uoch zu juristischen Personen machen, noch beaufsichtigen. Darum deren völliger Ruin, bezw. es sind nur noch ein paar, die auch ohne Quasi-Antorität der Behörden ihren ruhigen Gang gehen. Darunter ist die Gemeinde Bac a u, deren Bericht pro 1890 ebenfalls angenehm berührt. Das Spital mit 14—15 Betten funktionirend, verpflegte 161 Kranke mit einer Ausgabe von 7039 Frcs. Der Unterhalt der Talmud-Thora kostete 3897 Frcs., Unterstützungen au Armen, deren es etwa 500 Familien gibt, wurden 8420 Frcs. gegeben rc.; für Bacau respektable Summen. Griechenland. Athen, i. Juni. Soweit die Dinge sich von hier übersehen lassen, herrscht dermalen auf Korfu vollste Ruhe. Die griechische Preffe scheint die Angelegenheit als vollständig abgethan zu erachten; in diplomatischen und wohl auch in Regierungskreisen indessen ist man von solchem Optimismus ziemlich weit entfernt. Die Ruhe, die dort herrscht, ist eine künstliche, mühsam durch Gewalt aufrecht erhaltene, und wenn auch die dortigen Inden nicht augenblicklich am Leben bedroht sind, so sind sie doch zur Flucht gezwungen; denn sie können nicht hoffen, irr absehbarer Zeit zu Sicherheit und ruhigem Erwerb zu gelangen; ein großer Theil der Korfioter Juden gehört dem Handwerkerstande an, und alle diese sind brodlos geworden. Es ist für die Griechen eigentlich tief beschämend, daß die Türkei — nach griechischen Begriffen der Inbegriff aller Barbarei — den nach Griechenland flüchtenden Juden nicht blos eine Zufluchtsstätte anbietet, sondern auch den Aermsten Reiseunterstützungen gewähren