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Der Israelit · 1891-06-11 · Heft 46-47 (11.6.1891) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 46-47 (11.6.1891)
Date
1891-06-11
Page
– (sequence 2)
Language
German
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850 Im Namen des bt* segnet Jsaac den in die Ferne ziehenden Jacob und noch auf seinem Todtenbette erzählt dieser seinem königlichen Sohne Joseph, daß ihm nw *?s einst in Luß erschienen sei. Unbedingte Unterwerfung, selbstlose Ergebung in den Willen des Allmächtigen, stumme Unterordnung unter die geheimen Pläne des erhabenen Weltenlenkers waren die Folgen dieser durch die Natur bewirkten Gotteserkenntniß. Wie hier Alles ewigen Gesetzen folgt und ohne Zaudern und Verweilen sich dem Winke des Schöpfers fügt, so mußte sich auch der Mensch dem göttlichen Weltenplane fügen. — Nirgends in der heiligen Schrift finden wir daher selbstlosere Hingabe, innigere Ergebung in den Willen des Schöpfers als bei den Erzvätern. Aber auch nur jene erhabenen Gestalten konnten in diesem Glauben bestehen, nicht ihre Nachkommen, die von geringerer Geistesgröße und geringerer Tugendstärke waren. Denn ein Glaube, dessen Erkenntniß sich nur auf diejenigen Seiten des göttlichen Wesens beschränkte, deren Spuren wir allerorts in der Natur auffinden, wird auf die Dauer das Menschenherz nicht fesseln. Wie hätte sich der Mensch mit dem ewigen Räthsel abfinden können, daß er höhere Pflichten als alle anderen Geschöpfe zu erfüllen habe, ohne eine höhere Stufe als sie einzunehmen? Warum durften alle andere Wesen blindlings ihrem Naturtrieb folgen, während er seine Leidenschaften zügeln, seine Begierden meistern muß? — Da ergeht denn die Offenbarung an den Sterblichen und löst ihm das Räthsel, indem sie ihm den einigen Gott der Liebe kündet, der den Menschen höher als alle Geschöpfe stellt und nur deßhalb seine Gebote an ihn ergehen ließ, damit er sich durch sie veredle und seiner Vervollkommnung entgegenstrebe. Der Name „Ad . . aih" wird ihm offenbart, das Spiegelbild der Liebe und Allgüte Gottes, und so erhellt sich ihm der Lebensweg und alle Lebensräthsel schwinden. ^sa apy ^>si prop!?m oma« ^s nisi orfr ’njnu »6 'n 'vun np „Ich erschien dem Abraham, Isaak und Jakob als .,El schaddai" als allmächtiger Gott, doch mit meinem Namen Ad . . aih, dem Inbegriff der Liebe, bin ich von ihnen nicht erkannt worden", sagt Gott zu Moses in Egypten, als er an der Rettung Israels verzweifelte, und hierdurch gibt er ihm neuen Muth, für die Unterdrückten einzustehen. Israel in Egypten hatte für diese neue Lehre noch nicht das rechte Verständniß, „aus Kleinmuth und wegen schwerer Arbeit." Doch als es die Güte Gottes an sich selbst erfahren, als es aus Egypteu sich befreit, aus den Fluthen des Schilfmeeres sich gerettet sah, da fand dieselbe, der Verheißung Gottes gemäß (2. B. M., K. 6, V. 7) auch bei ihm Eingang und mit freudigem Beben lauscht es den Donnerworten von des Sinai Höhe, die ihm diese neue Lehre kundthun. Wir wollen hierbei gewiß nicht übersehen, daß es schon bei Abraham heißt cnas ^s 'n nti — Gott war ja stets der gütige, liebevolle Vater, mochten es die Menschen wissen und erkennen oder nicht — aber was das innerste Wesen unseres Glaubens ausmacht, ward nicht von Abraham erkannt, sondern erst Moses übermittelt. Es ist dies weniger der Glaube an einen einig-einzigen Gott, wie ihn Abraham hatte, und wie er uns aus dem Größten und dem Kleinsten in der Natur entgegentritt, als vielmehr der Glaube an einen einigen, gütigen, liebevollen Gott, der die Menschen seine Kinder nennt und ihnen in inniger Liebe zugethan ist, wie ihn die Sinaistimme kundthut. Denn wohl kann uns die Natur das Erhabene und Gewaltige, das Unendliche und Ewige, das Unermeßliche und Unfaßbare des höchsten Wesens zeigen, nimmer aber den einig-einzigen Gott der Liebe, in dessen Ebenbild der Mensch geschaffen ward, der selbst hochheilig Heiligkeit vom Menschen fordert. Diesen können wir nur durch die Offenbarung kennen lernen. So tönt denn von des Horebs Höhe mit Allgewalt das Gotteswort: 'n w DHay n*ao ohsd pND 7nwnn im „Ich bin Haschem, Dein Gott, der aus Egypten Dich geführt, aus dem Hause der Knechtschaft. Nicht aus die Weltenschöpfung weift Gott hin, — als Schöpfer können wir ihn aus der Natur erkennen — sondern auf den Auszug aus Egypten, wo sich die Liebe Gottes an Israels Gesammtheit zum ersten Male offenbarte, denn als Gott der Liebe will er Israel erscheinen und von ihm erkannt sein. Diese Seite des göttlichen Wesens ist das Höchste und Erhabenste, was der Menschengeist erfassen kann, eine höhere Erkenntniß gibt es nicht und wird es nimmer geben. Darum führt Gott Moses, als er diese Herrlichkeit des Ewigen in ihrer höchsten Pracht zu sehen wünschte, seine Allgüte und Allliebe vor, indem er ihm die Worte zurief: -ion»i ns ’ium *p®^ 'n vwa ’rsipi -pc by ’ans ba ynyt* onns -)»« ns ’non*n ins im „Ich werde vorübersühren all' meine Güte vor Deinem Angesicht und ausrufen den Namen Ad . . aih vor Dir, wie ich begnadige, den ich begnadigen will, wie ich mich erbarme, wessen ich mich erbarmen will" (2. B. M., 33, 18.) In diesem Ausspruch gipfelt unsere Erkenntniß, in diesem Ausspruch zeigt sich die Erhabenheit und das Beseligende unseres Glaubens. Wenn wir daher am Schabuothfeste die Verlesung des Zehnwortes in dem Gotteshaus vernehmen und uns im Geiste in jene Zeit zurückversetzen, da Israel am Sinai stand und von heiligem

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