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Der Israelit · 1891-06-04 · Heft 44 (4.6.1891) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
32 (1891)
Issue
Heft 44 (4.6.1891)
Date
1891-06-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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808 Erfolg kämpften. Berns siegte und sofort wollte er sich an den Juden rächen, indem er mit einer Energie, die wohl einer besseren Sache Werth gewesen, die Hadrianischen Dekrete wieder iu's Leben rief und auf deren strikte Durchführung dräng. Ein würdiger, jüdischer Greis, R. Rüben, Sohn Aristobulos, reiste daraufhin nach Rom, um zu versuchen, ob der Kaiser durch sachgemäße Vorstellungen nicht anderen Sinnes würde. Wohl voraussetzend, daß man ihn, den geächteten Juden, bei dem Kaiser nicht vorlassen werde, ließ er sich das Haar nach Art der Vornehmen in Rom scheeren, wodurch es ihm gelang, Zutritt zu dem Kaiser zu erwirken. Er wußte das Gespräch auf die von diesem gehaßten Juden und auf die Edikte zu lenken und bewies, daß diese Verordnungen gerade das Gegentheil von dem bewirkten, was sic eigentlich bezwecken sollten. „Ihr wünscht doch," apostrophirte er den Kaiser und seine Räthe, „daß der Reichthum der Juden sich nicht noch mehr vergrößere. Wenn jetzt den Juden auch der Sabbat zu Gebote steht und sie an diesem Tage, wenn auch gezwungen, ihr Geschäft betreiben, so machen sie dann den Nichtjuden um so größere Concurrenz und bereichern sich einen Tag in der Woche mehr." — „Du Haft Recht," erwiederte der Kaiser, „das Verbot der Sabbatfeier soll aufgehoben werden." „Die Edicte enthalten auch die Bestimmung," so fuhr unser Sachwalter fort, „daß die Judenknaben nicht beschnitten werden dürfen. Aber habt Ihr nicht schon bemerkt, daß die körperliche Entwickelung der Juden weit hinter derjenigen der Nichtjuden zurücksteht; wie zart der Judenknabe, wie viel stärker der nichtjüdische Knabe ist! Wisset Ihr nicht, daß dieser Unterschied von der Beschneidung herrührt, daß diese den Körper schwächt? Die Folgen des Beschneidungs-Verbotes werden für die Inden höchst vortheilhaft sein; sie werden nicht nur geistig, sondern auch körperlich an Kraft den Nichtjuden gleichkommen, ja, sie noch überragen." — „Wie wahr Du sprichst," antwortete der Kaiser, und das Dekret in Betreff der Beschneidung wurde zurückgenommen. Auf diese Weise wurden die sämmtlichen Verordnungen beseitigt. — Doch kaum hatte R. Rüben die Gemächer des Kaisers verlassen, da wurde es verrathen, daß unser Fürsprecher ein Jude sei , und mit doppelter Strenge wurde über die Ausführung der Edikte wieder gewacht. Doch nicht lange mehr sollten die Juden den Verfolgungen eines Verus ausgesetzt sein. Noch in demselben Jahre starb dieser. Jetzt wurde die Regierung von dem Kaiser Marcus Aurelius fortgeführt. Marcus Aurelius war Fürst und Philosoph. In seinem Werke, das den Titel führt: „An sich selbst", erzählt er, er sei Schüler von Sextus von Chaeronea, der ihn zum Anhänger der stoischen Philosophie machte. Ihren Principien huldige er und suche sie auch zu verbreiten. Die Vernunft sei die Mutter aller Tugenden und man lasse sich nicht von den stets wechselnden Einflüssen und Gefühlen beherrschen; dies waren wohl die Hauptgrundsätze dieser Lehre. Und in Wahrheit erzählt die Geschichte, daß Marcus Aurelius Autoninus sich durch seine Vernunft leiten ließ. Die schwer leidenden Juden konnten endlich hoffen, von diesem Kaiser, welcher Vernunftgründen zugänglich, die Zurücknahme jener grausamen Gesetze zu erreichen, die jedes Menschenrecht mit Füßen traten. Man beschloß zwei bedeutende Männer nach Rom zu senden, um die Angelegenheit zu einem guten Ende zu bringen, und es wurden R. Schimeon b. Jochai und R. Elieser, Sohn des hier in Rede stehenden R. Jose, zu dieser Mission gewählt. In einer fast mystischen Form berichtet der Talmud (Mc'ila 17) über diese Sendung und wollen wir den Versuch wagen, einiges Licht über diese dunkle Erzählung zu verbreiten. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsuachrichte» und LLorresporrdcnzeu. Deutschland. Mainz, 1. Juni. Der in voriger Nummer mitgctheilteVriefGladstomswelcher,wiealleGladstoneffchen Schreiben, an den wichtigen Stellen unklar ist, hat vielfach den Spott der englischen Presse hervorgerufen. Das Leiborgan des greisen Staatsmannes, „Daily News", zeigt sich sehr zurückhaltend. Ein direkter Appell an den Zaren, so meint das Blatt, sei nutzlos, wie die Adresse der Guildhall-Versammlung bewiesen habe. Im Uebrigen seien die Einzelnheiten über die Ausweisungen der Juden aus Rußland schon bekannt und das Beste wäre, die Mißhandelten zu unterstützen. Die „Times" weist darauf hin, daß Gladstone früher, anläßlich der Greuel in Neapel und in Bulgarien, nicht so geduldig auf die „Feststellung der Thatsachen" gewartet habe, wie er dies jetzt in Betreff der Judenverfolgung in Rußland thnn wolle. Das Sonderbarste aber sei, daß Gladstone jetzt den „unaussprechlichen Türken" auffordert, den von der russischen Negierung verfolgten Juden, den Opfern christlichen Fanatismus, eine Zuflucht in Palästina zu bieten. Es sei neu und auffallend, daß Gladstone auf die Milde des Sultans für die Opfer der Intoleranz des Zaren hoffe. Im Uebrigen konstatirt auch die „Times", daß das, was Gladstone noch festgestellt sehen wünsche, längst festgestellt sei. Die Austrei-

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