Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 46-47 (11.6.1891)
- Date
- 1891-06-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Schauer der GoiteSstimme lauschte, so soll der Gedanke uns beseelen und beseligen, daß es die Liebe und Allgüte Gottes ist, die uns Sein Wort und Seine Lehre übermittelten, so daß wir von hehrer Begeisterung durchdrungen mit unseren Vätern in den Ruf ausbrechen yoBW 'n m upm bj „Alles, was der Ewige geredet, wollen wir thun und darauf hören." Zur Lage der Juden in Kußkand. Der Petersburger Correspondent des „Daily Telegraph" hat sich vor einigen Tagen durch eine Reise nach Moskau überzeugt, daß die Nachricht von'der Sistirung der Ausweisungen jeder Begründung entbehrt; nur einem einzigen Juden wurde dort eine Frist von drei Wochen gewährt, da derselbe mit den Moskauer Behörden in geschäftlicher Verbindung steht. Sonst wird die Ausweisungsmaßregel mit voller Strenge durchgeführt; weder die Notwendigkeit der Abwicklung ausgedehnter Geschäfte, noch Krankheit eines Famienmitgltedes werden berücksichtigt. Gerade während der Anwesenheit des Correspondenten in Moskau gab der dortige Poltzei-Präfect den Auftrag, ausgewiesene Juden, welche versuchen wollten, zurückzukehren, noch am Tage ihrer Ankunft vor Sonnenuntergang mit Gewalt wieder zu entfernen, und die Eigentümer von Hotels, möbltrte Wohnungen rc. wurden bei Androhung schwerer Strafen angewiesen, die Polizei sofort zu verständigen, wenn ein Jude bei ihnen erscheinen sollte. Auch in Kiew ist die Lage der Juden ungünstiger als je zuvor, seitdem der General- Gouverneur Graf Jgnatiew ans Petersburg zurückgekehrt ist. Nach dem Gesetze haben „geschickte Handwerker", d. h. solche, die sich mit Zeugnissen über ihre Lehrjahre ausweisen können, das Recht, ständig in Kiew zu wohnen. Jgnaliew hat nun eine eigene Judenaustreibungs-C-mmission eingesetzt, vor welcher alle „geschickten Handwerker" jüdischen Glaubens Proben ihrer Geschicklichkeit ablegen müssen; wenn man bedenkt, daß sich unter den Mitgliedern dieser Commission Concurrenten der zu prüfenden jüdischen Handwerker befinden, so kann man ermessen, in welcher Weise diese häufig ihres Amtes waltet. Jgnatiew hat auch ungeordnet, daß alle jüdische Handwerker, welche zu wenige Aufträge erhalten, sofort auszuweisen sind. So strenge geht Graf Jgnatiew zu Werke, daß selbst viele von jenen Juden, die das unbestreitbare Recht besitzen, in Kiew zu wohnen, sich fürchten, auf ihrem Rechte zu bestehen, und die Ausweisung stillschweigend über sich ergehen lassen. Und Jene, welche es versuchen, ihre Rechte geltend zu machen, stoßen auf so viele Hindernisse und Quälereien, daß sie endlich die Answeisung vorziehen. „Ich will dieser Brut Gerechter und Ungerechter Kiew heiß machen", soll sich Jgnatiew geäußert haben. Zeitungsnachrichten und Correspoudeuzeu. Deutschland. Berlin, 29. Mai. Man schreibt der „Kreuz-Zeit.": Der „Börsen-Kour." bringt einen Artikel über die Unterstützung der russischen Auswanderer, worin gesagt wird, die Aufrufe hätten gelautet zu Beiträgen für die Unterstützung russischer Juden, das Komitö habe aber recht daran gethan, daß es auch die Christen unterstütze, obgleich das eigentlich nicht seine Aufgabe sei. Wir wollen dem jüdischen Komitö keineswegs Vorwürfe machen, denn die Unterstützungs-Aufrufe haben tatsächlich „für Juden" gesammelt und die weitaus meisten Beiträge sind auch jedenfalls von Juden gezahlt worden. Es steht aber fest, daß am Montag 150 christliche Auswanderer nach Thorn zurückdirigirt sind, weil sie nicht genügend Geldmittel besaßen, und bekanntlich ist es deswegen zu den peinlichsten Szenen gekommen, da die Leute voller Verzweiflung über ihre Rücksendung waren. Es steht ferner fest, daß die jüdischen Auswanderer Geld erhalten zur Weiterfahrt; wie wir bereits mitgetheilt, wurden am Dienstag an 1600 Auswanderer 48,000 M. gezahlt. Der Einwand, daß die Christen nicht so bedürftig seien, als die Juden, ist im Hinblick auf die Vorgänge am Montag nicht haltbar. Trotzdem wollen wir, wie gesagt, nach jener Seite hin durchaus keine Vorwürfe erheben, denn niemand hat eine Verpflichtung zu freiwilligen Gaben. Wenn die Juden ihre Glaubensgenossen so reichlich unterstützen, so ehrt sie das, wir möchten nur wünschen, daß die Christen in gleicher Weise sich selbst ehrten. Gegenüber solchen Jammerszenen, wie wir sie in Charlottenburg vor uns sehen, muß der Wunsch, zu helfen, durchschlagend sein. Wenn man sieht, daß die Auswanderer den Tod weniger fürchten, als die Aussicht, nach Rußland zurücktransportirt zu werden, daß sie sich sogar mit Weib und Kind auf die Eisenbahnschienen legen, um sich von den Zügen zermalmen zu lassen, so muß jeder andere Gesichtspunkt zurücktreten; ob wir die Auswanderung für richtig oder nicht halten, ist gleichgiltig, wir müssen einfach helfen, wenn wir noch einen Funken Menschenliebe in uns verspüren. (Wir sind überzeugt, daß, wenn die 150 christlichen Auswanderer sich bei dem jüdischen Komits gemeldet hätten, sie Unterstützung erhalten hätten. Red.)