Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 32 (1891)
- Issue
- Heft 46-47 (11.6.1891)
- Date
- 1891-06-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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frXXH« Jahrgang. " JSs A6T jfc 4&1 Israelit««*Ieschunm. Zkttslhüfl M FöldklW jiiii. Srlßrr m jild. Keims i» Ass. SmrMk irt Zchilk. Kentrak-Hrgan für das orthodoxe Judenthum. Begründet von Dr. Lehmann in Main-z. Donnerstag, den LI. Juni SSSL <ir»VL). gyjp“" Die nächste Nummer erscheint Mittwoch, den 17« Juni. Leitender Artikel. Hlalur und Hffenvarnng. Eine Betrachtung zum Schabuothfeste von Rabbiner Dr. Rosenberg:, Brandenburg a. H. Wiederum naht das Fest der Offenbarung, und es zieht jenes Hochgefühl in unsere Herzen ein, das der Besitz der hehrsten Wahrheit über Gott und seine Schöpfung im Gefolge hat. Mit inniger Freude weiht sich daher Israel der Erinnerung an die Stunden, da das erhabenste Ereigniß, das die Entwicklungsgeschichte der Menschheit zu verzeichnen hat, sich vor den Augen seiner Ahnen in überwältigender Hoheit abspielte, und so legt es durch seine Feier und durch seine Festesfreude stets aufs Neue Zeugniß dafür ab, daß seine Gesammtheit sich frei fühlt von dem Irrwahn, der alle Schöpfungen des Weltalls in natürlicher Weise zu erklären sucht und den Glauben an einen einigen, liebevollen Gott als das Ergebniß verständnißvoller Naturbetrachtung und tiefernsten Denkens und nicht als Ausstoß göttlicher Liebe, göttlicher Güte gelten lassen will. Zum Sinai weist das Schabuothfest uns hin und läßt uns dort die Quelle unserer Gotteserkenntniß suchen. Das Wiegenfest der Thora läßt unsere Religion uns feiern, um uns zu mahnen, daß wir nicht minder ihren Ursprung, wie ihre Lehren uns vergegenwärtigen und hierdurch die Kraft erlangen, diese Lehren stets zu beherzigen und zu bethärigen. Aber darum schätzt unser Glaube die menschliche Geisteskraft doch nicht so gering, daß er ihr jedwede selbstständige Erkenntniß auf dem Gebiete der Religion abspräche. Er überläßt ihrer Bethätiguug und Entfaltung ein gar weites Gebiet und stellt nur bestimmte Schranken auf, die zu übersteigen sie sich nicht ermessen darf. Die heilige Schrift selbst liefert uns hierfür den glänzendsten Beweis, indem sie uns schon lange vor der Offenbarung Männer vorführt, die in der religiösen Gestaltung ihres Lebens in allen Zeiten mustergiltig dastehen. deren Kenntniß der erhabendsten Wahrheiten jedoch nicht auf Vollständigkeit Anspruch erheben kann, da ihnen die Offenbarungslehre noch nicht kund geworden war. Der Glaube der Erzväter war das Ergebniß menschlicher Geisteskraft und Geiftesforschung, er fußte auf verständnißinniger Naturbetrachtung Daher läßt auch der Midrasch den Erzvater Abraham anfangs der Sonne und dem Monde dienen und die Götzen seines Vaters göttlich verehren, bis er endlich deren Wesenlosigkeit erkennt und durch aufmerksame Naturbetrachtung die Spuren des einigen Gottes auffindet, dem er fortan seine Dienste weiht und der ihm auch bald in seiner Erhabenheit erscheint. Gewiß nichts anderes will der Midrasch sagen, als daß Abraham durch die Natur zum Glauben an den einigen Gott geführt ward. Die von ihm gewonnene Erkenntuiß kann sich somit auch nur auf diejenigen Seiten des göttlichen Wesens erstrecken, die uns aus den Gebilden der Natur entgegenleuchten, auf die Schöpferkraft und Weisheit, auf die Allmacht und Allgerechtigkeit. die Unendlichkeit und Ewigkeit, kurz, auf alle die Eigenschaften, deren Inbegriff der Gottesname 't-p ist. pan to usw „Richter der ganzen Erde" nennt Abraham das höchste Wesen, als er für das sündige Sodom Fürbitte einlegt, und nur an seine Gerechtigkeit, nicht an seine Liebe appellirt er. „Den allmächtigen und höchsten Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erde" rmp yi'i?y psi D’öEf ruft er als Zeugen an, da er die.'Gaben des Königs von Sodom zurückweist. Auch bei dem Sohne und dem Enkel Abrahams finden wir nur den Glauben an den Schöpfer des Alls und an den allgerechten Weltenrichter.