Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 46-47 (11.6.1891)
- Date
- 1891-06-11
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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852 , Nordhauser», 3. Juni. Der hiesige Bankier Samuel Frenke l und Frau, geborene Plaut, welche heute das Fest ihrer goldenen Hochzeit feierten, schenkten aus diesem Anlasse der I. Plaut- Stiftung ein Kapital von 20,000 Mark, der Freimaurerloge „Zur gekrönten Unschuld" 1000 Mark, dem Armenverein 500 Mark u. s. w. Die Plaut- Stiftung ist im Jahre 1879 von dem früheren Bankier Jakob Plaut zu Berlin zum Gedächtnis; an seine Eltern, sowie in Veranlassung des kaiserlichen goldenen Ehejubelfestes am 11. Juni desselben Jahres mit einem Kapital von 300,000 Mark ins Leben gerufen. In dem Stiftsgrundstücke, zu dem Herr Samuel Frenkel damals den Grund und Boden schenkte, sind 50 Personen, ohne Unterschied des Glaubens, auf ihre alten Tage untergebracht. Aus Elbing geht uns folgende interessante Mittheilung zu, die geeignet ist, unsere Verehrung und Liebe zu unserem Kaiser womöglich noch zu steigern: Ehr ist bürg, 5c8. Mai. Der Sohn des hiesigen Spediteurs Behrend, welcher jetzt das Geschäft seines Vaters hicrselbst führt, hatte seiner Zeit, als der Kaiser noch Hauptmann der 2. Compagnie des 1. Garderegiments zu Fuß war, bei dieser Compagnie als Soldat seine Militärdicnstzeit abgeleistett Bei der früheren Anwesenheit dcs Kaisers in Prökelwitz hat derselbe öfters den Behrend gesehen und auch gesprochen. Gestern wurde nun derselbe ebenfalls nach Prökelwitz hinausbefohlcn, da ihn der Kaiser nach beendeter Jagd zu sprechen wünschte. Gegen 10 Uhr Abends, während des Ausweidens und Abhörnens der geschossenen zwei Böcke, welchem der Kaiser vor der Thüre stehend zusah, ließ derselbe den Behrend zu sich herantreten, unterhielt sich leutselig mit ihm, erkundigte sich nach seinen Familienverhältnissen und wünschte ihm zu seinem weiteren Fortkommen viel Glück. Der Kaiser reichte Behrend zum Abschiede die Hand. Als derselbe die Hand später öffnete, sah er, daß der Kaiser ihm zwei Hundertmarkscheine in die Hand gedrückt hatte. Frankreich. Paris, 4. Juni. Die „Estafette" erklärt die russischen Judenverfolgungen für eines europäischen Volkes und unserer Zeit unwürdige Barbareien und meint, wenn man diese Wahrheiten zugäbe, so beeinträchtige man die Sympathie der Franzosen für Rußland nicht. Byzantinische Speichelleckerei vertrage sich ebensowenig mit wahrer Freundschaft, wie mit den republikanischen Grundsätzen. — Auch der „Tewps" widmet heute den Judenverfolgungen einen Leitartikel, in welchem er zu folgenden Schlüffen kommt: „Niemand bestreitet, daß es in Rußland eine ernstliche, schwierige und verwickelte Judenfrage { gibt. Es ist nicht unsere Sache, eine Lösung für dieselbe zu finden. Eins aber ist sicher: nämlich, daß Rußland nicht zu seiner Ehre und seinem Vortheil eine Schwierigkeit, die es nicht geschaffen, überwindet, indem es jeder neueren Kultur den Rücken kehrt, das öffentliche Gewissen beunruhigt, seine Freunde bekümmert und seinen Gegnern Waffen leiht." England. Portsea, 8. Juni. Zur Wahl des Herrn Dr. Herrmanu Adler v'j zum Chief Rabbi der vereinigten jüdischen Gemeinden des britischen Reiches, ist noch mitzutheilen: Die Wahl erfolgte durch Acclamation. Den Vorsitz führte, in unvermeidlicher Abwesenheit Lord Rothschilds, des Präsidenten der „Vereinigten Synagoge", der Vice- Präsident Henry Lucas. — Letzterer sowohl, als die anderen verschiedenen Redner betonten insgesanlmt die hervorragenden Eigenschaften und Vorzüge des zu Wählenden, die ihn, wie keinen Anderen befähigen, das religiöse Oberhaupt der seiner Leitung anvertrauten zahlreichen jüdischen Gemeinden zu sein. Er sei, wie ein Redner ganz richtig bemerkte, orthodox, von wahrer Religiösität durchdrungen, Repräsentant des reinen, unverfälschten Judenthums, ein gründlicher Talmud- und weltlicher Gelehrter und ein „Gentleman" im wahren Sinne des Wortes, sein innerer feiner Charakter, seine große Bescheidenheit gehen Hand in Hand mit seiner tiefen Gelehrsamkeit. Wir wünschen dem neuen Oberhirten, dem Sohne des unvergeßlichen, in Gott ruhen'en Oberrabbiners Dr. Nathan Marcus Adler daß er sein hohes, heiliges Amt eine lange Reihe von Jahren in Kraft und Gesundheit, gesegnet von Gott und reich an guten Erfolgen, in Wohlstand und Frieden verwalten möge, so daß er im späteren Alter von sich sagen möge: Tto' (er heißt nämlich ’^nsj) kt usipö by nrn oyn bo djp Die Installation des Herrn Dr. Adler soll am 23. d. M. in der „Großen Synagoge" stattfinden. Der Lord - Mayor und dessen Frau haben ihren Besuch zu dieser Feierlichkeit angckündigt, bei welcher viele Honorationcn anwesend sein dürften. Rußland. Wie aus Petersburg gemeldet wird, bereist Mr. White im Aufträge des Barons Hirsch die am meisten von Juden bewohnten Gegenden Rußlands, um sich Gewißheit zu verschaffen, ob die Juden gesonnen sind, nach Argentinien überzusie-